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-, Additions-, Subtractions-, Multiplications-, Divisions-Rat." – In der Tat nicht sieben, sondern siebenzigmal sieben Punkte hätte unser Emsige eingeräumt, um dem Commerzien-Rat auszuweichen. Und die sieben Punkte?

1) Der Commerzien-Rat wird an seinen Ort ge

stellt, der wahrlich schon sehr voll ist.

2) Madam will nicht mehr L i e b e F r a u , son

dern m e i n e L i e b e heissen. Er dagegen heisst nicht l i e b e r M a n n , sondern m e i n L i e b e r . – Anfänglich ward auf mon cher und ma chère bestanden.

3) Zu haus bleibt das Band der Ehe unverletzt, in Gesellschaft je länger, je lieber; wie Madam sich ausdrückte: je fremder, je angenehmer.

4) Die Tochter wird nach der Hochzeit die Baronin genannt, und

5) Der Schwiegersohn heisst nicht H e r r S o h n , sondern H e r r B a r o n .

6) In Abwesenheit werden sie der gnädige Herr und die gnädige Frau prädicirt.

7) Das Wort: W e c h s e l , wird sorgfältig vermieden, und alles mit dem Mantel der christlichen Liebe bedeckt.

"Wo nur ein Mantel helfen kann!" fiel der Emsige ein; und so ward auch diese Punktation mit der bösen Sieben beschlossen.

Wieder Sieben! fuhr der Brautvater erschrocken auf. Wenn es nur nicht ein T r a u e r m a n t e l wird! setzte er mit einer Betrübniss hinzu, die allen auffiel. Die Tochter sah ihn zärtlich an, die Mutter war stumm. Das unbedeutende Wort T r a u e r m a n t e l traf sie so, dass man sagen konnte, sie sei auf der Stelle geblieben. Es gibt solcher Art Worte, die man zur Erkenntlichkeit S c h l a g w o r t e nennen könnte; und man kann sicher glauben, dass viele Leute an dergleichen Worten sterbensie wissen nicht wie. – Sieben Tage vor der Hochzeit klagte Madam über Kopfweh. Der Emsige, den sonst dergleichen Zufälle s e i n e r L i e b e n , als sie noch seine F r a u war, sehr zu interessiren pflegten (falls sie nicht so ungezogen waren, ihm an einem Posttage beschwerlich zu fallen), blieb, da jetzt zweimal sieben Punkte ihn beugten, bei der gegenwärtigen Kophfkrankheit s e i n e r L i e b e n gleichgültig; und ohne ihr, wie sonst, Hofmanns Lebensbalsam auf Zucker zu träufeln oder ihr einen Aderlass in Vorschlag zu bringen, liess er der Krankheit freien Lauf, wie er bis jetzt im Durchschnitt seiner Lieben überhaupt freien Lauf hatte lassen müssen. Den zweiten Tag vor der Hochzeit konnte sie sich weiter nicht auf den Beinen halten; sie legte sich, und ob es gleich ihrem mann nicht in Sinn und Gedanken kam, Aufschub der Hochzeit zu verlangen, so kam sie doch diesem Gedanken weislich zuvor, weil der Herr Schwiegersohn von keinem Aufschub hören und wissen wollte. Madam liess den Emsigen vorladen. Er erschien; und eh' er noch Zeit hatte, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, versicherte sie ihn hoch und teuer, dass sie sich von Minute zu Minute erhole. Desto besser! Denn, dachte' er, ohne es zu sagen, die Opfertiere sind geschlachtet und alles bereitet. "Du bist feuerrot im Gesicht, liebe" – liebe F r a u , wollt' er sagen, strich aber F r a u punktationsgemäss aus. Sie schwieg.

Den heiligen Abend vor der Hochzeit um 7 Uhr Morgens liess Madam ihren Mann nicht v o r l a d e n , sondern bitten.

Ich sterbe, lieber Mann! sagte sie, da sie ihn sah; ich sterbe! "Gott im Himmel! Du stirbst?" erwiderte der Emsige, und vergass die zweimal sieben Punkte und alle bösen Sieben, die über ihn ergangen waren. – "Du stirbst?" – Ich sterbe, und Dich segne Gott, und lohne Dir alles, alles! Vergib! – Hier vertraten Tränen ihr den Ausdruck. Herzlich nahm der Emsige die Hand seiner L i e b e n , die nun so ganz wieder seine F r a u war. "Ach, sagte sie, vergib!" – Alles, erwiderte er, und stiess selbst das Wort W e c h s e l , das unzeitig sich vordrängen wollte, von seiner Lippe, so dass es bebend heimging. – O des teuren und werten Wortes: L e h r e u n s b e d e n k e n , d a ss w i r sterben müssen, auf dass wir klug w e r d e n ! sagte Madam. – "Und keine Wechsel stellen," wandelte den Emsigen an hinzuzufügen; indess wusste er zeitig genug seine Zunge zu zähmen, und nicht bloss seine Lippen, sondern auch sein Herz rein zu halten, alle arge Gedanken bis auf jeden letzten heller derselben aus seinem Gemüte zu verstossen, so dass er ihr keine einzige Sünde behielt. – Nur den Löseschlüssel hatte er in seiner Hand. – Sie weinten beide. – Wer hätte das dem Emsigen zugetraut! Der Kaufmannsstand hat in der ganzen Welt etwas