verstossen und enterben und nach allen Kräften um körperliche Bestrasung des Grafen H– anhalten, die um so weniger ausbleiben wird, da die Landesherrschaft der Familie H– nicht gewogen ist, die Familie O– bei hof gilt und die Verbrechen des Fleisches im – Staat mit einer beispiellosen Strenge geahndet werden.
Es kommt bei dieser Sache auf die Vereinigung beider Häuser an, die der hochberühmte Rechtsfreund X– mit Zuziehung zweier Geistlichen und noch zweier Assistenten übernehmen will. Fürs erste sind die Schulden zu berichtigen, zu welcher die Flucht unser unglückliches Paar gebracht hat.
Verlangen des Ordens.
Jene Schulden sind zu bezahlen, sowie der Rechtsfreund, die beiden Geistlichen und die beiden Assistenten durch Vorschuss und Belohnungsversicherung aufzumuntern, ein Werk zu stand zu bringen, wodurch der Menschlichkeit und der Liebe ein Opfer gebracht wird. Die Gräfin und Nichtgräfin ist der Entbindung nahe und gefasster als der Graf.
Unser Ritter war zu dieser Unterstützung um so williger als ihm Sophie einfiel. Kann ich wissen, ob die Einwilligung ihres vierten Gebots nicht auch von Schwierigkeiten der Trophoniushöhle abhängen wird? Fast schien es ihm, dass er durch dieses gute Werk reiten würde.
Würde das Trauerspiel R o m e o und J u l i e bei den Familien H– und O– nicht mehr ausgerichtet haben als der Rechtsfreund, die zwei Geistlichen und andere Helfershelfer bis ins tausendste Glied? – Die
§. 133.
Dritte Verhandlung.
Ein ehrwürdiger Degenknopf, der wegen seiner Wunden ausser Stand gesetzt war, den schönen Tod fürs Vaterland zu sterben, und den man mit der Hoffnung einer Civilliste verabschiedet hatte, bat den Minister – – um Brod. Die Art seines Vortrags war so edel, dass Se. Excellenz sich während der Zeit, als der geheime Sekretarius die wichtigsten Geschäfte in Dero excellentem Namen besorgte, mit Vergnügen von diesem braven Degenknopf unterhalten liessen. Die Zeit verging, es war servirt und der Minister behielt den Degenknopf zu Mittag. Freilich auch Brod und besser als wenn man Ministerialsteine des Unwillens und der Ungezogenheit erhält, – indess nur Brod für einen Mittag. Der Gast wusste sich so empfehlend zu betragen, dass man ihn in der Gesellschaft ebenso gern hörte, als der Minister zuvor allein. Edelmut und Dürftigkeit contrastiren überhaupt herrlich. Bei bei einer Gesandtschaft von Allerhöchsten Händen erhalten hatte. Er ward gezeigt und nach geraumer Zeit, da der Minister ihn zurück erbat, war er weg. Alles kehrte von selbst die Taschen um, nur unser Degenknopf nicht. Man fiel, wie man von selbst einsteht, auf dieses einer Ministertafel unangemessene Taschenmittel, um es unserm Degenknopfe nahe zu legen. Es konnte wahrlich nicht näher sein; wer seine Taschen doch nicht umkehrte – war er. Man schwieg, um ihm wegen seiner vorher erzählten Kriegsanekdoten Erkenntlichkeit zu erzeigen, und weil man sich überredete, er würde nach aufgehobener Tafel zurückbleiben und sich eine Cabinetsaudienz beim Minister erbitten. – Man irrte. – Er war der erste, der sich mit einem Anstande entfernte, über den nichts ging. Eine schwere Rolle! So edel hat sich noch kein Feldherr zurückgezogen. Wahrlich man muss ein solcher Degenknopf sein, um hier nicht zu unterliegen! Jetzt bat man den Minister menschenfreundlichst, dieses Unglücklichen zu schonen, und welcher Minister zeigt nicht gern diese Tugend, wenn sie ihm so hoch bezahlt wird! Der Gewinn, den Se. Excellenz bei dieser gelegenheit zogen, war hundert solcher Ringe aus Allerhöchsten Händen wert. Ein paar Affen, welche ansehnliche Hofchargen bekleideten, hatten sich aus Furcht bei Tafel weit stiller gehalten als die andern Gäste, so sehr auch die Mienensprache Hofmännerchen eigen zu sein pflegt. – Der Degenknopf hatte Herz. – Das Gerede verbreitete sich in der ganzen Stadt, womit Sr. Excellenz gedient war, wenn gleich sie sich äusserlich alle Mühe gaben, die Sache zu unterdrücken. Unser Degenknopf ward geflohen wie ein Aussätziger. Nach acht Tagen übersandte der General – – dem Minister den Ring mit der Anzeige, ihn in seinem Stiefel gefunden zu haben. Er hatte die Gewohnheit, mit acht Paar Stiefeln zu wechseln, und so war es in der Regel, dass er nicht eher als jetzt den Knoten löste. Der Minister stand keinen Augenblick an, den Degenknopf um Verzeihung zu bitten, der diese Bitte um Verzeihung dem Minister äusserst übel nahm. Er hatte viele Mühe, ihn zu beruhigen. Wer kein inneres Bewusstsein der Rechtschaffenheit hat, mag eine dergleichen Vergebungsbitte verzeihen, ich nicht; und wer von mir eine Niederträchtigkeit, dergleichen ein Ringdiebstahl ist, zu vermuten im stand war, ist entweder ein Selbstdieb ober mindestens ein Hofmann. Ein jeder ehrliche Mann muss das aus sich machen, was er ist. – Was den Degenknopf abgehalten hätte, seine Taschen umzukehren? war eine allgemeine Frage. Nur einem Freunde vertraute er den Schlüssel zu diesem Taschengeheimniss. Ehe er zum Minister ging, hatte er für seinen Mittag gesorgt und sich Käse und Brod in der Speisekammer seiner tasche aufbewahrt. War es Wunder, dass er sie unaufgeschlossen liess? Der Minister bat ihn verschiedentlich nach der Zeit zu sich, er schlug es jedesmal ab. – Ohne Zweifel wirb er auch eine Stelle aus seinen Händen abschlagen. Diesem Ehrenmann eine Pension zu geben, bis er ungesucht die verdiente Versorgung unmittelbar vom Fürsten erhält, war der A n t r a g , der auf keinen Felsenacker fiel. Warum durch Bitten und Flehen dem Degenknopf sein Leben verbittern, das er leichter tragen wird, wenn es ihm nicht durch abschlägige Antworten, sie mögen gnädig oder ungnädig fallen