zu Tage mehr aufmunterten. Wenn mehr als eine leidenschaft in der Seele wütet, verstärken sie sich unter einander. Furcht, Hoffnung, Neid und zügellose Liebe wechselten in unserm Cavalier und machten ihn so leidenschaftlich, dass auch die Liebe zu Sophien auf den höchsten Grad gestiegen war. – Er benutzte nicht nur die weitläuftige Verwandtschaft, wenn Sophie sich auf dem land befand, sondern auch ihren Aufentalt in der Stadt, um sie zu gewinnen. – Alles schlug fehl. – So heftig er liebte, so sehr wusst' er sich zu verstellen. Er war Meister in dieser Kunst, und an gelegenheit fehlt' es ihm nicht, sich durch Uebung weiter zu bringen. Der Liebesteufel, von dem der Eheteufel ein Verwandter ist, geht nicht umher, wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge, sondern nimmt Gestalten an nach Herzenslust. Sophie von Unbekannt war viel zu edel, um Ausdrücke und Gefühle gegen einander abzuwägen, und unser Cavalier war viel zu listig und zu gekünstelt, um aufgedeckt zu spielen. Der Duldsamste schlägt in Flammen auf, wenn er überrascht wird, und es gibt kleine, unbemerkliche Fälle, wo man auch dem treuesten Herzen heimliches Gift beibringen und ihm den Freund seines Herzens allmählich verdächtig machen kann. So unser Cavalier. Um ein Ideal zu stürzen (das wusste unser Verräter wohl), muss man nicht Sturm laufen. – Er verstand, jedem Zeitpunkte und jedem Umstande, wenn beides noch so gesucht war, ein ungesuchtes Ansehen beizulegen, um unsern A B C zu stürzen. – Ungefähre machen alles bei Hass und Liebe. – Auch tun hier Anspielungen, Einkleidungen und überhaupt feine Geburten der Erfindungskraft unendlich mehr als Worte. Je leiser und unschuldiger die Aeusserung ist, desto mehr wird gewonnen! Spielt nicht der Neid oft so allerliebst, dass diess Laster für baare Tugend gilt, so wie die Tugend oft am meisten verkannt wird, wenn sie sich zur höchsten Stufe der Reinheit erhebt –? – L ä c h e r l i c h k e i t und V e r s c h w e n d u n g waren ausser der Vernachlässigung die Hauptkarten, die unser Cavalier ausspielte. Ein paar grosse Trümpfe! Sophie von Unbekannt war selbst eine Schwärmerin, und man sagt, alle Schwärmer und Schwärmerinnen verständen einander. Mit wie viel Kunst musst' es also der Cavalier anlegen, unsern A B C lächerlich darzustellen! – Es gibt Menschen, die durch einen Zug den besten, edelsten Mann travestiren können; und unser Cavalier hatte diese Gabe, die er mit einer Feinheit anwandte, dass er auch hier Meister war. – Er war Mitglied geheimer Gesellschaften; und wer ist es nicht? – Diess erleichterte seine Rolle. Zwar wusste er (zu unseres Ritters Glück) kein lebendiges Wort von Trophonius Höhle und wie nahe unser A B C hier der Verlobung mit einer Furie war; doch brachte ihn seine Dreistigkeit, die bis zur Unverschämteit ging, ausser Trophonius Höhle und der ehelustigen Furie auf tausend Dinge. – Je mehr Ideal, desto besser, um ein Ideal zu bekämpfen. – Die Verschwendung des Ritters unterstützte diese Vorstellungen. Zur Oekonomie bestimmt, missfällt es jedem Mädchen, wenn der Liebhaber, ausser der Grenze desselben, verschwendet; und freilich waren die Summen beträchtlich, die unser Ritter gebrauchte. Ist es Vernachlässigung, dachte Sophie von Unbekannt, wenn A B C die Welt durchzieht, ohne zum Ziele zu kommen? Weiss er, dass ich ihn liebe? Wird er nicht vielleicht so aufgehalten und ins Weite geführt, wie ich? Sucht er nicht seine Vielgeliebte, wie ich den Vielgeliebten? Wie aber, ist er nicht Mann? Liegt es ihm nicht ob, den ersten Schritt zu tun und die Hindernisse zu brechen, die uns scheiden? Wenn das andere Geschlecht einmal vom Gedanken ergriffen wird, es werde vernachlässigt, vermutet es immer das Aergste. – Unser Verräter vertrat diesen Weg gewiss nicht.
Sophie von Unbekannt, die sich im Stillen mit ihrem Vielgeliebten beschäftigte, hatte die Gewohnheit, zwei Bohnen in die Nähe zu setzen: eine war S i e , die andere E r . Werden sie sich umfassen? Werden sie sich scheiden? – So fragte sie vor s i ch; und E r entfernte sich jederzeit, um sich mit seinen Nachbarn zu verwickeln. arme Sophie! Sie taufte zwei Blumentöpfe E r und S i e . Werden die Levkojen Knospen, Blätter, Blüten gewinnen? S i e grünte und blühte: E r verdorrte. Die Schwärmerin tat bei einer solchen Anpflanzung feurige Wünsche; sie faltete ihre hände darüber und benetzte den Baum E r mit Tränen. E r war nicht zu halten; leider! starb E r immer dahin. – Und so ging es mit allem, was E r hiess. Wunderbares Ungefähr! Nicht doch! – der Gärtner war erkauft. Sein kleiner Jakob durfte die Namen bei der Taufe nicht etwa erwittern; Sophie, die ihn lieb hatte, war gewohnt, es ihm von selbst deutlich zu machen (er war freilich nicht Liebhaber, ein Freund, ein Bekannter, e i n was weiss ich); und die Mühe, die der Vater des kleinen Jakobs sich gab, I h n ausgehen zu lassen, ward reichlich belohnt. Darf ich sagen, von wem? Die Kammerzofe war sehr für I h n ; und als einst ihre herrschaft der Verzweiflung näher als sonst war, bestand sie auf noch