stimmen überein, nicht das Mindeste zu wissen und zu begreifen, ob und wie dieser Vorfall ganz oder zum teil natürlich zu erklären sei. G – – versichert, der wohlselige Herr Ritter, Freiherr von und zu Rosental, habe ihm heimlich aufgetragen, in der grössten Stille auf eine natürliche Erklärung dieses Blitz-, Knall- und Türvorfalls auszugehen. Es war, setzt er hinzu, alle meine Bemühung umsonst; nie hab' ich mich unterstehen dürfen, dem wohlseligen Herrn (er besass Mut wie ein Löwe und liess nur vor Wesen höherer Art die Segel seiner Herzhaftigkeit streichen) weiter daran zu denken. – Nachdem dieses Protokoll der Frau Deponentin wörtlich vorgelesen worden, genehmigt sie es in allen Stücken. Auch ist es mit ihres Namens Unterschrift bestärkt, begründet und ausser Zweifel gesetzt.
Eine einstimmige Bekräftigung erfolgt von den abgehörten Hof- und Dorfleuten, welche diess Protokoll ebenfalls respective unterschreiben und mit Kreuzen bezeichnen.
Namen und Kreuze der abgehörten
neun Hof- und Dorfleute.
Namen des Justitiarius.
Siegel.
Dass diess alles getreulich vorgegangen, wird von mir corroborirt.
Namen der Baronin.
Namen des Justitiarius.
Siegel.
Der Honiggeschmack, den Demokritus an Pflaumen spürte, brachte den Philosophen auf tausend gelehrte Spekulationen; selbst die Wurzel des Baums musste sich eine Obduktion gefallen lassen. Es ist die Frage, ob er bei aller dieser Mühe nicht im Leben und Sterben zweifelhaft geblieben wäre, wenn seine Haushälterin ihm nicht das Rätsel gelöset hätte. Vom H o n i g t o p f e stammte dieser Geschmack, in den die Philosophin, der länger Erhaltung halber, die Pflaumen gelegt hatte. – Der Ritter erhielt sein Protokoll, eben als er zu einer neuen Aufklärung in die Apostelversammlung gehen wollte. Es war keine Bedenklichkeit, Michaeln diess Protokoll mitlesen zu lassen. Dieser geriet bei dem Lesen in so ungewöhnliche Zuckungen, dass sein Herr zu vermuten anfing, es erscheine Michaeln wirklich etwas, oder es sei etwas auf dem Wege, ihm zu erscheinen.
G n ä d i g e r H e r r ! sagte Michael bei dem Schluss des Protokolls zitternd und bebend.
Was ist dir? erwiderte der Ritter.
Werben Sie verzeihen?
Was verzeihen? den Leichtsinn am Grabes-Kapi
Das Protokoll.
Siehst du etwas?
Ausser Ihnen und dem Protokoll nicht das Mindeste. – Doch verdien' ich Ew. Gnaden Unwillen.
Der Begleiterin, willst du sagen.
Den Ihrigen.
Müsste unser Ritter nicht eilen, diess quid pro quo würde so bald nicht sein Ende erreichen. Kurz und gut, Michael gestand, auf S p e c i a l b e f e h l des Schulmeisters seliger, zu jener Zeit einen kleinen Puffer unter dem Fenster eben da losgeschossen zu haben, wo der wohlselige Herr ihm durch Winkelandachten ins Amt gefallen sei. Ick erfuhr, sagte Michael, schon zu jener Zeit die geheimen Nachforschungen dieses Vorganges halber, und es tat mir auf der Stelle leid; Scham und Furcht banden mir aber die Zunge. – Konnte der Blitz- und Knallvorfall sich leichter aufschliessen? Was das Aufspringen der Tür betrifft, so beteuerte Michael bei allen Ordenseiden, daran unschuldig zu sein.
Der Ritter, äusserst empfindlich über diesen Pflaumentopf von Auflösung, sah deutlich ein, die Flügeltür, deren Schloss nie ganz ehrenfest war, sei von selbst aufgegangen. – Zu so ungelegener Zeit ward Demokritus von seiner Haushälterin nicht aufgekärt. – Wie wird unser Ritter den Honiggeschmack seines Protokolls verschmerzen? Er stand wirklich bei sich an, was er den Aposteln dieses Blitz-, Knall- und Türvorfalls halber unterschieben sollte. Wahrlich, rief er aus, wir leiden durch Freunde am meisten, und durch Menschen, die uns die Liebsten und Besten sind. Was zu tun? Ich kann, dachte' er, die Apostel mit der Anzeige beruhigen, meine Mutter finde Bedenken, sich in einer Sache abhören zu lassen, die schon vor so langer Zeit geschehen sei. Und wie? wenn ich eine juristische Leiter ansetze? – – Die Herren Juristen ersteigen, trotz unsern Feuermauerkehrern, alles. – Z.B.: Es wolle sich kein Rechtsgelehrter ohne höhere Autorisation zur Aufnahme eines dergleichen Protokolls verstehen; oder: mein Vater habe meiner Mutter testamentlich zur Pflicht gemacht, über diesen Vorfall kein Wort zu verlieren. – Aber weg mit Dietrichen, die ich bei der nächsten beichte mit Scham und Schande bekennen müsste! Ich will, dachte und sagte der Ritter, dem Protokoll den Aufschluss meines Begleiters beifügen.
Freilich der geradeste und beste Entschluss! Doch bat Michael mit Tränen, seiner zu schonen, um im Orden nichts durch diese Jugendsünde (wer ist ohne dergleichen?) einzubüssen. Ja, sagte der Ritter, hielt Wort, und hatte, wie es bei strenger Wahrheit immer der Fall ist, wenig oder gar keine Mühe, Wort zu halten. Der violette Mann erleichterte ihm seine Bürde durch die zuvorkommende Bemerkung, dass der Türvorfall doch immer noch unerklärbar bliebe. Der Ritter verschwieg die schlechte Beschaffenheit des Schlosses nicht, und es war nicht seine Schuld, dass der Apostel sich über dergleichen Erläuterungen wegsetzte. Mit Dank ward das Protokoll, und, wie der Ritter nicht anders weiss, ohne die Erklärung vom Honiggeschmacke der Pflaumen beizufügen, ad Acta genommen, und dem Ritter beteuert: es würde ihn nie gereuen, die Apostelbahn eingeschlagen zu sein.
Nach einigen überstandenen Dämmerungen wurden dem Ritter verschiedene dergleichen gerichtliche Protokolle vorgelegt, um ihn zu überzeugen, dass nicht nur im