zugehörte. Der Emsige verstummte vor seiner Schererin, zuckte die Achseln, und sagte nach vielen Hin- und Rückreden auf eine kaufmännisch witzige Art: der Wechsel des Herrn Baron sei par onore di lettera bezahlt. "Lettera," sagte die Frau Schwiegermutter, und verstand keinen laut von allem, was ihr zu Ohren gekommen war. "Lettera!" beschloss der Emsige und knirschte mit den Zähnen. Wäre die Cousine dabei gewesen, sie hätte auch lettera gesagt, und keinen als der Emsige, der mit dem Kalbe des Wechselrechts gepflügt hatte, würde den Sinn dieser Redensart verstanden haben.
Der Nachbar, fing der Emsige an, hat sich Leides getan –
"Den Hals abgeschnitten?" fiel Madame ein.
Die Börse einmal versäumt, erwiderte der Emsige; und s i e – fiel so in's lachen, dass der Emsige aus der ganzen Connexion kam, und ein Punctum statt eines Comma's machte.
Bin ich denn nicht Vater? fing er zu einer andern Zeit an.
"Was das für eine Frage ist!" erwiderte sie, ohne sich über diesen Umstand weiter auszulassen. Es ward vielmehr eine so bedenkliche Stille, dass beide streitende Parteien es gern zu sehen schienen, als fräulein Cousine, die sich eine kleine Bewegung gemacht hatte, damit der Abend dem Mittage nichts nachgebe, wie gerufen dazwischen kam. Das Gespräch fiel auf die
§. 10.
Hochzeit.
Die Hochzeit ist die Zahl Z e h n , sagte mir ein weiser Mann, und es wäre eine herrliche Sache, dergleichen Haupt- und Kernworte auf Zahlen zu bringen. Mir macht es eine nicht geringe Freude, dass der Vater meines Helden eben §. 10. Hochzeit hält. Der Bräutigam drang, nachdem der Emsige den berlinischen Wechsel (bis auf die Zinsenhefen, wie der Emsige sich ausdrückte) bezahlt und dem Herrn Schwiegersohn die Schuldverschreibung eingerissen zurückgegeben hatte, auf Ehebett und priesterlichen Segen. Der Emsige nannte diese beiden Stücke: H o c h z e i t ; Madam und der Bräutigam: B e i l a g e r , an welchem Anstosses fand, dass er sich des lautesten Unwillens über die galanten Greuel dieser letzten betrübten Zeit nicht entalten konnte. Nach vielen weitschweifigen Deliberationen ward man über folgende Umstände eins, die der Rechtsfreund des Hauses zu Hauf brachte.
1) Das Beilager, alias Hochzeit, ist über sechs
Wochen; (Alias! seufzte der Emsige, als der Rechtsfreund sich bei diesem ersten Punkte räusperte.)
2) wird zum Andenken des Stammvaters Adam im
Garten,
3) incognito,
4) ohne Klang und Sang gehalten.
5) Beide Hochverlobte treten in Adam-Evaische
Gemeinschaft der Güter, damit eins dem andern nichts vorrücke, es mögen Capitalien oder Ahnen sein. (Was Gott zusammenfügt, soll kein Ehepakt scheiden.)
6) Lieben einander bis in den Tod, und zeugen
Kinder, die ihrem Bilde ähnlich sind von Rechtswegen für und für.
7) Der S.T. Nachbar wird ehrenhalber zur Hochzeit
gebeten.
Ich wette, fiel die Frau Schwiegermutter bei S.T.
ein, ich wette hundert gegen eins, er wird an diesem Tage die Börse nicht versäumen!
"Und kein Leichenbegleiter sein wollen," setzte
der Emsige hinzu.
Dieser Incidentpunkt endigte das Protocoll des Rechtsfreundes, so dass mit der Sieben diese Punktation abgeschlossen ward. "Ein schlechtes Omen!" meinte der Emsige, da der Rechtsfreund die Feder zur Ruhe brachte. Was braucht es denn hier des Omens? erwiderte Madame.
Guter Emsiger, ziehe aus deine Schuhe, denn die Zahl Sieben ist heilig! – Hätte der Nachbar sich auf das N e g o c i i r e n besser, als der Emsige auf die Zahl S i e b e n verstanden – Sophie wäre Madam Nachbarin und nicht Frau Baronin geworden für und für. Zu spät liess er dem Baron die Valuta der Wechselschuld nebst den Verzögerungszinsen, und obendrein ein siebenmal so grosses Capital, als Reukaufsgeld, wie er es nannte, anbieten. Zu spät, Freund Nachbar! die Sache ist zu weit gekommen. Doch machte der Baron von diesem Antrage nicht den mindesten Gebrauch zu seinem Vorteil und des Nachbars Nachteil. fräulein Freitisch war die einzige Depositärin dieses Geheimnisses.
Die Hochzeitfackel ist fertig zum Anzünden, und es wird Zeit, dass wir uns auf eine Schüssel G e r n g e s e h e n , wie der Emsige sein bürgerlich zu reden pflegte, in dem Garten des Brautvaters vor dem Tore einfinden. Dieser so notwendigen Kürze ungeachtet, muss ich den sieben Punkten des Rechtsfreundes noch hinzufügen, dass Madam und der Emsige bei dieser Eheangelegenheit ein siebenpünktliches Pactum dotale, freilich etwas spät im Jahr, indess doch immer gültig, wiewohl ohne Rechtsfreund, abgeschlossen hatten. Nun und nimmermehr würde einer von diesen sieben Ehepaktspunkten zu stand gekommen sein, wenn nicht der Emsige sich hierdurch eine noch weit schwerere Last hätte abkaufen können. Es war auf nichts geringeres angesehen, als dass er, zur Ehre und auf Kosten seines adeligen Eidams, CommerzienRat werden sollte. "Warum nicht gar!" erwiderte er einem Schmeichler, der ihm vorschussweise diesen Namen beilegte. "Wo es Commerzien-Räte gibt, da geht es mit dem Handel schlecht; und ist es Wunder, dass diese Herren nicht zum Handeln, sondern zum Raten sind? – Weit lieber," fügte er wohlbedächtig hinzu, "nach den Specien der hochedlen Rechenkunst Numerations