dadurch verliert?
Ich versprech' es.
Willst du das Unglück ehren und gegen das Glück gleichgültig sein?
Ich will es.
Wirst du züchtig, gerecht und gottselig leben, um einst exemplarisch sterben zu können?
Ich werde.
Glaubst du ein ewiges Leben?
Ich glaube' es. Was wäre die ganze Würde des Menschen ohne ewiges Leben?
Hast du die Hoffnung, dass abgeschiedene Seelen sich ihrer zurückgelassenen Freunde und Bekannten erinnern können?
Ich wünsch', ich hoff' es.
Wohlan! Du kennest drei in dieser Versammlung. Mit welchem von diesen Dreien willst du vor dem Angesichte Gottes ein gegenseitiges Testament machen, kraft dessen der, welcher zuerst stirbt, dem andern erscheine?
Mit – –
Schwöret!
Hier blieb einer von den Herumgehenden stehen, und schwur folgenden Eid:
Ich schwöre bei dem Allmächtigen und Allwissenden, bei dem Richter der Lebendigen und der toten, dass, wenn ich von hinnen scheide, ich, wo möglich, in den ersten drei, neun oder zehn Tagen, drei, neun, zehn ersten Wochen, drei, neun, zehn ersten Monaten, drei, neun, zehn ersten Jahren erscheinen will, es sei im Schlafen, oder im Wachen, dem –, so dass ich mich ihm kenntlich mache, durch Berührung, durch Worte oder Gedanken, es sei auf diese oder andere, mir jetzt schon bekannte, oder noch künftig bekannt werdende Weise: den Fall, wenn es mir dort nicht erlaubt wird, ausgenommen; sonst soll mich nichts retten von dem Fluch eines ewigen Gewissensvorwurfs, und der immerwährenden Angst eines Meineidigen: Diess gelobe ich, so wahr mir Gott helfe, im Leben und im Sterben, und bei dem Verluste der Freuden der andern Welt.
Der Ritter setzte diess Gelübde fort: Ich schwöre den nämlichen Eid, und mache mich hierdurch vor Gott verbindlich, dass, wenn es mir in meinem künftigen Zustande erlaubt ist, mich in dieser Welt, es sei körperlich oder geistig, zu offenbaren, ich mich dem – –, es sei im Traum oder Wachen, bekannt machen will oder werde. Ich gelobe diess bei der Würde des Menschen, und bei den Hoffnungen, die in mir sind. Amen.
In diesem Augenblick erhob sich die regierende stimme: Du bist im Noviciat der Obermeisterschaft. Wir haben dich auf Proben gesetzt; und da wir uns bei Beurteilung anderer die äusserste Gelindigkeit zur Pflicht gemacht, werden wir so leicht keine Fehler finden, wo keiner ist, und kein liebloses Urteil fällen, wo es noch Seiten gibt, die sich zum Besten kehren lassen. Jetzt, da wir von deinem guten Herzen durch sieben V o r h a n d l u n g e n überzeugt sind, wirst du, ehe du es dich versiehst, in andere Lagen zum Tun gesetzt werden. Wohl dir, wenn du Palmen trägst, wenn du bestehest, um würdig zu sein, dich durch den Tod zum Leben zu widmen, das ohne Verachtung des Todes kein Leben der Freiheit, sondern der Sklaverei ist! Heisst weise sein seine Glück seligkeit befördern, so gehöret die Ueberwindung der Schrecken des Todes und genaue Bekanntschaft mit ihm zur Weisheit. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir weise werden! Lehr' uns unsere Tage zählen, und bereit sein, Leben und Sterben für eine Schuld anzusehen, die wir der natur abtragen müssen! Es gibt nur Einen Weg, im Leben Fortschritte zu machen: Erhöhung unseres Wesens, Läuterung unseres Geistes. Nie lass uns zu Schanden werden durch Todesschrecken, durch Seufzer und Klagen, die unvernünftig sind! So sanft und still wie wir in diesem Noviciat gehen, so sanft und stilltätig lass uns in der Welt sein, und nicht die hände in den Schooss legen, wenn noch Arbeit im Weinberge ist. Alles Fremdartige, was unsere Erzieher, und was wir selbst in uns legten, lass uns entfernen, um schlecht und recht zu sein vor deinem Angesicht. Wer die Unschuld unterdrückt, sammelt sich schreckliche Furien auf die letzten Stunden des Lebens, Kraft zum Sterben aber, wer die Tränen von der Wange des Feindes trocknet, und den Hasser durch Segen und Wohltun bessert. Wir wollen unsere Seelen in Händen tragen, und in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben, Leidenschaften erziehen, vernünftig leben, geduldig leiden, um einst froh zu sterben. Krankheiten zu entfernen, in so weit sie von Menschen abhangen, ist unsere Pflicht; überfallen sie uns wider Verschulden – sind sie mehr oder weniger als Naturbemühungen, uns, so lange der Leib zusammenhält, das Leben zu erhalten, um, so lange es nur geht, der Zerstörung des Menschenlebens auszuweichen. Dein Wille geschehe im Leben und im tod. Amen. Eine herrliche, eine sanfte Musik beschloss diese Scene. Der Ritter ward wieder mit verbundenen Augen in jenes Elysium zurückgeführt, durch welches er zum Todtengewölbe und so weiter gelangt war. Diess Leben, sagte der zu ihm, der ihm die Augen verband, führen wir es anders, als mit verbundenen Augen der Seele? Wohl uns, wenn wir einst Licht sehen und genesen! Vor dem Schlusse dieser Noviciatsaufnahme drückte jeder der Wandelnden dem Novizen die Hand, und hiess ihn willkommen. Zur
§. 136.
Aufnahme
ward geschritten, nachdem der Noviz in verschiedenen Lagen zum Tun, ehe er's sich versah, gesetzt, und bewährt befunden war. Wahrlich, der Ritter bestand in der Wahrheit; und