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, und ich habe keinen Beruf, die Körbe zu flechten. Das Aergste vom Argen ist, dass ich bei weitem den grössten teil verhängt finde. Jede B r o c k e n s t u n d e fing an und ward mit den Worten beschlossen: Es blühe uns die R o s e v o n J e r i c h o , und neben ihr die bescheidene Blume j e l ä n g e r j e l i e ber!

Michael, der gegen diese hohe Weisheit nicht drei, neun und zehn Meierhöfe eingetauscht hätte, munterte den Ritter zu dieser Korbsammlung auf. Am glücklichsten wär' er gewesen, wenn er einen davon seinem Gamaliel zuzuwenden die erlaubnis gehabt hätte, der in Hinsicht der Geheimnisse schon von natur H ä h n c h e n i m K o r b e zu sein, was soll man sagen? sich dünkte, – oder wünschte? wie Michael sich ein wenig zu gesucht nach seiner Protagorasweise ausdrückte. Nach der Versicherung des Obern vom Ordenshause zu schliessen, müsste ein Brocken Gamalieln gesättigt haben sein Lebenlang.

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Weltweisheit ist ein Spitzname, den man der Philosophie beigelegt hat. Vielleicht taten es die Kirchenväter, um sie vom Christentum zu unterscheiden. In diesem Sinn ist Philosophie nichts anders, als Lebensartlehre, Tanzkunst der Seele; und die, welche Philosophie besitzen, sind Hofleute im höchsten Grade. Die eigentliche Philosophie, die sich mit der allgemeinen inneren Beschaffenheit der Dinge abgibt, war das Werk weniger edlen, der Vorzug unserer V o r v ä t e r . Von ihnen schreibt sich die Bemerkung her, dass die Philosophie in der Kunst zu sterben bestehe. Die Philosophen und T h e o l o g e n (wenn man diesen letzten vermessenen Ausdruck brauchen darf) der alten Welt waren e i n s ; und da die Philosophie alles geistig richtet, so kommt ihren Liebhabern eigentlich der Name G e i s t l i c h e zu, der, wenn man ihm den Namen w e l t l i c h entgegensetzt, die Sache noch deutlicher zu machen scheint. Man wendet oft die gesetz der Naturlehre im gemeinsten Leben an, ohne sie einzusehen und ihnen nur einen blick der Aufmerksamkeit und Erkenntlichkeit zuzuwenden.

Bei jeder Sache von Wichtigkeit gibt es eine heilige drei (das wusste man wohl in Rosental), und die Philosophie hat auch die ihrige: G o t t , W e l t , M e n s c h . Der Inbegriff von Begriffen und Kenntnissen von der kleinen Welt, dem Menschen, der grossen Welt, dem All und der Gotteit, ist die philosophische Dreieinigkeit, von der es (wie? das ist die Frage) im Geist und in der Wahrheit heissen kann: Diese drei sind Eins.

Dass Gott der Herr selbst die Logik oder die philosophische denke- und Sprachlehre dem ersten Menschen beigebracht habe, ist kein Zweifel, da zu dieser Frist die grosse und kleine Welt noch Kinder waren, und wenn Gott selbst nicht die Erziehung übernommen hätte, – was würde wohl, besonders aus der kleinen Welt, dem Menschen, herausgekommen sein? (Bei so gründlichem Elementarunterricht und bei einem solchen Lehrerwar es Wunder, dass die Lernenden Riesenfortschritte machten?) Wer den Menschen in d e r Art berechnet, dass er vom Jäger (heisst auch zugleich Fischer) zum Hirten, von diesem zum Ackerbauer, dann zum kleinen, dann zum grossen Bürger gediehen; dass Städte, wo Bürger sich zu kleinen Gesellschaften verstanden, die Stifter der Staaten gewesen, wodurch Ungleichheit des Standes, Kraft, Macht, Gewalt, Gesetzgebung, gesellschaftliche Tugend, allgemeine Religion entstanden; mag immer kein ganz verwerflicher politischer Rechenmeister sein; in unserm Ordenwas gilt er? Wenig oder nichts!

Vom Könige Salomo (einem grossen Ordensmanne) heisst es: er redete von Bäumen, von der Ceder auf Libanon bis an den Ysop, der aus der Wand wächst; auch redete er von Vieh, von Vögeln, von Gewürmen und von Fischen. Und diese Leichenrede gilt von Adam, mit dem vorzüglichen Unterschiede, dass Adam nicht nur in der Physik, sondern auch in der Metaphysik kunstgerecht war. Er verstand genau, was die profanen Teologen s c h a f f e n und e r h a l t e n , wir aber s c h a f f e n und v e r w a n d e l n heissen, und hatte das Glück, nicht blosser Speculirer zu sein. – Er drang in das W e s e n , ja das Wesen jeder Sache; sah wachsen alles, was zu wachsen fähig war, obgleich jetzt die grössten Beschauer nur Gras wachsen h ö r e n können; wusste, was jetzt wenige wissen (gibt es eine Sache, die man nicht anzugreifen, zu bezweifeln und oft, wenn das Unglück gut ist, gar zu widerlegen im stand ist?): nicht nur das Ja und das Nein von allem, sondern das Ja und Nichtja, nicht nur das Nein, sondern auch das Nichtnein. (Etwas ganz anderes als Nein!) Von dieser verloren gegangenen Kunst, welche den Meister nicht verrät, gibt es noch schwache Anzeichen in manchen Sprachen. – Der Paradieser Adam hatte es schier weit gebracht; und wenn gleich auch alle seine gefallenen Nachkommen und unter ihnen besonders wenige Auserwählte, einige Kenntnisse von ihrem hohen Werte