lieben und es zu erhalten suchen, wenn von diesseitiger Pflicht die Rede ist, oder von Vorbereitung zu einer andern Welt?
Ja, so Gott will.
Wisst, dass in Fällen der begangenen Unwahrheit, und wenn Ihr heute, morgen, übermorgen oder in der spätesten Zeit davon überzeugt werdet, der Orden strafen kann. Unterwerfet Ihr Euch den Strafen, Auge um Auge, Zahn um Zahn?
Ja.
Amen! sagte der Brabevta, und hiess ihn sich nähern, niederknien und schwören:
Dem Orden treu zu sein im Leben und im tod, seine Gelübde zu halten, bis sein Ende komme, und alsdann mit frohem Mute und Herzen von hinnen zu fahren. – Darauf segnete er seinen Degen und die vergoldeten Sporen, legte seine Hand auf des Ritters Haupt und sprach: Gott stärke Euch, zu sein und zu bleiben ein guter Streiter, – und den Sieg davon zu tragen im Leben und Sterben. Amen! – Jetzt liess er ihn die Sporen anlegen, zog seinen Degen aus der Scheide, gab ihm denselben in die Hand, um sich seiner zu bedienen, nicht Krieg, sondern Frieden zu machen. Nach wenigen Minuten befahl er ihm, den Degen wieder in die Scheide zu stecken und sich zu umgürten. Umgürtet, sagte der Obere, Eure Lenden, und seid fertig allezeit zu tun den Willen dess, der Euch sendet. Gott aber wirke in Euch beides, Wollen und Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen! – Nach diesen Worten zog der Obere den Degen aus der Scheide und schlug dem Ritter drei Schläge auf die Schulter, der sein Haupt auf das heilige Grab legte, welches vor dem Sitze des Meisters in effigie errichtet war. – Während dieser Ceremonie sangen vier Ritter das Lied Simeons: H e r r ! n u n l ä s s e s t d u d e i n e n D i e n e r i n F r i e d e n f a h r e n , in einer dem Orden eigenen Melodie. Die Ritter waren bloss der deutschen Sprache beflissen, und das Lied Simeons schien aus dem Lateinischen übersetzt zu sein. – Zur probe geistreicher Poesie konnte es nicht dienen. – Die übrigen Ritter leisteten dem Oberen bei der Aufnahme Handreichung. Dreimal machte der Obere das Zeichen des Kreuzes und sagte: Ego – – – te constituo et ordino militem sanctissimi sepulchri Domini nostri Jesu Christi. (Ich weihe dich zum Ritter des heiligen Grabes unseres Herrn.) Sodann legte er ihm eine goldene Kette mit den Worten um den Hals: Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Ausser dieser Kette ward der Ritter mit einem goldenen, rot emaillirten, mit vier eben dergleichen kleinen Kreuzen umgebenen, grossen Kreuze geziert. Tragt dieses Ehrenzeichen, sagte der Obere zu ihm, an einem schwarzen Bande um den Hals; wachet und seid nach Anleitung der fünf klugen Jungfrauen bereit, wenn Euer Stündlein kommt, zu leben und zu sterben. – Endlich ward ihm ein Mantel umgeworfen, auf welchen an der linken Seite eben dieses Kreuz mit seinen vier Trabanten gestickt war. – Nach der Vollendung dieser Ceremonie erhielt der neue Ritter Ritterkuss, Zeichen, Wort, Berührung und Namen. Ich taufe Euch ritterlich, sagte der Obere, nach der heiligen Zahl, und Ihr heisst von nun an: Adam Ritter vom Stern (Adamus Eques a stella). Das Zeichen war, die hände in die Lage eines Grabers zu bringen. Das Wort ist, fuhr er fort: Grab; das hohe Wort, das nur buchstabirt (in der Ordenssprache hiess es tropfenweise) ausgesprochen werden kann, heisst Lazarus: L-a-z-a-r-u-s; die Berührung, die Spitzen der zehn Finger an einander zu setzen. – Und nun küss' ich Euch als Ordensbruder.
Am Tage der Aufnahme fiel keine Dämmerung weiter vor; nach so vieler Arbeit hielt man Refektorium. – Für jeden stand ein kleiner Tisch mit der erforderlichen Gerätschaft. Die Tische waren dreieckig und standen in Dreiecken; doch übertraf die Zahl der Tische die Zahl der gegenwärtigen Mitglieder. Auf einem jeden Tische standen drei kleine Schüsseln, auch im Dreieck, dessgleichen zwei Lichter und ein Todtenkopf in derselben Figur, welches alles sich auch auf den vier Tischen befand, bei denen niemand zu sehen war. Einer der Brüder belehrte den Ritter, dass diese Tische zwei toten und zwei noch lebenden abwesenden Mitgliedern gebührten. Noch nahm er sich die erlaubnis, den Ritter zu belehren, dass die abwesenden noch Lebenden diesen Abend nichts zu geniessen im stand wären, wenn es gleich die Ordensregel bewilligt. Sie sind gesättigt, setzt' er geheimnissvoll hinzu, und von den Gestorbenen sollen sich ehemals Schatten eingefunden haben, um für diese Art von Libation zu danken. Das ist die Deutung des wechselseitigen Testaments, einander zu erscheinen, welches zwischen dem Aufzunehmenden und einem der alten Mitglieder bei der Aufnahme gemeinschaftlich gemacht wird. Nicht kann man suchen, man wird gesucht; ohne unser Gebet, ohne menschliches Zutun und Erflehen, erscheinen zuweilen Geister. – Eben dieses Mitglied befragte den Ritter: ob er je von sympatetischen Kuren gehört hätte, wodurch man Menschen hundert Meilen und drüber entfernt, a r z e n e i e n , und, wenn das Glück gut wäre, h e i l e n könne? Eben so, bemerkte dieser Bruder, ist man im stand,