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grösserer Mühe seinen Nebenbuhler beobachten, undman denke! – seine Verbindung mit der falschen Sophie blieb der ächten kein geheimnis. Sie wusste alles, nur das einzige nicht, dass ABC in ihr die ächte Sophie liebte. Nach ihren unwiderleglichen Nachrichten war die Verlobte des Ritters eine zweideutige Dirne, dieDie Zofe mochte immerhin behaupten, dass auch diesen Nachrichten insgeheim die Wurzeln abgeschnitten sein könnten, – nichts! Sie schlug Blumentöpfe, Gesträuche und Bäume mit E r und S i e in d i e s e r Hinsicht vor, nichts! – Auf allesnichts! – Sophie, überzeugt von der Untreue des Ritterswas wird sie tun? dem Cavalier ihre Hand anbieten? Der

§. 162.

Vater und Bruder

schmachtete nach Antwort aus Rosental, die so ausfiel, wie man sie erwarten konnte. Der Ritter verzukkerte sie; er musste indess aufs neue und noch einmal aufs neue die Sache des Engländers treiben, der während dieses Briefwechsels durch ein glückliches Ungefähr zu der Entdeckung kam, dass seine Sophie und der Ritter geheime Zusammenkünfte hielten. Nichts in der Welt, selbst die Verstossung der Ritterin nicht, konnte ihn so aus der Fassung setzen. Wie diese Sache ins Reine zu bringen?

Das sind die Folgen der Unrichtigkeit! Er stellte Sophien auf das nachdrücklichste vor, wie sehr sie ihn getäuscht hätte und verlangte, dass sie sich zurück in die ihr angewiesene Rolle begeben sollte. Sie versprach es, doch schien sie nicht Lust zu haben, seine Drohungen zu fürchten. Warum auch? Sie wusste, dass er wo nicht mehr, so doch ebenso viel wie sie selbst in den Augen des Ritters verlieren müsste, wenn es hiesse, Sophie sei nicht Sophie. Ihr seine Unterstützung zu entziehen, dachte der Engländer, würde ungrossmütig und gefährlich sein. Was ist natürlicher, als dass sie aus der Not eine Tugend macht, und so Verfassung entdeckt? Nur einen einzigen Ausweg hatte der arme Engländer, und dieser war? den Ritter zu warnen. – Zu warnen? Wen? Den Jüngling, der soviel Umwege nicht gescheut hatte, um diesen Hafen seiner Hoffnung zu erreichen? – Und wovor? Vor Sophien, welche der Engländer selbst zur Bedingung gemacht hatte, um den höchsten Gipfel eines Glücks zu erreichen? – Und wer sollte warnen? Der Väter und Bruder! In diesem Ausdruck lag mehr, als der Engländer tragen konnte. Doch wagt' er es, und musst' er nicht? Er suchte dem Ritter auf eine äusserst seine Weise die Gefahren der Liebe zu zeigen, wenn man sich auf Ordensbahnen befände, um eben hierdurch sein Herz vor jeder falschen S o p h i e zu bewahren. Eine falsche Speculation! Sophie war ihres Sieges so gewiss, dass sie die Rolle seit geraumer Zeit ganz sorglos spielte, und diese Sorglosigkeit trug nicht wenig zur Vollendung ihres Sieges bei. Michael und die Begleiterin befanden sich in eben dieser Lage. Jeden Tag entdeckte Michael neue Vollkommenheiten an seiner Gebieterin. Er war so verliebt, dass er seinen Herrn flehentlich bat, durch das Ende das Werk zu krönen, wozu der Ritter an sich selbst schon so sehr geneigt schien. Die Handschuhe sind voraus und wir müssen nach, sagte der Knappe; wahrlich es ist Zeit, gnädiger Herr, dass wir der Welt zeigen, wir verstehen Handschuhe so heiliger Art zu verschenken. – Näher konnte' es dem Ritter nicht gelegt werden. – Und wer war denn die falsche Sophie? Die Tochter einer Schauspielerin und eines ihrer Liebhaber, welcher, der Ränke seiner Buhlerin müde, sie verlassen wollte. Die Schauspielerin drohte, die Mittlerin zwischen ihm und ihr, wie sie dieses Kind nannte, ein Opfer ihrer Wut werden zu lassen, wenn er nichtund was? – sich noch länger zum Gespötte der Welt machen und an den Bettelstab bringen wollte. Er ermannte sich, der Drohung ungeachtet, entriss dem Ungeheuer von Mutter die Hauptperson des beabsichtigten Trauerspiels und erklärte ihr in ganzem Ernst, er hätte nicht die mindeste Lust, das Lustspiel mit ihr weiter fortzusetzen. Besonders, dass Sophiens Vater und Mutter in e i n e m Jahr ihre Lebensrollen endigten! s i e , wie es hiess, aus Lebensüberdruss; e r aus bitterm Aerger, dass er seinen Posten, nach seinem Ausdruck ohne zu wissen warum verlor. Vielleicht hätte ihn der Minister diesen Umgang mit einer zweideutigen Schauspielerin, den er ihm verbot, nicht so hart sollen empfinden lassen. – Und die Kammerzofe? Die Tochter eines vornehmen Geistlichen und einer Dame von stand, die aus grundsätzen der Ehre ihr Kind dem Findelhause inübergeben hatten, und da für dasselbe ein ansehnlicher Zuschuss bewilligt war, wusste einer der Aufseher diess reiche Kind mit einem andern zu vertauschen, dessen Vater ein dürftiger Geistlicher und des Aufsehers leiblicher Bruder war. Da das durch den Tausch herabgesetzte Kind bei diesen Umständen zur klasse derer gehörte, die nach erlangten vorschriftsmässigen Jahren zu Dienstboten bestimmt waren, so schien es ein Glück für die Unglückliche, dass sie der Tochter einer Actrice, die der Engländer erzog, aufwarten konnte. Die vortreffliche Mutter unseres Ritters konnte nicht ohne Kleck im Stammbaum abkommen; was wirb aus dem dürren Holze dieser unächten Sophie werden? Wie viele Buchstabenopfer wird man fordern? und wird nicht der ganze Name bis auf jeden Punkt auf dem i ersäuft werden müssen? Noch hing es an einer Kleinigkeit zwischen der falschen Sophie und unserm Ritter, die gewiss leicht beizulegen ist. Sie wollte