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ihm mit den Worten zueilte: Komm herein, du Gesegneter des Herrn! warum stehst du draussen? Eben dachte ich dein vor dem Herrn in meinem Gebete. Heil dir! ich bin erhört, ehe das Amen von meinen Lippen fiel. Segne den Augenblick, da du gewürdiget warst, zu den Auserwählten zu gehören, die die Welt nicht kennet! Halleluja!

Nach diesem Hymnus, womit der Alte den Ritter in gewisser Art überfiel, liess er sich ein feierliches Versprechen geben, ihm auf seine fragen treu und redlich zu antworten.

Der Ritter musste ihm seinen Lebenslauf erzählen, und vorzüglich schien der Alte wissen zu wollen, ob ihm ausser Ordensgrenzen je etwas erschienen und sonst ein Wunder begegnet sei, und ob er Menschen kenne, denen ausser Ordensgrenzen etwas Wunderbares und Unerklärliches auf Kreuz- und Querzügen zugestossen wäre? Der Ritter durfte sein Gedächtniss nicht anstrengen, um den violetten Herrn zu versichern, dass er ausser den Orden nicht das allermindeste Wunderbare erfahren hätte, ausser dass in einer Dämmerung, die sein Vater gehalten, e i n B l i t z g e fallen, ein heftiger Knall gefolgt, und plötzlich die Tür aufgeflog e n – Grauen und Entsetzen wäre allen angekommen, seine Mutter n i c h t ausgenommen, deren Gewissen gewiss und wahrhaftig in der Wahrheit bestände. Jedes, fuhr er fort, faltete die hände, und schlich ohne Amen nach etwa dreimal neun Minuten sinnloser Betäubung davon. Ich entfaltete zuerst meine hände und zog die aufgesprungene Flügeltür leise zu. Nach dieser vollbrachten Tat umarmten Vater und Mutter mich herzlich, doch verhüllte diesen Vorfall ein heiliges Dunkel. Es kam mir vor, dass man ihm mühsam auswich, um auch nicht einmal daran zu denken. Der Ursache dieses Blitz-, Knall- und Türvorfalls ist meines Wissens nicht im mindesten nachgespürt, und er ist unerforscht geblieben bis auf den heutigen Tag.

Ob nun gleich der Bruder Präparateur unserm Ritter unendlich grössere Ordenswunder präambulirte, so schien dem violetten mann doch dieser Vorfall äusserst wichtig, wenigstens weit wichtiger, als alles, was er selbst erzählte. – Zwar fiel dieser Umstand unserem Ritter auf, doch hatte er keine Zeit, sich ihn zu entwickeln. – Mit vieler Feierlichkeit verpflichtete der violette Mann unsern Ritter, sogleich nach Rosental zu schreiben und diesen Vorfall, der bis auf den heutigen Tag unerforscht geblieben, durch ein gerichtliches Protokoll zu bekräftigen. Ihre Mutter, fügte er hinzu, wird kein Bedenken finden, sich gerichtlich vernehmen zu lassen. Der Präparaten erkundigte sich nach des Ritters Mutter bis auf Kleinigkeiten und auf Umstände, die mit den Ordensangelegenheiten gar nicht in verhältnis standen. – Der Tag der Aufnahme konnte noch nicht bestimmt werden. Nach der Versicherung, dass Michael unbedenklich dienender Bruder werden sollte, entfernte sich der Ritter, um bei seiner Mutter, was er versprochen hatte, getreulich auszurichten Nach drei Tagen fand er in eben dem Kästchen eine neue Einladung, was konnte er mehr, als sie ehren und befolgen?

Es kam ein anderer violetter Mann ihm entgegen, der nach dem geforderten und empfangenen Versprechen, die reinste Wahrheit seines Herzens zu entdekken, nichts weiter zu wissen begehrte, als was er von dem neuen Orden hoffe? Der Ritter hatte keinen Hehl, ausser den geistlichen Gaben auch leibliche zu wünschen, nämlich durch Sophien beglückt zu werden. Ohne sich auf Verheissungen mit dem Ritter einzulassen, liess der Mann mehr als Schimmerlicht von Aussicht auf ihn fallen, womit sich der Ritter begnügte. Noch hörte der Ritter eine Ordenswahrheit, die er schon oft gehört hatte: Die natur erreicht nur allmählich ihren Endzweck, so auch der Orden, der so langsam als sicher die gefasste Hoffnung übertrifft und zur Erfüllung seiner Zusagen und Nichtzusagen bringt.

Jetzt ward dem Ritter eröffnet, sich von heute über drei Tagen wieder einzufinden. Er erschien und fand einen Mann, in den er sich gar nicht finden konnte, – der Engländer schimmerte überall durch. Nichts interessirte ihn als die Mutter des Ritters, nach der er unablässig sich erkundigte. Er umarmte den Ritter einigemale unerklärlich und drückte ihn an sein Herz. Sie haben die beste Mutter, sagte er, die auf Gottes Welt ist. Kaum hatte der Engländer Zeit zu versichern: "was ich vermag, soll Ihnen im Orden zu teil werden," um nur wieder bei der besten Mutter sich zu verweilen. Die geschichte Sophiens von Unbekannt, die ihm der Ritter umständlich erzählen musste, schien ihm innige Freude zu machen, als wenn er sich über ein leichtes Mittel freuete, um einen grossen Zweck zu erreichen.

Nach diesem Vorbereitungsgeschäfte, welches sich hiermit schloss, sollte dem Ritter die Bestimmung des Tages in die Hand fallen. Sie fiel ihm wirklich in die Hand, denn er fand sie oben auf seinen Papieren, – die er verschlossen hielt. Es war vom Tage der letzten Unterredung der zwölfte Tag. Die Zahl war ihm neu, doch hatte sie eine gegründete Bedeutung. Der Orden, dem er sich widmen wollte, hiess der

§. 148.

Apostelorden,

dem (sehr natürlich) die Jüngergrade, deren Zahl eigentlich siebenzig war, vorgingen. Doch wurden sie unserm Ritter schnell gegeben, und, was ihn äusserst aufmerksam machte, ohne Geld! Wahrlich viel vom Jünger- und Apostelorden.

Meine Leserwelt ist schon mit so vielen Aufnahmen belästigt worden, dass ich es nicht wage, ihr mehr als den Anfang des A p o s t e l g r a d e s aufzudringen.

Nachdem vierzig Tage und