diese Rede. Du hast wohl gesprochen! Damit sich aber unser neuer Grabesbruder in Deinem Geistesergusse nicht verirre; so wiss' er, dass in unserm Orden die Kunst, das Leben zu verlängern, die Kunst, sanft zu sterben, die Kunst, mit Abgeschiedenen umzugehen u.s.w. gesucht oder getrieben wird. In dieser höheren Beziehung gilt eigentlich das hohe Wort Lazarus. Darf ich an den Ursprung desselben erinnern? Heil uns, wenn auch wir in unserer Kunst es so weit bringen, dass wir, wo nicht zum wirklichen Gestorbenen, so doch zum Sterbenden sagen können: S t e h e a u f ! – Memento mori.
Hiemit war die Aufnahme-Dämmerung zu Ende. Bei dem nachherigen Unterricht erfuhr der Ritter die Fortsetzung der geschichte der Grabesritter, die, leider! aus einem grab ins andere stürzten. Sie erkoren in Flandern im Jahr 1558 den König von Spanien Philipp den Zweiten zu ihrem Grossmeister, und wollten diese Würde mit der spanischen Krone auf immer verbinden. Der Johanniterritter-Grossmeister vereitelte diesen weisen Plan; er berechnete nicht unrichtig, der Grabesorden würde die Güter zurückfordern, welche die Johanniter sich so ungebührlich zugeeignet hatten. Der König von Spanien entsagte der Grabes-Grossmeisterschaft. – Im Jahr 1615 machte der Orden neue Versuche; allein auf das Gesuch des Grossmeisters von Malta, Alof von Vignacourt, widersetzte sich Ludwig der Dreizehnte diesen Bemühungen – – – Die n e u e s t e G e s c h i c h t e des Ordens war verhangen; doch hatte der Orden bis auf den heutigen Tag seine Grossmeister, die man indess nur im Ordensnamen bekannt machte. Der Herr kennet die Seinen, sagte der Obere. Der gegenwärtige hiess Alexander, Eques a die, Alexander, Ritter vom Tage. Noch dienet zur Nachricht, dass der eigentliche bis jetzt unter der glücklichen Regierung des Grossmeisters Alexanders, Ritters vom Tage, blühende Orden des heiligen Grabes Präbenden und Priorate verteilte, und, nicht bloss was ihm ehemals gehört hatte, sondern auch, was ihm hätte gehören können, seinen höhern Rittern mit einer Freigebigkeit zuwandte, die an Verschwendung grenzte. Wenn die Menschen an Tod und Grab denken, oder besser, wenn Grab und Tod in der Nähe sind, pflegen die meisten zu verschwenden, Emsige ausgenommen, die sich ihr Vermögen selbst erwarben. – – Die Krast der Einbildung, durch diese Besitzungen in partibus infidelium sich glücklich zu dünken, machte, dass die Herren Besitzer, besonders in den heiligen Zusammenkünften, nicht aufhören konnten, sich von ihren Vorzügen zu überzeugen. Wirklich Geheimer Rat und Geheimer Rat sind die höchsten Stellen in unseren Staaten, sagte der hohe Obere bei einer schicklichen oder unschicklichen gelegenheit; siehe da, neuer Bruder! Du bist geheimer, wirklich geheimer Ritter. Je mehr Güter wir in der Tat besitzen, desto mehr Sorgen drücken uns; bei unsern Präbenden ist kein Schatten von Widerwärtigkeit. Selig sind die Besitzer in partibus infidelium; denn die ganze Welt und das Himmelreich ist ihre! Eine sauber gestochene Karte von diesen Besitzungen lag bei diesen Nachrichten, die ich, um die Kosten zu sparen, diesem §. nicht beifügen will. Das meiste in der Welt wird in der Einbildung genossen, gehofft und gefürchtet; und so waren unsere Grabesritter (tun regierende Herren nicht dessgleichen?) so eifersüchtig auf diese Besitzungen, als ob es Hals und Hand, Gut und Blut, Felder, Aecker und Wiesen galt. Wer aus meiner Lesewelt über diese Eifersucht, diess Spielwerk und diese ganze Kinderei den Kopf schüttelt, ist (nach dem Ausspruch unseres Helden) in seinem Leben in keinem Grabes-Rittersaale gewesen, hat nicht bei einer schwachen Erleuchtung Männer in langen Mänteln mit Kreuzen geziert wandeln und in eine denkwürdige Zeit vieler Jahrhunderte sich zurückgezaubert gesehen. – N u r d e r K i n d e r s i n n wird hergestellet. – Der grösste Herr in der Welt, versichert der Ritter, kann solch ein hochwürdiges Schauspiel und solch ein herrliches Mahl nicht geben, wenn er Millionen verschwendet. Was diese Hohen tun, wird gleich zur Maskerade, und eine Art von Tollhaus. – O! es ist allerliebst, zuweilen zu werden wie die Kinder, versichert der Ritter am rand und glaubt, Freund Johannes würde nicht ungern Grabesritter gewesen sein oder gespielt haben.
Da der Vater unseres Helden als Johanniterritter nicht minder alles in der Karte besass, obgleich sein in Berlin negociirter Wechsel als das Receptionsquantum baar ersetzt werden musste – hielt unser Held mit seinem wohlseligen Herrn Vater (die sechzehn Ahnen etwa abgerechnet, über welche die Grabesritterschaft sich wegsetzte) nicht gleichen Schritt? Doch zog er seinen Orden, wie billig, vor, wegen des Alters, und weil der Johanniter-Orden öffentlich, der GrabesOrden dagegen heimlich spielt. – Höchlich freuete sich unser Grabesritter, dass der Tod ihn der Verpflichtung überhoben hatte, mit seinem leiblichen Vater wegen der dem Grabesorden entzogenen Besitzungen rechten und Krieg führen zu dürfen. Der Tod gleicht alles aus, was Menschen nicht ausgleichen können. Eldorado ist u n t e r der Erde, sagte unser Held. War es ihm als Grabesritter zu verdenken, dass er das O b e n fürs erste aussetzte? Ach! wer weiss es, wo Eldorado eigentlich liegt? – Ohne Zweifel war unser Held in seinem Element der unschuldigen Freuden seiner Jugend so lebhaft eingedeuk, dass sein Genuss wenigstens verdoppelt ward. Da standen wieder die zwölf Bogen, zu