1793_Hippel_038_209.txt

Zweifel ist der selige – – degradirt, der sie Euch schuldig blieb, und es ist gut, dass ich hingehe: denn so ich nicht hingingeSeine starrende Zunge gebot ihm Anstand. Er erholte sich. – Nicht der Tod, sagte er, ein Lichtstrom der künftigen Welt verdunkelt mein Auge. – Er schwor mit sterbenden Lippen, neun Tage nach seinem tod zu erscheinen. Ich komme, ich komme, ich komme! – waren seine letzten Worte. Gehe in Frieden! – sagten alle, die um sein Lager standen. – Er starb, ward begrabenund erschien am neunten Tage nach seinem Begräbniss in der nämlichen Figur, die ich im Bette sah, nur verklärt. – Ob er wirklich tot gewesen, ob er selbst der tote gewesen, den ich im Sterben besuchte, eben der, dem ich mit zum grab folgte (eigene Worte des Ritters), weiss ich nichtBei seiner Erscheinung wehte er uns Dinge zu (er sprach nicht, und ich gäbe was drum, die Art seines Ausdrucks zu bezeichnen), die mir schrecklich waren. Mir! Es waren Familiengeheimnisse von meinem Vater, die ausser unserm haus niemand so leicht wissen konnte. Der Schatten (wenn ich eine erhabene Figur, die langsam bis auf etwa neun Schrittesich mir näherte, so nennen darf) befragte mich, ob ich meinen Vater sprechen wollte. Er ist in Eldorado, erwiderte ich. Ich werde zu ihm kommen, wenn es Zeit ist! – Das Besonderste! Der Schatten beschwor mich, meine Mutter zur z w e i t e n Ehe zu bewegen, und gelobte mir, dass ich Sophien besitzen würde.

Kein Wunder, dass ich weniger untersuchte als vernahm! Sophiens Name, der bei dieser Erscheinung, ich weiss nicht ob wohlbedächtig oder von ungefähr, gleich in den ersten Minuten vorfiel, machte, dass ich mit Leib und Seele nur hörte. Nur? Dass doch keine Erscheinung ohne ein N u r ist! – Ehe man mir die erlaubnis erteilte, dieser Erscheinung beizuwohnen, ward vermittelst einer d e n h e i l i g e n J o h a n n e s vorstellenden Figur mit unbekannten Obern korrespondirt. Die Briefe wurden unter Gesang in diese Figur hineingelegt. – Nach drei Stunden erfolgte Antwort. – Ich veranlasste drei fragen und drei Antworten. Die letzte, welche dieser heilige Dreifuss erteilte, war J a . – Während der neun Stunden, die ich, mit zwei andern Gliedern des Apostelgrades, in Gesellschaft des heiligen Johannes zubrachte, wechselten Gesang, Gebet und frommes Gespräch. – Ein Paar

§. 152.

Nachträge

werden das N u r des Rittersheben? oder verstärken?

Erster Nachtrag.

Nur der Verstand kann, nach Plato, erkennen, die Sinneserkenntniss ist ungewiss und trüglich; und kommen Leidenschaften, die Bluts- und Gemütsfreunde der Sinne, dazu: – so gibt es Interpolationen und Verstümmelungen, wozu endlich die Sprache kommt, die völlig jedes Faktum verdreht. Ich habe einen edlen Stammler gekannt, der, um nicht zu stammeln, geradesweges die Unwahrheit sagte. Warum? Das Wort der Wahrheit war ihm zu schwer auszusprechen.

Einer der Apostel, der ausser dem Engländer an mir hing, lehrte mich, dass die Chiffern unter der Würde des Apostel-Ordens wären, obgleich die andern Orden den Kabinetten in dieser Kunst Trotz bieten. Chiffern beweisen Schwäche, fing er an; wir schreiben wie gewöhnlich, ohne dass wir wie gewöhnlich verstanden werden können, wenn wir wollen. – Je offener wir scheinen, desto versteckter sind wir. – Schon ist es Klugheitsregel, mit der strengsten Interpunktion zu schreiben, wenn von gleichgültigen Dingen die Rede ist; dagegen ohne Strich und Punkt, wenn wichtige Dinge im Werke sind. Der Orden mag geben oder verlangen, alles mündlich. Nichts Schwarz auf Weiss. – Wofür halten wir geistliche und leibliche Schnellboten im Himmel und auf Erden? Dagegen sucht der Orden so viel Schwarz auf Weiss von andern zu erhalten, als möglich. Jedes beschriebene Blatt, mein Bruder, ist, je nachdem man will, ein Dokument für und gegen den Schreiber; so wie jedes Dogma teologisch geschwefelt, juristisch distinguirt, medicinisch versüsst und philosophisch versalzt werden kann.

Zweiter Nachtrag.

Was ist von z e h n R e c e p t e n , u m G e i

s t e r z u s e h e n , zu halten? I m K u p f e r stich, in Wolken, im Ueberwurf, im Traum u.s.w.

Dritter Nachtrag.

Und von drei Recepten, um Seelen lebendiger Menschen a n s i c h z u z i e h e n ? Eine fürchterliche Art von Erscheinung! – Durch das Recht der Stärke, wodurch der starke Geist den schwächern an sich zieht, wie ein Planet seinen Trabanten, ist es keine Kunst!

Vierter Nachtrag.

Eine Rubrik mit einem grossen NB.

Kunst des Gedächtnisses des Simonides.

Grosses Himmelsjahr des Plato.

Experimente mit der Wünschelrute und Auflösung dieses Naturrätsels.

Fünfter Nachtrag.

Am leichtesten ist den Menschen anzukommen, wenn sie krank sind. Die vornehmere Klasse fängt in der Regel zu zeitig an zu leben, und das, was sie noch von Früchten zeigt, kommt aus Treibhäusern. Es sitzt den Hohen der Erde immer wo: im Kopf, im Magen, in den Nieren, im Gewissen, in den Beinen