vierzig Nächte um waren, ward unser Held zwischen elf und zwölf in der Nacht vor dem allerkürzesten Tage durch ein mysteriöses Cartel überfallen, wodurch er am folgenden Morgen um sieben Uhr herausgefordert ward zu erunser Held diese Nacht seinen Schlaf zwischen elf und zwölf beschloss, versteht sich von selbst. Die Ausforderung war datirt "Heiliger Abend vor dem kürzesten Tage im Jahre." Wahrlich diese Nacht ward ihm so entsetzlich lang, dass er schon um fünf Uhr fertig war, und sich nicht entbrechen konnte, um sechs Uhr Morgens zu erscheinen. Die Haupterscheinung, die er dagegen erwartete, war – Sophie. Es sei, dass er wirklich durch sein zu frühes Kommen sich diese Strafe zugezogen, oder dass, wenn er auch pünktlich erschienen wäre, ihn die nämliche stimme zurückgewiesen hätte, kurz, die Assignation auf das ihm im Cartel bezeichnete Zimmer ward nicht honorirt. Er hörte eine hohle stimme: Vorwitziger! zu früh und zu spät ist einerlei! Gehe, Oel zu laufen in deine Lampe, und dann erscheine um sieben Uhr Abends! – Unschlüssig, ob er um Verzeihung bitten, sich mit der schlechten Uhrenpolizei entschuldigen oder stockstill sein und tun sollte, was ihm, wenn gleich aus einer hohlen Kehle geboten ward, entschloss er sich zum letzten und kam betrübt zurück wie ein Bräutigam, dessen Braut am Hochzeitstage durch Blattern heimgesucht wird. Herzlich gern hätte der Ritter Oel vom Knappen auf Kredit genommen, wenn er nicht die hohle stimme gefürchtet hätte. Gelt! Sie sind zu früh gekommen? fing Michael an, und diess Gelt! brachte unsern Helden in Verwirrung, woraus ihn eine seiner Lieblingsmeinungen riss, dass es einen unzuverläugnenden Umgang unter den Seelen der Menschen auch schon in dieser Welt gebe. Wo Oel kaufen? fragte sich der Ritter, und bestellte ein mageres Mahl, womit Michael unzufrieden gewesen wäre, wenn er in ihm nicht Ordensvorschrift verehrt hätte. Ich darf wohl nicht bemerken, dass der kürzeste Tag im Jahr unserm Helden der längste in seinem Leben war. So wie überhaupt Furcht und Hoffnung unserm Leben eine Länge beilegen, die es wirklich nicht hat, so wusste auch unser Held nicht, was er mit der Scheidemünze von Zeit anfangen sollte. drei Viertel auf Sieben, sagte Michael. Die heiligen Zahlen drei und Sieben fielen dem Ritter so trostreich auf, dass es ihn dünkte, mit lichterloh brennender Lampe an Ort und Stelle zu kommen. Wer ist da? fing es an. Eben war der Ritter im Begriff zu antworten, als eine Antwortstimme sich hören liess, die ihn der Erklärung überhob, so dass es ihm nicht viel anders als in den Gerichtsstuben erging, wo man Leute pro und contra über sich, sein Hab und Gut schalten und walten lassen muss, ohne das Recht zu haben mitzureden. Es war ihm schon etwas ähnliches begegnet, und wie war es auch möglich, dass einem so erfahrnen Ritter etwas ganz neues in den Weg kommen konnte? Es ist ein Todter, der lebendig werden will, sagte diese Antwortsstimme, und nun ward dreimal gerufen:
Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den toten! – Wohl! dachte unser Held, der seit gestern zwischen elf und zwölf kein Auge geschlossen, vielmehr die Lampen seiner Augen, ohne einen Augenblick zu verlöschen, in Einem weg brennen lassen. – Eine Stille. Nun liessen sich beide Stimmen über unsern Helden verlauten. Die eine klagte an, die andere entschuldigte, bis plötzlich eine eiserne tür aufsprang und Recipiendus die Worte hörte: E s w e r d e d a s e r s t e L i c h t ! Dieses erste Licht bestand in einem Lämpchen. Eine stimme erscholl: Ziehe aus deine Schuhe, denn diese S t ä t t e i s t h e i l i g ! Nichts Neues, dachte der Ritter, der weit öfter als Moses seine Schuhe ausgezogen hatte, und im Augenblick war er auf Strümpfeu. Die stimme fuhr fort: F a l l e n i e d e r a u f d e i n A n t l i t z u n d r e d e ! – Er fiel nieder und schwieg. – Die Stimmen, die im Vorhofe sich über ihn erhoben, deuten dein Gewissen an, das du nicht siehst und das deine Gedanken richtet. Kennst du diese stimme?
Ich kenne sie.
Was hindert dich, dieser stimme Gottes zu gehorchen?
Meine Neigungen!
Durch Vernunft wirst du vergöttlichet; Neigungen vermenschlichen! – Wenn du durch Neigungen gefallen bist, straft dich die Nachvernunft oder das Gewissen, dass du jener. stimme Gottes, der Vorvernunft, nicht gehorsam warst. Wie viele Personen sind in dem göttlichen Wesen der Nachvernunft oder des Gewissens?
Da er schwieg, antwortete eine andere stimme:
drei sind, die da zeugen im Himmel: Vater, Sohn und heiliger Geist, und drei sind die da zeugen im Gewissen: Kläger, Anwalt und Richter. Der Kläger ist väterlich, der Anwalt ist Bruder, der heilige Geist des ins Herz der Menschheit geschriebenen Gesetzes ist Richter.
Kennest und ehrest du dieses rechtliche Verfahren?
Ja!
Schwöre denn bei dem heiligen geist deines Gewissens, schwöre bei deiner Vor- und deiner Nachvernunft: zu bekennen deine Neigungen, die dich und deinen Gott von einander scheiden, und diese Schlangen nicht zu verbergen, die dich verführten und die dich aus dem Paradiese der Zufriedenheit in Jammer und Elend stürzten, tief!