eine probe. Da auch diese nicht minder fehlschlug, suche sie die Schwärmerin mit dem Gedanken zu beruhigen, dass es Schwärmerei wäre. Noch die beiden Nelkentöpfe. – Gut! E r und S i e wurden ausgesetzt. Anfänglich liess es sich mit ihm herrlich an, weil der Gärtner nicht gelegenheit hatte, seine Hand an I h n zu legen; bald aber verdorrte auch dieser E r . Warum? Der Gärtner wusste sich einzuschleichen und schnitt dem Nelkenstocke die Wurzeln ab. Wird der Zofe jetzt noch ein Ausweg übrig bleiben? Noch Einer! es mit zwei Bäumen zu versuchen! Armer E r , der du dem Gärtner so zur Hand bist! – Es ward dieser allerletzte Versuch genehmigt – der so gut wie verloren ist. – Und wird sich denn die Festung Unbekannt noch länger halten? Es ist die Frage. Man sagt, es sei jede, wenn nicht durch Sturm, so durch List zu überwinden. Wahrlich es ist alles zu fürchten! Der
§. 142.
Meierhof,
den Heraldicus junior vom Fräuleinsohne gekauft hatte, war in ein Museum verwandelt. Ganz hing der jetzige Eigentümer seiner Philosophie nach; und wenn gleich seine eingeschlafenen Dienstleute zuweilen den Jakobinismus ihm nicht wohlfeilen Kaufs liessen, so glaubte er doch, dass es an den eingeschränkten Begriffen dieser Menschen läge, und dass, wenn sie aufgeklärter wären, sie auch in einem ganz andern Leben wandeln würden. Herr, stärke uns diesen Glauben! Wenn gleich Pastor Gamaliel in Betracht seiner Grundsätze mit ihm nicht in Gemeinschaft der Köpfe lebte, so besuchten sie sich doch zuweilen, und dann war des Streits kein Ende, so dass die sonst duldsame Pastorin zuweilen nicht ermangeln konnte, "Friede sei mit Euch!" den streitenden Parteien zu gebieten. Ein zu heftiger Streit im Pastorat hatte beide wirklich etwas entzweit, und Heraldicus junior blieb länger als gewöhnlich aus. Der Pastor hielt seine Grundsätze zu sehr in Ehren, um den ersten Versöhnungsschritt zu tun. Auf einmal fiel es dem Heraldicus junior ein, das K r e u z - und R i t t e r f e s t den z e h n t e n S o n n t a g n a c h T r i n i t a t i s in der Rosentalnach dem Ableben ihres Gemahls an diesem Sonntage selten die Kirche; doch ward an demselben das ganze Pfarrhaus eingeladen. Man erinnerte sich mit Rührung des im himmlischen Jerusalem sich befindenden Ritters, so dass sein Sterbetag nicht mit mehr Andenken an Ihn gefeiert werden konnte. Heraldicus junior hatte im schloss freien Zutritt. Da er bei gelegenheit dieses freien Zutritts ganz von ungefähr einen blick auf Kätchen, die älteste Tochter des Pastors, warf, empfand er, trotz seines übermütigen Freiheitsbaumes, die Folgen dieses Blicks so sehr, dass er wirklich gefangen war. Ohre Zweifel trug zu diesen Folgen der Umstand bei, dass Kätchen einen Freier hatte, dem sie nicht übel wollte, den aber der Vater, weil er das Unglück hatte kein Literatus zu sein, ungern zum Schwiegersohn haben mochte. Warum? Weil er sich mit ihm nicht gelehrt zanken konnte. – Heraldicus junior war verliebt; und wenn gleich die Liebe immer dringend ist, musste die seinige es nicht um so mehr sein, da ein andrer Freier ihm zuvorgekommen war? Ob wohl oder übel? war nicht auszumachen; er konnte sich nicht entbrechen, den Pastor zu bitten, dass er den Zuschlag noch aussetzen möchte. Diess ward ihm mit versöhntem Herzen verheissen. Bisher hatte sich Heraldicus junior oft in Gegenwart der Pastorin und Kätchens berühmt, auch in Hinsicht der Liebe würde sein Herz frei leben und sterben. Er mochte auch wirklich versucht haben, sich vor Blicken, deren Einer ihm heute so gefährlich ward, zu verwahren; aber sein Stündlein blieb nicht aus. Schon den andern Tag war Heraldicus junior wieder da. Es geht, fing er zu Gamalieln an, mit der Liebe, wie mit dem Blitz. Man trete immerhin auf elektrische Körper, man elektrisire sich sogar während des Gewitters – hilft es? Wahrlich nicht! Da glauben einige, das Geräusch der Welt zerstreue Liebesgedanken. Wahrlich kein Universalmittel! Wenn Kanonen abgeschossen und die Glocken geläutet werden, hilft es gegen Gewitter? Zuweilen freilich werden hierdurch Gewitterwolken zerstreuet, zuweilen aber näher herbeigezogen. Ist das Herz zur Liebe reif, hat man den Gegenstand seiner Neigung auch nur in Gedanken gesehen: was helfen Zerstreuungen? Man will Zerstreuungen zerstreuen. – Der Donnerschirm der Freiheit? Ich hab' ihn in Segen gebraucht; jetzt sagt er mir seine Dienste auf. – Er hatte Kätchens Vater wohlbedächtig bloss um Aufschub gebeten, und der war ihm auch zugesichert. Um Aufschub –? Er glaubte es noch in seiner Gewalt zu haben, die Zerstörung seiner Freiheit abzuwenden; doch war der Freiheitsbaum so umgeworfen, dass er um das Ja bat, und es von Kätchen – nach vielen Kreuz- und Quer-Bedenklichkeiten – erhielt. Auch beim endlichen Ja schwebte ein Wölkchen der Schwermut in ihren schönen schwarzen Augen, das sich – hoffentlich verziehen wird. Ihre Schwierigkeiten gossen Oel zum Feuer. Freund, sagte Gamaliel, es geht der Freiheit wie den meisten Dingen in der Welt: man erfindet nicht Sachen, sondern Wörter; und was hilft es, die Uhr durch Nachhülfe richtig zeigen und richtig schlagen zu lassen, wenn das Triebwerk verdorben ist –? Sie wissen, Herr Sohn, was Erbsünde und Sündenfall ist: Eingeschränkteit unserer natur; und