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gerichtet; wer nicht verdammt, wird nicht verdammt; wer gibt, dem wird gegeben. – Tut nur, als wisset ihr mehr und ihr werdet andere finden, die bei euch in die Schule kommen. Jede Meinung in der Welt, mochte sie noch so sehr in Kreuz und Quer sein, fand ihre Jünger und Apostel. Ein Wort im Vertrauen, eine Hoffnungsaussicht macht Menschen, wenn nicht glücklich, so doch ruhig. – Der Mensch ist zum Experimentiren geboren. – Eine Beule am Kopf und am Herzen mehr oder minderwas schadet sie? Wagen gewinnt, wagen verliert. – Eins der Hauptstücke des Ordensarcans schien zu sein, Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern zu befördern. Fruchtbarkeit im Ordenssinne; das heisst: den Kindern nicht nur Schönheit und Stärke des Leibes, sondern auch Schönheit und Stärke der Seele beizulegen, wovon indess, leider! unser Held so wenig wie sein Knappe vorderhand Gebrauch machen konnte, da ihnen diese Rosen von Jericho und neben ihnen die bescheidenen Blumen Je länger je lieber noch nicht blühten. – Es käme, hiess es, auf kultur des Akkers und guten Samen an; – und die Zeit wäre nahe, wo man auf wohl zugerichtetem Acker auf einmal viele grosse Seelen und starke Körper zum Vorschein bringen und auf die Erde setzen würde, die nicht bloss durch Systeme ein besseres los für die Menschen erschreiben oder (wie noch schwächere Menschen) es erhoffen, sondern alles erstreben würden! – Hosianna! Wenn dieses Ackerwerk und dieser gute Samen nicht vorausginge, was hülfen die besten Educationsanstalten? Eine geknickte Lilie begiessen, von einem wurzellosen Baume Früchte fordernwer kann das?

Die Ceremonien bei der Aufnahme waren bei Josaphat gar nicht verhängt. Ich könnte sie in Lebensgrösse mitteilen und würde es, wenn man sich hier nicht wie gewöhnlich Ordensmühe gegeben hätte, Anlagen durch Göttermaschinerien und Episoden aufzustutzen. In den Tälern, sagte Michael, ist in der Regel weniger Licht als auf Bergen. Und die

§. 144.

Bergorden?

Freilich weder auf Moria noch auf Garizim ist den Menschen zu helfen; denn es ist eitel Betrug mit allen Hügeln und Bergen, den Berg aller Berge, der jetzt in Paris Gesetz gibt, nicht ausgenommen. Cultivirt der Mensch nicht seine intellektuellen Kräfte, bleibt sein Charakter unveredelt, erhöht er sich nicht zum Selbstgenuss, was helfen Täler und Berge? Doch soll Schwärmerei auf Gebirgen Hütten bauen? Ist das Empfehlung? Ist in gigantischen Systemen von Schwindelei und in änigmatischen Vorträgen nicht mindestens eine Art von Kraftanstrengung, von Seelenerhebung, wie auf unsern Bergen? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Fängt man doch Wallfische mit Tonnen, sagte einst Johannes, warnm sollte man im Orden sich mehr Mühe geben, wo gemeinhin nichts weniger als Wallfische zu fangen sind! So viel ist gewiss, dass viele der Vergiften zu wissen glaubten, was sie nicht wussten, und diese wollten andere in der Unschuld ihres Herzens glauben machen, dass sie wüssten. Viele von den Bergen, so scheint es mir, hatten sich nicht einmal die leichteste Mühe von allen gegeben zu glauben: es fehle ihnen an Zeit, weil sie che wegen der hohen Zutat, die man hineinzulegen gewusst hat, nicht hassenswürdig sind; an Liebenswürdigkeit würden sie grenzen, wenn nicht Faulheit ihr Hauptingrediens wäre. – Und wie? ist der Mensch nicht Glaubensgeschöpf? glaubt er nicht von Kindesbeinen an, bis er zum wirklichen Grabesorden kommt, wo es wahrlich am Glauben nicht gebrechen muss? – Lasst gut sein! Gewisse Schwärmereien sind fast unschädlich, sie verfolgen heisst sie befördern. Wer ein politisches Gebäude stürzen will, wird nicht die Zinne desselben ersteigen und mit einem Brecheisen seinen Endzweck k u n d u n d z u w i s s e n t h u n allen, denen daran gelegen und n i c h t g e l e g e n i s t – unmerklich wird er es untergraben, damit es bei dem Sturz so aussehe, als hätte die Zeit es gestürzt. Man mache den Hypochondristen krank, damit er einsehe, was krank sein heisse, und er wird gesund werden. Probatum est. Man lasse den Hypochondristen hypochondrisch sein, denn er weiss sonst nichts mit sich anzufangen. Auch probatum est. – –

Bei jedem Grad des Ordens, bei jedem neuen Orden hiess es: nach E l e u s i s ! Die Processionen, die an diesen und jenen heiligen Ort gingen, hatten für unsern Ritter und seinen Knappen (wahrlich es war ein guter Glaubensschlag von Menschen!) etwas Verführerisches. Fast alle Menschen wollen die andere Welt nicht hoffen, sondern sehen und schmecken, besonders aber ist die liebe feurige Jugend äusserst himmelsüchtig, am besondersten, wenn sie verliebt ist. Sophie und die Zofe gehörten ohnehin zur unsichtbaren Welt. – Auch gibt es gute Seelen, die den Himmel wie eine Promenade ansehen, um sich dort zu erholen, wenn ihnen diess Leben anekelt oder sie seiner Tage Last und Hitze getragen haben. Unser Ritter hatte, freilich auf Anraten seines Johannes, Mosen und die Propheten, die Physik und Chemie zu seiner Zeit ganz gut studirt, doch selbst die Ohnmacht dieses Studiums brachte ihn zur Allmacht der sogenannten hohen Chemie und hohen Physik. Kenntnisse leicht und spielend zu fassen, die doch so viel reichlicher lohnen! Wirklich! Freilich angeblich, was hält aber Wort in der Welt? Ist es zu läugnen, dass in uns ein Zutrauen zu unbekannten Kräften liegt? Wer kennt die Gotteit? –