den Tag der Hochzeit gewusst und ihn sogar besorgt hätte, so dass man ihn in gewisser Rücksicht als ihren letzten Willen ansehen könne: so sei nichts unbedenklicher, als ohne Aufschub die Hochzeit zu feiern. Die Aegyptier, fuhr er fort, hatten die Gewohnheit, ein Todtengerippe bei ihren Gelagen aufzustellen; und wenn man der Sache näher tritt, so war ausser diesem teatro anatomico der Magen das zweite, teatrum anatomicum, und ist es noch! – Man merkte aus allem, dass der Baron den Herrn Gewissensrat schon zu diesem Voto vorbereitet und ihm mit vollwichtigen Gründen an die Hand zu gehen nicht ermangelt hatte. Den Emsigen würden diese geistlichen Ursachen sicherlich nicht überzeugt haben, wenn nicht seine Ochsen und sein Mastvieh geschlachtet gewesen wären; und so ging denn die Hochzeit vor sich, und der gute Prediger mischte essentia amara und essentia dulcis, Tod und Hochzeit, um doch hier und da auf die veränderten Umstände Rücksicht zu nehmen, wie ein Spiel Karten unter einander, so dass man nicht wusste, was Trumps und wie man geschoren war. Einer seiner Collegen, den man einer weitläufigen Verwandtschaft halber als Hochzeitsgast eingeladen hatte, bemerkte, dass man nach dieser Rede seines Herrn Collegen ungewiss bliebe, ob man zur Hochzeit oder mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tische gehen sollte. Dass Ehen im Himmel geschlossen würden, in welchem sich die Brautmutter befände, war die Achse, um welche sich die Rede drehte. Der Emsige freute sich innerlich, dass der himmlisch gesinnte Geistliche die Hochzeit und Standrede so artig zu verbinden gewusst hatte, und dass er doppelten Gebühren entgangen war, obgleich, unter uns gesagt, der Geistliche so wenig einbüsste, dass, wenn auch der Baron als latus per se ihn nicht bestochen hätte, er doch hinreichend durch das Geschenk entschädigt worden wäre, welches der Emsige ihm gleich nach dem Dixi in die Hand drückte. Das Wechselrecht hatte ihn prompt sein gelehrt. Unserm Himmelsboten schmeckte denn auch das Essen und Trinken besser, weil er sich so meisterlich darauf verstand, in der tasche die Siegel zu brechen und die Dukaten zu zählen, dass es ihm selbst nicht entging, ob sie gerändert wären oder nicht. Das
§. 11.
Paradebegräbniss
geschah fünf Tage nach der Hochzeit, ohne mehr Parade, als höchst nötig war. Bei aller Mühe, die der Gewissensrat sich gab, in der Stadt diese Angelegenheit zu bemänteln, liess das Gerede sich doch nicht ausrotten. Er selbst büsste sechs Beichtkinder ein, bei denen er aber wenig verlor. Dem Nachbar wurden von der studirenden Jugend, welche die Volksjustiz auszuüben gewohnt ist, die Fenster eingeworfen, und dem Emsigen konnte man es nicht vergeben, dass er aus leidigem Geize die Hochzeit nicht ausgesetzt, und dass er seine Frau, der freiherrlichen Verbindung halber, gegen die er sich zu wechselrechtlich erklärt, in die Staub seiner Gattin zu besuchen, und sich von ihrem entflohenen Schatten eine Erscheinung zu erflehen, oder sich gar einzubilden, dass sie seine Seufzerlein behorche, seine Tränen zähle und auf ihn herablächle. – Wer wollte auch so viel von einem Kauf- und Handelsmanne verlangen, der gewiss schon mehr tat, als von Hunderten seines Gleichen zu erwarten ist! – Indess betrauerte er sie wirklich, so wenig auch seine Herzenstrauer bei dem Publikum, das einmal seines Geizes halber den Stab über ihn gebrochen hatte, Glauben fand. Die selig frau kam am besten bei dem Volksgerichte davon, weil sie tot war. Unter der Erde liegt Eldorado – nirgends anders, als unter der Erde. Das
§. 12.
junge Paar,
dem nun freilich sein beschiedenes teil auch nicht vorentalten blieb, machte sich sehr zeitig aus dem Stadtstaube, und entging dem Wespenstiche der bösen Zungen durch seinen Einzug auf den freiherrlichen Gütern, wo alles, was lebte und Odem hatte, dem jungen Ehepaare jubilirend entgegenkam. Man hat sich zu sehr an den Soldaten die Augen verdorben; sonst ist ein Menschenhaufe, jung und alt, Mann steht und fällt, ein contrastirendes, ein herrliches, malerisches Bild: – ein englischer Garten, wenn ein Soldatenhaufe einem holländischen ähnlich steht. Auf die Baronin, deren Seele (bis auf die Stern- und Kreuzseherei) gut und unverfälscht war, machte das Landleben einen lebendigen Eindruck, der, wie der lebendige Glaube, in Liebe tätig ist. Das neue Ehepaar lebte, wie fast jedes neue Ehepaar, nach dem Vorbilde des A d a m - E v a s c h e n P a a r e s in den ersten Tagen im Paradiese; und ob es gleich dem Afterreden und dem bösen Leumund des benachbarten Adels nicht entging, sondern in dieser Rücksicht aus dem Regen in die Traufe kam, so setzte es sich doch über diese Verleumdung hinaus, und war vorzüglich nur darüber bekümmert, dass der Emsige vielleicht noch einmal heiraten möchte. An einem nebeligen Morgen warf man sogar auf das alte fräulein Verdacht, da man ihre Ehenetze kannte, und es ward beschlossen, sie, wenn es Ernst würde, bonis modis auf das Land zu ziehen. Die Anerbietung, ihr nicht nur E i n e n , sondern a l l e T a g e in der Woche den Freitisch decken zu wollen, hatte sie bis jetzt abgeschlagen. Die Ursachen blieben ein geheimnis und unterstützten den Verdacht. Doch dieser Verdacht gehörte bloss auf die Rechnung des Nebels und war so ungegründet, dass der betrübte Wittwer, von Gram und Kummer auf Wegen und Stegen begleitet, sich begnügte