Man w o l l t e dem Ritter und seinem Knappen alles augenscheinlich beweisen und sie schmecken und sehen lassen. – Kann man von Menschen mehr fordern als redlich w o l l e n ? Gibt es, wie man nicht ganz abläugnen kann, angeborne Ideen, sagte der Ritter, ist alles Erforschen, Erlernen und Wissen Erinnerung, und findet sich hier und dort und da die selige Stunde, da wir lernen, was wir wussten, vielleicht (ein wonnereiches Vielleicht!) sind S o p h i e und ihre B e g l e i t e r i n , die wir in der Weite suchen, in der Nähe. Freilich nahm sich in den durchkreuzten Orden die Einbildungskraft fast immer heraus, das Experiment zu machen, ob sie gleich in der Regel von jedem Experiment gewissenhaft entfernt und abgesondert sein sollte; doch merkten es entweder unsere Candidaten nicht oder sie wollten es nicht merken. Was verlier' ich, dachte der Ritter? Nichts als Geld. Und ist diess nicht da, um verloren zu werden? In der Tat, unser A B C konnte sich bei allen Ordensweihen mit der Reinheit seiner Absichten beruhigen; und da seinen Vorurteilen und seiner Sinnlichkeit (beide nicht böser Art) geschmeichelt ward, fand er sich im Tale Josaphat übel? und wird es ihm auf den Bergen missfallen?
Was ich längst hätte bemerken können, ist, dass er sich nie auf das Gold- oder Juwelenmachen einliess. Er verbat sogar diesen Unterricht mit Bescheidenheit und substituirte nicht nur diesen, sondern vielen andern Geheimnissverheissungen – Sophien. Ob er sie auf den Bergen finden wird, wo man freilich weit herumblicken kann –? Michael, der gewiss die Zofe so zärtlich liebte, wie sein Herr Sophien, war mit diesem Gold- und Diamantenverzicht unzufrieden, und äusserte die nicht ungründliche Meinung, dass sich Gold und Juwelen mit Sophien und ihrer Zofe wohl vertrügen. Michael, sagte der Ritter, schämst du dich nicht, mit verbundenen Augen sehen und mit verstopften Ohren hören zu wollen? Der Knappe erwiderte: Ew. Gnaden haben mir selbst von einem Knaben erzählt, der nach einem Hunde warf und seine Stiefmutter traf. Auch nicht unrecht, sagte der Knabe. – Da die Receptionen auch da bezahlt wurden, wo es Gold und Juwelen regnete, was meint man: ob der Ritter oder der Knappe im Punkte des Goldes und der Juwelen Recht habe? N a c h E l e u s i s !
Von allen nur drei, sieben, neun bis zehn Worte. Bei der Aufnahme auf
§. 145.
Karmel
ward, wie schon sonst, ein erschütterndes Getöse gehört. Die Erde bebte und die schrecklichen Situationen, in die der Aufzunehmende gesetzt ward, endigten sich mit den sanften Strahlen des Phöbus. – Nichts neues vom Jahr. – Man kann Nebenabsichten haben und doch Gutes befördern; man kann keine Absicht haben und doch etwas zu stand bringen, was nicht allein nicht übel, sondern heilsam und gut ist. Der Operationsplan auf Karmel war so versteckt, wie fast in allen andern Orden und Graden. War es Wunder, dass unser Ritter den Plan von Karmel aus der Aufnahme nicht abnehmen konnte? Lag es am KarmelorRitter selbst macht sich in der Glosse den Vorwurf, diess Werk mit zu wenig Lebhaftigkeit betrieben zu haben, um davon reife Früchte zu ziehen. Kann Karmel für diese zu wenige Lebhaftigkeit?
In einem Grade des Karmelordens ward die Kunst gelehrt, mit allem zu reden, die Zunge allem, was Zunge hat, zu lösen und sogar alles Leblose in der natur zu verstehen. Ein allerliebstes Conversatorium! Lass uns hier, liebe Leserwelt, mit Dank erkennen, dass wir im Grabesorden unter andern die Farben- und Zeichensprache lernten, wovon man durch eine gleichzeitige oder successive Verbindung und Vermischung eine gewisse Melodie und Harmonie schon im gemeinen Leben herausbringen kann. Armes gemeines Leben! deine Regeln der Ordnung und Uebereinstimmung gaben gegen die heilige Farbensprache kaum ein Buchstabirbüchlein ab, da man im Grabesorden lange Farbenreden zu halten ganz unbedenklich fand! – Und was gilt diese Kunst gegen die Sprachlehre auf Karmel? Sie war eine der allerseltsamsten und schwersten. – Unser Ritter, durch mancherlei Kunstvorfälle derselben überrascht, wusste nicht, ob nicht wirklich der Kirschbaum ihn zu Gevatter und die Eiche zur Leichenfolge bat; ob die Tanne ihn nicht vor Unglück gewarnt und die Birke ihn bedauert hatte. Ein schöner Bach unterhielt den Ritter mit den Gedanken, Worten und Werken seiner angebeteten Sophie von Unbekannt, er kam geraden weges von ihr. Obgleich der Ritter den ihm sonst so lieben Bach nicht verstehen konnte, so viele Mühe er sich auch gab, so war doch vermittelst eines Ordenstranslateurs ihm alles verständlich. Man versprach ihm ein Universallexicon, welches er bei so vielen Zungen und Sprachen im Segen zu brauchen im stand sein würde, doch findet sich ein NB. in den Nachrichten:
"Nicht erhalten!"
Auch hatte der Ritter die Ehre, einen geheiligten Papagei kennen zu lernen, der auf alle fragen, wohl zu verstehen, in der weltüblichen Sprache antwortete. Er verstand Deutsch, Französisch und Italienisch. Z.B. was denkt der Neuaufgenommene vom Karmelorden?
D e r P a p a g e i . Er ist unentschlossen.
Wird sein Glaube gestärkt werden?
Ja! sagte der Vogel, ob ich gleich, seiner Heiligung unbeschadet, in meinen Nachrichten Ursache zum Nein finde. Vom Orden auf
§. 146.
Sinai?
Hier ward