bereitwilliger Diener war.
Das Mass der Schnellkraft war erschöpft. – Sie hatten Kämpfe gekämpft, ohne sonderlich viel ersiegt zu haben. Fast missmutig reiseten sie a u f s L a n d , ohne irgend jemanden den Ort ihres Aufentalts anzuzeigen, um dort bei voller Ruhe des Gemüts Entschlüsse fassen zu können, die näher zum Ziele führten. Glücklich sei eure Reise! – Siebenmal sieben Stunden hatten sie mit Vorbereitungen zugebracht, als sie, noch nicht von dem Uebellaut ihres Gemüts zurückgekommen, in einen benachbarten Wald gingen, und es war allerdings wunderbar, dass auch hier ihnen e i n A b e n t e u e r aufstiess. Sie sahen in einiger Entfernung eine menschliche Figur auf einem Baume sitzen, und zwar so, dass sie nur eben so hoch und so niedrig sich befand, um nicht übersehen und doch nicht ganz gesehen werden zu können. Das heilige Dunkel gab den weissen Haaren und der ganzen Existenz dieser Figur ein so ehrwürdiges Ansehen, dass, ungeachtet Ritter und Knappe den Entschluss genommen hatten, allem auszuweichen, was sie an der einzigen Perle (jeder hatte seine einzige) hindern konnte, sie doch fast wider Willen zu diesem Baume gebracht wurden. Je näher sie ihm kamen, desto mehr bemühte sich der Einsiedler, sein Antlitz zu verbergen. Nur nach einer langen Weigerung, die sie natürlich desto hitziger machte, liess er sich mit ihnen ein. Er war, nach seiner Angabe, die man freilich einem e h r würdigen Einsiedler auf dem Baume glauben muss, durch Hass, Neid und Verfolgung und durch den Verlust der Seinen zur Weltentfernung gebracht, nachdem er lange hin und her geirrt und fast in allen heimlichen Gesellschaften Ruhe für seine Seele und Trost für sein Herz vergebens gesucht hatte. Endlich (es waren seine eigenen Worte) ward ich des Glückes gewürdigt, mit einem heiligen Einsiedler bekannt zu werden, bei welchem ich siebenmal sieben Jahre in der Lehre stand, bis dieser im 150sten Jahre die Welt segnete und mir den Schlüssel zu seinen Geheimnissen zurückliess! Er ruhe wohl! Unser ehrwürdiger Baumeinsiedler schloss mit diesem Schlüssel nicht nur die Schicksale, sondern auch die Gesinnungen unseres Ritters und seines Knappen auf. Alles und auch d a s wusst' er, was jeder vor dem andern bis jetzt verborgen hatte. Michael z.B. war in zu frohem Mute, als das Capitel des Grabes zusammen war, einem Mädchen zu nahe gekommen. Der Ritter hatte an Johannes einen Brief geschrieben, worin er ihm wiewohl verblümt, zu verstehen gegeben, er könne bis jetzt sich noch nicht zu den Vollendeten zählen. Nicht nur die Worte, auch den verborgenen Sinn dieser Stelle wusste der Einsiedler. Vorfälle dieser Art würden den Ritter, so wie seinen Knappen, ehedem sogleich mitgerissen haben; jetzt aber hatten beide auf ihren Wüstenreisen Kanaan fast völlig aufgegeben. – Eben waren Ritter und Knappe entschlossen, den Baumeinfiedler mir nichts dir nichts zu verlassen, als er ohne alle Veranlassung fragte: Was seid Ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wollet Ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? (Diese Worte wiederholte der fromme Einsiedler zweimal.) Oder was seid Ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet Ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe! die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid Ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet Ihr einen Propheten sehen? – Nichts von allem zu sehen, unterbrach ihn der Ritter, war unser Vorsatz. Du hast uns alles entdeckt, bis auf die Untreue, die Michael bei einem Haar an der Begleiterin beging, deren Bild er an seinem Busen trägt. Erlaube zu fragen, warum Du uns fragst, Du, der Du den höheren Beruf zu antworten hast? Kinder fragen, und Examinatoren, die gemeinhin Kinder am verstand sind. Sokrates antwortete, indem er fragte; und sollte Dein Amt nicht wo nicht höher, so doch eben so hoch sein, wie das Amt des Sokrates, der meines Wissens bei keinem einhundert und fünfzigjährigen Einsiedler in die Schule ging? Freilich, erwiderte der Baumeinsiedler, dank' ich es dem einhundert und fünfzigjährigen Alten, dass ich meinetwegen nicht Ursache zu fragen habe. Indess so wie wir beten, nicht Gottes, andern unsertwegen, so frage auch ich nicht meinet-, sondern Euretwegen. Der Fragenlehrer, dessen Worte ich Euch ans Herz legte, wusste gar wohl die Gesinnungen seiner Befragten. Wohlan! da ich ein Glaubenssenfkorn bei Euch finde, will ich mir selbst antworten. Vergebens habt Ihr auf den Ordenswegen Sophien und ihre Begleiterin gesucht; seid, ich bitte Euch, kein Rohr, das der Wind hin und her wehet! – denket nicht Arges in Eurem Herzen. Ritter und Knappe sahen einander an. Arges? seufzten sie fragweise. Nicht anders, erwiderte der Einsiedler. Um sie nicht zu verlieren, sah er sich gedrungen, ihnen schnell ein paar Strahlen der Hoffnung zuzuwerfen. Entzückt segneten unsere Wanderer den Gedanken zu einer Resignationsreise; sie baten den Baumeinsiedler, sich herab zu bemühen, damit sie ihn in seine Hütte tragen und ihm einigermassen ihre Dankbegierde beweisen könnten. – Er lächelte. – Ich bedarf, sagte er, Eurer hülfe nicht; wohl aber freu' ich mich, Euch helfen zu können. Nach etwa drei Viertelstunden, die sie wanderten, kamen sie im dicksten wald an eine Hütte, wo sie einen lieben Knaben fanden, den der Einsiedler für seinen Ururenkel ausgab, und der