. – Auch arbeiten diese Hohen an ihren Esstischen mehr als an ihren Sessionstischen; sie geben ihr Lebenskapital auf Leibrenten aus und ziehen beim Verlust der Fonds höhere Zinsen.
Sechster Nachtrag.
Du bebst schon zurück vor dem Worte V e r g i f t u n g ? Was sagst du von X.? – Er hasste Z –, ich weiss nicht warum; er hielt ihn für seinen Feind, frage W e i t e s u c h e n ; so nannte X. den Tod. Er vergiftete Z.; und wie? Mit Wohltaten! Wie weit gütiger und menschlicher wäre aqua tofana gewesen! X. bat Z. zu den gewürzten Mahlen, kam ihm mit Höflichkeit zuvor, und gewöhnte seine Zungenspitze zu einer Verfeinerung, die ihm entweder den Bettelstab des Vermögens oder der Gesundheit bringen musste. Ein verwöhnter Mensch ist der unglücklichste auf Gottes Erdboden; er ist unzufrieden und mürrisch mit diesem Leben, und doch verlässt er es ungern, Z. zog sein Gift mit Wohlgefallen ein; und es dauerte nicht lange, dass er alle Ungemächlichkeiten des so wohlschmeckenden Gifts empfand, welches ihn so langsam und so ungern sterben liess, dass X. selbst sich nicht entbrechen konnte, ihm eine Art von Mitleiden zu widmen. Wahrlich, eine süsse Rache! Was denkst du von dieser Ordensvergiftung? Ist sie minder schrecklich, als jemanden bei der Sündentat zu ermorden oder ihn zum Freigeist zu machen, damit er ewig verdammt werde? Weit natürlicher, fasslicher und gewisser ist das Ordensgift, wobei die Stadt obenein X. segnete, weil er seinem Feinde so wohl tat!
Siebenter Nachtrag
oder Beischrift mit roter Tinte: Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch Ob diese Beischrift mit roter Tinte dem ganzen Apostelgrad, oder nur den Auswüchsen desselben galt, ist nicht bemerkt. Es war gewiss eine nicht kleine
§. 153.
Selbstüberwindung
und Entsinnlichung unseres Ritters, dass er den Aposteln seinen Wunsch, Sophien zu sehen, nicht zeitiger in Erinnerung brachte, besonders da einer von den toten sie ihm verheissen hatte. Ich halte diess für ein eben so grosses Wunder, als es alle die sind, die im Apostelgrade vorkommen. Jetzt war seine sehnsucht nicht etwa zur leidenschaft, sondern zu einer der ausgelassensten geworden. Der Engländer hatte, von dem Augenblick der Vorbereitung an, dem Ritter so das Herz abgewonnen, dass er an ihm zu hangen schien; und eben dieser Engländer war es auch, an welchen er sich wendete, um nicht bloss den Stein der Weisen, sondern die W e i s h e i t selbst zu finden. Mein Sohn und mein Bruder, sagte der Engländer, ich liebe dich von Herzen; und nur eine person gibt es in der Welt, die ich mehr liebe als dich. Rate, wer es ist! Nimmermehr wäre der Ritter auf seine Mutter gefallen. – Der Engländer hatte sie schon im haus ihres Vaters kennen gelernt. – Ich war, sagte er, damals von wegen sieben Jahre zubrachte. – Ost sah ich deine Mutter, und ich beteure dir bei allem, was heilig ist: nie hab' ich ein weibliches geschöpf gesehen und gekannt, das deiner Mutter auch nur in einem einzigen zug gleich käme. – In dir, lieber Sohn und Bruder, find' ich deine Mutter wieder. Schon lang gehe ich mit dem Gedanken um, einen wechselseitigen Vertrag mit dir aufzurichten. Kurz, du sollst Sophien sehen; hilf mir zu Sophien. – Der Ritter verstand mehr, als er verstehen wollte; indess forschte er, um gewiss zu sein, nach dem Sinne dieser Rede, und da war es denn, wie er dachte. Der Sohn sollte der Freiwerber des Engländers bei seiner Mutter sein, und unter dieser Bedingung der Ritter Sophien nicht länger suchen dürfen. Umsonst wendete der Ritter ein, dass er Sohn sei, dass er seiner Mutter nicht vorschreiben könne, dass er wisse, wie zärtlich und über alles sie seinen Vater geliebt habe, dass sie von jeher zu geistig gesinnet gewesen, um bei ihrer edlen Liebe bloss auf das Sichtbare zu sehen. "Ich weiss," setzte der Ritter hinzu, "ihr Geist hängt an dem geist meines Vaters. Der Schwung ihrer Seele ist nicht von gemeiner Art, und es herrschte in Rosental eine Liebe, die zum grössten teil platonisch war, geheiliget durch ritterliche Gesinnungen der Vorzeit. – Wahrlich! meine Mutter war in eben dem Grade Ritterin, wie mein Vater Ritter. – Du glaubst vielleicht, ich schwärme, allein du irrest; die strengste Wahrheit kann nicht treuer sein." Der Engländer, entfernt, das was er höre, für Schwärmerei zu halten, versicherte, bekannter in Rosental zu sein, als der Ritter glaubte; und eben diese Denkart deiner Mutter, setzte er hinzu, heiliget meine Liebe zur Engelerhabenheit, zur Göttlichkeit. – Sophie ist deine Mutter; doch ist ihre Seele in der jugendlichsten Schönheit. Der Sinnenwelt müde, die mich lange genug hinterging, werde ich nicht von der Sinnenwelt gereizt. – In Wahrheit, ich weiss nicht, ob ich als Jüngling oder jetzt deine Mutter inbrünstiger liebte. – Mein Onkel verlangte von mir eine schnelle Zurückkunft nach England. – Ich kannte ihn und musste eilen, dass ich seine Gunst und die Aussicht, der Erbe seines grossen Vermögens zu werden, nicht verlöre. Ich reisete nicht, ich flog nach England, um in kurzer Zeit nicht zurück