mit Feuer getauft. D a r a n , sagte der schlichte Mann (nach einer Ihr meine Jünger seid, so Ihr Liebe unter einander habt.
Er goss wasser in das Becken, legte seine Kleider ab, nahm einen Schurz und umgürtete sich, wusch dem Neuaufzunehmenden die Füsse, trocknete sie mit dem Schurz, womit er umgürtet war, und sprach: Ei n Beispiel hab' ich Euch gegeben, dass Ihr tut, wie ich Euch getan h a b e . Nach dieser Ceremonie ward er zum Altar geführt, wo er die Gelübde ablegte: Christo nachzufolgen, den wahren und nicht den Kirchenglauben zu bekennen, darauf zu leben und zu sterben, nicht seine, sondern Gottes Ehre zu bewirken und bei der Einfachheit und Lauterkeit der Lehre, die er angelobte, alles für Schaden zu achten und selbst den Vorzug, tausend und abermal tausend Gläubige um sich zu versammeln, gegen die Würde recht und richtig zu wandeln vor Gott und Menschen aufzuopfern, die Welt, er möge in ihr Angst oder Freude haben, zu überwinden, den weltlichen Fürsten die herrschaft und den Oberherren die Gewalt zu überlassen, sich nicht zum Herrn, nicht zum Meister machen zu wollen, sondern zu wandeln wie es sich gebühre, bis das Stündlein komme und die stimme erschalle: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über weniges getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude!
Bei der Tafel gebot der schlichte Mann Andacht, und nun fing er an: Da sie aber sassen, nahm Jesus das Brod, dankete und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankete, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus, das ist mein Blut. Tut's zu meinem Gedächtniss. Hierauf assen und tranken sie das Abendmahl.
Warum soll ich es bergen? Ich habe der Ritterin verheissen, diesem Orden näher nachzuspüren, der in meinen Nachrichten Vorhänge hatte, ohne Vorhänge zu haben. Der Ritter hatte ihn, der wasser- und Feuertaufe ungeachtet, ungetauft gefunden – und auf Tabor nach den göttlichen ausdrucksvollen Symphonien Kupferstiche von Erscheinungen vermutet. – Doch war der Unterschied zwischen Christen und Christianern dem Ritter aufgefallen. – Es schien in diesem Orden nicht darauf anzukommen, was die Evangelisten, selbst Johannes nicht, am wenigsten die Apostel von Christo geschrieben hätten. Die Vernunft, hiess es, ist die Kritik, welche diese Erzählungen berichtigt, der man mit Recht die Infallibilität zuschreibt. Auch komme es sogar, sagte der schlichte Mann, nicht einmal darauf an, ob Christus wirklich in der Welt gewesen sei oder nicht, sondern nur auf Fingerzeige, die durch ihn der Welt zu einer sichtbaren Religion gegeben sind. – Eine sichtbare Vernunftreligion sei das, was man Offenbarung nenne. – Schwer schien es hier zu sein zu binden und zu lösen; indess behauptete man: auf den Leib komme es nicht an; doch sei der Geist des neuen Testaments leicht und fasslich. – E r ward arm geboren, machte sich stark zu Handarbeiten, ohne seinen heiligen Geist zu vernachlässigen, lehrte so überzeugend, dass kein nachdenkender Mensch widerstehen konnte, lebte seiner Lehre getreu, im Leiden erhaben; am Charfreitage ward er aus Kreuz geschlagen, zog nach seinem geglaubten Tobe Schüler aus den Volksklassen oder vollendete sie vielmehr (sie waren schon längstens notdürftig ausgerüstet) und ging hin zum Vater am Himmelfahrtstage. – Alles diess ward dargestellt. Die Feste, welche die Christenheit feiert, waren hier gereinigt und so geistig gerichtet, dass der Christ bei diesen Festen sich als Glied des Hauptes ansah, und die Feste, als ihn selbst angehend, mit feierte. Pastor äusserte, die Darstellungen der Katoliken wären weit herrlicher und feierlicher. Mit nichten, sagte die Ritterin. – Man beging im Tabororden sogar den Himmel feierlich, in welchen Christus nach den zeitlichen und leichten Leiden dieser Zeit sich erhob. – Hätte dieser Himmel nicht, ohne dass man von der Ritterin ihre Perlen verlangen dürfen, Risse zum himmlischen Jerusalem abgeben können? Wie hat sich die Ritterin geändert? – – Man übersehe den Zeitpunkt nicht! zu i h r e r Zeit.
Man sehnte sich, auf Tabor abzuscheiden und bei Christo zu sein, allein man vergass nicht, dass dieses Leben des Lebens wert sei, dass ein Reisender zwar sein Ziel nicht vergessen, indess sich seine Reise so angenehm und nützlich machen müsse, als möglich u.s.w.
Finden Ew. Gnaden, sagte Michael zum Ritter, den Tabororden nicht in unsern Sonn- und Festiags-Evangelien, die ich bei Gamaliel in- und auswendig lernte?
Der Ritter schwieg, und dachte nach so vielen gekauften Perlen an Sophien, die Perle aller Perlen, derentwegen er alles wieder verkauft haben würde, wowider Michael, bis auf den Haufen Juwelen und Gold, dessen sein Herr so grossmütig sich begab, nichts hatte. Zwar mochte das Ideal, welches der Ritter am Busen trug, in dem Chorkleide einer regulirten Chorfrau des Ordens vom heiligen grab, ihm zu einiger Entschädigung dienen; doch fiel ihm bei reiferer überlegung von Tage zu Tage mehr ein, dass Ideale in gewissen Fällen den Gegenstand i n n a t u r a so wenig unentbehrlich machen, dass sie vielmehr sehnsucht befördern, und dass Sophie gewiss das Ideal seines Ideals sein würde, wobei Michael von wegen der Zofe ein ganz