, und als man diese weltlichen Chorherren zwang, die Regel des heiligen Augustinus anzunehmen und Gelübde abzulegen, schickten sich die Unsrigen in die Zeit, und pflanzten im Stillen unsre Kunst fort. Wichtiger ist der Umstand, dass Papst Pius der Zweite im Jahre des Heils 1459 durch einen Ritterorden unter dem Namen unserer lieben Frau von Betlehem viele Ritterorden, und unter andern die Chorherren des heiligen Grabes, unterdrückte. Da es mit der lieben Frau von Betlehem nicht gehen wollte, so suchte und fand der Papst Innocentius der Achte gelegenheit, die heilige Grabesstiftung mit den Rittern St. Johannes von Jerusalem oder den Rhodus-Rittern unter einer Decke spielen zu lassen. Vor unsern gerechten und ächten Brüdern gingen Wolken und Feuersäulen; weise wussten sie sich in den Nächten der Widerwärtigkeiten, weiser noch bei den Sonnenstrahlen des Glücks zu verhalten. Ihrer Tugend und Einsicht verdanken wir, was wir sind. Fällt der Himmel, er fällt denen zu, die ihn lieben! – Durch Leiden geht der Mensch zur Freude, durch Anstrengung zur Kenntniss, durch Unterdrückung zur Kraft, durch Tod zum Leben! – Haben wir nicht Beweise in Händen, so dreist auch von einigen Schriftstellern, aus Unwissenheit oder Bosheit, das Gegenteil behauptet wird, dass Innocentius der Achte nicht Chorherren, sondern Ritter des heiligen Grabes unterdrückte? Dieser Unterdrückung trat Papst Pius der Vierte, zu seiner Schande, durch eine Bulle von 1560 bei. – Vielleicht findet sich gelegenheit, die Rechte des heiligen Ordens gegen die Johanniter ausser Zweifel zu setzen. Dadurch würden wir zwar weder an Geist und Kenntniss, noch an Leib und Einkünften sonderlich viel gewinnen; doch muss Recht Recht bleiben in Zeit und Ewigkeit – wenn nicht aus andern Gründen, so von Rechtswegen. – Gereicht es dem unterdrückten Grabesorden zum Vorwurf, dass Papst Alexander der Sechste die Würde der Ritter des heiligen Grabes förmlich aus Licht zog? Dass er einen Ritterorden unter diesem Namen stiftete? Dass er die Würde eines Grossmeisters für sich und seine Nachfolger annahm? und dem apostolischen stuhl Macht zueignete, dergleichen Ritter zu ernennen, womit auch der Guardian des Ordens des heiligen Franciscus als apostolischer Commissarius belehnt wurde? Es ist bekannt, dass die Mönche vom Franciscanerorden die Bewachung des heiligen Grabes zur Pflicht hatten, unter denen etliche zu den höheren Geheimnissen des Ordens non propter sed propter zugelassen werden mussten. Wer die Unschuld verteidigt, ist beredt ohne Rhetorik. – Ein Tor sucht zu herrschen; ein Weiser bemüht sich, die Vernunft zur herrschaft zu bringen. Freund, nicht mit Grossmut müssen wir den Feinden begegnen; sie zu lieben ist unsre Pflicht. – Grossmut ist Wohltat, die wir uns erweisen; Liebe ist Selbstopfer, Zwang unserer Neigungen.
Mit diesen vorläufigen Umständen von der ungeschmückten geschichte des Ordens musste ich Euch bekannt machen, ehe man Euch nach altem oder neuem Gebrauch zum Ritter schlagen kann. Jetzt trat der Ritter näher, um folgende fragen zu beantworten:
Seid Ihr ein gesunder Mensch?
Ich bin es.
Habt Ihr keine geheime Krankheit?
Nein.
Seid Ihr keines Mannes Knecht?
Nein.
Und keines Weibes?
Nein, doch hoff' ich so glücklich zu sein, Sophien zu finden.
(D e r O b e r e l ä c h e l t e . )
Habt Ihr ausser Gott keinen Herrn?
Keinen als den Staat, in welchem ich lebe.
Ist Euer Fleisch nicht der Herr Eures Geistes?
Ich bin ein Mensch; doch lässt sich der Geist wahrhaftig nichts nehmen.
Wollet Ihr die gesetz des Ordens und seine Gewohnheiten ehren, und seine Geheimnisse ins Grab nehmen?
Ich will es.
Wollt Ihr, wenn Christen mit Ungläubigen in Krieg sind, die heilige Kirche wider ihre Verfolger verteidigen?
Wenn ich nicht durch höhere Pflichten abgehalten werde, und der Staat, in welchem ich lebe, kein Freund und Bundesgenosse der Ungläubigen ist.
(D e r O b e r e l ä c h e l t e w i e d e r . )
Werdet Ihr allen ungerechten Zank meiden; Euch schnöden Gewinnstes wegen nie in Zweikampf einlassen; Narrenteidungen und Scherze fliehen, die Christen nicht geziemen?
Ich werde.
Wollt Ihr, so viel an Euch ist, mit jedermann Frieden halten; keinen Zank unter Gliedern Eures Ordens sein lassen; wenn sich aber Misslaute und Streitigkeiten fänden, sie den Ordensobern zur Einlenkung und Entscheidung anheimstellen?
Ich gelobe.
Werdet Ihr Euch der Völlerei entalten, es sei im Essen oder Trinken, und Euch der Nüchternheit und Mässigkeit befleissen?
Ich will.
Wollt Ihr nicht bloss über das Mass, sondern auch über Art und Weise Eures Vergnügens wachen?
Ja.
Ost wird Rittern nicht mehr als Brod und wasser zu teil, dürftige Ordenskleidung, Mühe, Kummer und Arbeit die Fülle. Grösser ist der arme, der nicht reich zu sein begehrt, als der Reiche, der den Armen reich machen will. Erinnert Euch Eures Vorbereiters, der Euch ein Bettler dünkte. – Seid Ihr entschlossen, Elend, Not und Gefahr getrost zu übernehmen und Euch mit dem zu begnügen, was da ist?
Ich bin es.
Werdet Ihr Euer Leben verachten, wenn Ehre und Pflicht den Tod gebieten; nichts als Zweck ansehen, was bloss als Mittel gelten kann? Werdet Ihr die Schrecken des Todes für nichts mehr, nichts weniger als falsches Spiel der Phantasie halten, und die Eindrücke Eurer Jugend gegen den Tod zu schwächen und zu überwinden suchen?
So viel an mir ist.
Werdet Ihr Euer Leben