tief! tief! Schwöre mit Leib und Seele, mit A und O, mit Ja und Amen, mit Kyrie eleison und Hosianna!
Eine andere stimme: Schwöre beim heiligen Geist!
Eine dritte stimme: Schwöre!
Ich schwöre (drei harmonische Stimmen sagten vor) bei dem heiligen Geist meines Gewissens, mit Leib und Seele, mit A und O, mit Ja und Amen, mit Kyrie eleison und Hosianna, meine Neigungen, die mich und meinen Gott von einander scheiden, zu beichten und nichts zu verhehlen. Ich will alle meine Sünden, die, so lange ich denken kann, mich beschwerten, gestehen und nichts verhehlen; und in dem Augenblick, da ich fest mich entschliesse in einem neuen Leben zu wandeln, lass, Heiligster, in diesem seligen Wiedergeburtsaugenblick deines Wohlgefallens mich nicht unwürdig sein! Wenn ich meine Sünden bekenne, sei mir gnädig! und behalten sollen diese Seelengreuel mir bleiben in meiner Todesnot und vor deinem Gericht, wenn ich das mindeste verhehle. Amen!
Jetzt trat jemand zu ihm, verband ihm die Augen und führte ihn in die Höhe und in die Tiefe, bis er ihn endlich an einen Beichtstuhl brachte, wo er dem Ritter hinzuknien gebot.
Der Beichtvater hiess ihm die Augen aufbinden, und obgleich Recipiendus auch nach dieser Lösung der Bande nicht sonderlich mehr als vorher zu sehen im stand war, vielmehr sich noch immer im Schimmerlichte befand, bemerkte er doch Beichtstuhl und Ohrloch. Beichtvater und Beichtsohn hielten eine Quarantaine von Minuten, und nun fing der Beichtvater väterlich und herablassend an, sich dem Beichtsohne noch mehr zu nähern.
Alle diese List hatte er bei einem edlen mann nicht nötig, dem nichts auf dem Gewissen lag und der darum nichts beichten konnte, weil er nichts zu beichten hatte. Verstandesmeinungen sind nicht sträflich, und Willensmeinungen nur dann, wenn sie nicht unterdrückt werden, im Fall sie böse sind. Weniger hatte der schlaue Frager noch von keinem Beichtenden erfahren; – und doch war nie weniger in einer Seele, die er torquirt hatte, zurückgeblieben. – Genug – von der Aufnahme! Alles, was Dogmatik heisst, sei überschlagen, um nicht am Buchstaben, sondern am geist zu hangen. Das
§. 149.
Protokoll,
aus Rosental eingegangen, wörtlich.
Actum R o s e n t h a l , den – 17 –
Nach gehöriger Requisition erscheint vor endesunterschriebenem Justitiario der Frau Baronin von Rosental, geborenen –, Hochreichsfreiherrliche Gnaden, dem Justitiario von person und als eine von Vorurteil und Nebenabsicht hochwohl entfernte Dame bekannt. Sie ist der evangelisch-luterischen Confession hochwohl beitan, und hat keinen Hehl, – – Jahre alt reine Wahrheit zu sagen und nichts, was ihr vom grausen und schaudervollen Vorgange beigewohnt, aus Liebe, Hass, Freund-, Feindschaft oder Geschenks halber zu verschweigen. Noch mehr: sie will alles, was sie gehört und gesehen, getreulich anzeigen, bei allem, was heilig ist im Himmel und auf Erden. Auch soll d i e s e r E r k l ä r u n g a n E i d e s s t a t t der förmlichste körperliche Eid folgen, sobald er gefordert wird.
Eigene Worte:
Es hatte bei einer Dämmerung (oder Vorlesung), die mein unersetzlicher Gemahl mir und unserm Sohne über den Johanniterorden hielt, uns alle drei eine Begeisterung ergriffen. Ich erinnere mich ganz eigentlich, dass ich in dieser Ekstase nicht eine Göttererscheinung verlangte, dazu war ich nie kühn genug. Es genügte mir, den Wunsch zu äussern, wenn meine Mutter oder mein Vater, oder fräulein –, die nach ihrem Ableben durch Brief und Siegel Frau – – zu werden sich nicht entbrechen konnte, mir erscheinen möchte, Licht über so manche Erdenhieroglyphen zu erhalten. Schon war ich mit Erscheinung einer dieser meiner Lieben befriedigt, die ich, als sie hier wallten, oft noch ehe sie sprachen, verstand, und deren Gedanken ich von fern erriet; wir waren sehr genau verbunden. Mein Gemahl goss nicht Oel zum Feuer; er beruhigte mich mit dem Gedanken: wenn wir uns zu den Bewohnern der andern Welt erhöben, neigten sie sich zu uns. Hier fiel (mit Zuverlässigkeit beteur' ich es) schnell ein Blitz, dem ein heftiger Knall folgte, und plötzlich flog die Flügeltür des Auditoriums auf. Ob mein Gemahl mehr als ich gesehen und mehr als ich gehört, weiss ich nicht. Dass etwas Uebernatürliches vorging, bewies die ganz eigene Art von Schreck, die uns anwandelte. – Unsere Zungen, die feurig waren, erstarrten. – Nie behauptete mein Gemahl, mehr gesehen und gehört zu haben, als ich; doch schloss ich, als wir uns, wiewohl heimlich, ein einziges Mal über diesen Vorfall unterhielten, aus seiner Zurückhaltung, die sich in Schüchternheit auflöste: es sei ihm mehr als mir und meinem Sohne in die Sinne gefallen. – Jene Schüchternheit lässt sich weniger beschreiben, als fühlen. – Nie in meinem Leben hab' ich mit meinem Sohne über diesen Vorfall gesprochen. Durch diesen Hergang der Sache und verschiedene andere Vorfälle überzeugt, dass Dinge in der Welt vorgehen, die wir nicht fassen, begreifen und erklären können, überlass' ich mich Gott und seinem heiligen Willen.
Noch werden einige Leute, die zu jener Zeit im herrschaftlichen hof in Diensten standen, namentlich N.N.N.N.N.N.N.N.N., nach vorhergegangener Ermahnung eidlich abgehört. Alle