, so bald er sein Angesicht sah, sich seinen Segen erbat! Der Segensspruch war rührend. – Sie fanden eine Schüssel herrlicher Milch, die unseren Wanderern sehr wohl tat, und nachdem sie sich auf eine niedere Grasbank gelagert, floss Honig von den Lippen des Einsiedlers, der sie völlig einnahm. Sollt' er es nicht, da er ihnen Sophien und ihre Begleiterin verhiess? – Wohlan! sagte er: ehe ich mich mit Euch weiter einlasse, sei ein Zeichen gestellt zwischen mir und Euch. Wenn diess Opfer (es waren drei Töpfe, einer mit Basilikum, einer mit Raute und einer mit Salbei) zündet, seid Ihr würdig weiter geführt zu werden. Der Ritter, sein Knappe und der Ururenkel trugen jeder einen Topf, und nachdem sie solche an einen Ort, wo die Sonne darauf scheinen konnte, gestellt hatten, sprach der Einsiedler einige ihnen unverständliche Worte und segnete die Staudengewächse. – Unsern Wanderern war es, als sähen sie einen Lichtcirkel um sein Haupt. Der Kleine, der allein beim Altar blieb, stürzte nach einiger Zeit mit der Nachricht unter sie: Es brennt! und fiel auf seine Knie. Diess taten auch der Greis, der Ritter und sein Knappe. Sie gingen hin, fanden, wie das Kind gesagt hatte, und kehrten in die Hütte hocherfreut. Der Einsiedler bat sie, drei Tage bei ihm zu weilen – während welcher Zeit sie nichts als Milch und Semmel genossen. – Heil Euch! rief der Einsiedler, und schwieg. Wie lehrreich der Baumeinsiedler unsern Wanderern war, ist unaussprechlich. Er kam auf weltbürgerliche Ideen, und es tut mir leid, mich nicht in den Umständen zu befinden, wenigstens einen teil seiner Prophezeiungen mitteilen zu können, die E u r o p e n s Schicksal betreffen. Der Ritter hat sie auf sieben Bogen verzeichnet. Meine Verweigerung hat sehr wichtige Gründe. Einige Stellen sind dunkel. – (Ehre dem Ehre gebührt!) V i e l e s von diesen Prophezeiungen ist eingetroffen; v i e l ist, wie mich dünkt, der Erfüllung nahe, und der entfernte heilige Rest? – – – Kann man nicht prophezeien, ohne Prophet zu sein? Prophezeiungen beurteilen, heisst das viel mehr als Welt- und Menschenkenntniss besitzen? Der Weise (die Cabinette sind gemeinhin einseitig) hat die Fähigkeit, das Ganze zu übersehen, Ab- und Zugang zu berechnen und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Dinge im politischen Fache zu verkündigen, die noch kommen sollen. – Doch ging es unserem Baumeinsiedler v i e l w e i t e r . – Mehr erbaut, als je, gingen unsere Wanderer nach dem Orte zurück, wo sie eingekehrt waren, und nach den genauesten Erkundigungen, ob sich kein merkwürdiger Mann in dieser Gegend hervortäte? und nach eingezogener Antwort, dass alles hier den gewöhnlichen Weg ginge, befolgten sie die Anordnung des Einsiedlers und eilten zurück in die Stadt, um so lange sich still zu halten, bis sie den heiligen Wink zu ihrem Pfingsttage spüren würden, den ihnen der Einsiedler verheissen hatte. Unterwegs, als sie ihr Ordensschicksal aufs neue überdachten, behagte es ihnen nicht völlig, dass sie einen neuen Ordenskreislauf anfangen sollten; doch beruhigte sie die herrliche Aussicht, Sophien und ihre Begleiterin zu finden, und hierdurch nicht nur wegen des neuen, sondern auch wegen des alten und ihres ganzen Ordenslaufs entschädigt zu werden. Voll Neugierde, ob ihnen dieser Wink nicht durch Feuer vom Himmel gegeben werden würde, welches die drei Töpfe mit Raute, Basilikum und Salbei zum teil verzehrte, war nichts vermögend, ihre Andacht zu stören, als der Hunger, dem man schon sonst manche Erstgeburten von herrlichen Entwürfen aufgeopfert hat. Kurz vor der Stadt schickte der Ritter den Reiknecht voraus, um den Wanderern ein Mahl zu bereiten, die, wenn sie gleich von der Milch und dem Honig des Einsiedlers äusserst gesättigt waren, doch den Wert einer Fleischmahlzeit nicht verkannten. Wenn wir, dachten Ritter und Knappe, Sophien und die Zofe haben, sei Baumeinsiedler, wer Milch- und Honigmagen hat, und es sein kann und will. An dem Resignationsorte fanden sie den freundlichsten Wirt und einen gedeckten Tisch; indess erlaubten sie sich nicht, zu verweilen. Wussten sie, wann der Wink kommen würde? Auch wollte der Ritter seine Lust zu Aegyptens Fleischtöpfen an keinem dem Einsiedler so nahen Orte beweisen. Der Magenhunger und Durst hatte den Hunger und Durst nach Sophien und der Zofe fast überwältigt. Lüstern auf ein anlockendes Fleischmahl, wollte der Ritter zu Tische gehen, als ihn, er wusste selbst nicht was, zu seinem Geheimkästchen zog, wovon er den Schlüssel so wenig als das Porträt seiner Geliebten ablegte. Er schloss auf, und oben darauf lagen folgende Zeilen:
Nach drei Stunden von dem Augenblick, da Du dieses liesest, gehe hin (hier war der Ort bestimmt), und bitte um Deine Aufnahme in einen Orden, der geistig und leiblich Dich segnen wird. Noch fügt seinen Segen hinzu der E i n s i e d l e r vom Baume.
natürlich verdarb dieser Wink dem Ritter die Mahlzeit, obschon sein Knappe, den er sogleich von der Erfüllung des Einsiedlers unterrichtet hatte, sich es wohl schmecken liess. Es war eitel leidige Freude, die dem Ritter das Essen verdarb. Darf ich sagen dass er nicht verfehlte, auf die Minute die Anweisung zu befolgen? Er fand an Ort und Stelle einen äusserst einfachen, violett gekleideten alten Mann, der