Ritter so fein und lieblich, dass sie selbst, wenn es Gottes Wille gewesen wäre, ihn geehelicht haben würde. Nur der Freitischdame stieg das adeliche Blut, sobald sie den Ritter sah, sympatetisch ins Gesicht, weil sie sich herabgewürdigt fühlte, ihr Brod bei Sr. edlen zu essen. Der alte Wechsler ward von diesen drei Grazien belagert, und er mochte wohl ob übel wollen, er musste durch die Finger sehen. Die Fristen, die unser Ritter wegen des Wechsels sich persönlich erbat, sahen die drei Grazien als so viele sinnreiche Erfindungen der Liebe an. Der Banquier ward durch das sehr höfliche Betragen des Wechselbarons selbst nachgiebiger, so wenig er sonst das Wort: N a c h g a b e kannte; er liess sich indess, Lebens und Sterbens wegen, noch eine besondere Schrift, und, weil er mit einem Baron zu tun hatte, auf Stempelpapier ausstellen, worin dieser ausdrücklich stipuliren musste, auch die Verzögerungszinsen mit – vom Hundert bankbarlichst zu getreuen Händen berichtigen zu wollen. Der Emsige fand, wie er sich sonst erklärte, keine Bedenklichkeit, Zehn von Hundert zu nehmen, da selbst der Gott Abrahams und Isaaks sich durch den Erzvater Jakob den Zehnten oder zehn Procent versprechen lassen (1. B. Mose 28, 22). Indess begehrte er vom Wechselbaron keinen Pfennig über die landesüblichen Zinsen. – Ob sich nun gleich nicht läugnen lässt, dass die Liebe allemal und in alle Wege (und wie man zu sagen pflegt: s t o c k -) b l i n d ist, so soll sie es doch, wenn man in ein Kreuz verliebt ist, noch mehr als gewöhnlich sein. Die eheleibliche Jungfer Tochter war sterblich oder bis zum tod in unsern Ritter verliebt, und auch er hatte aus der Not eine Tugend gemacht. So wie die Not vieles lehrt, so lehrte sie auch hier ritterliches Fleisch und Blut kreuzigen und sich bis zur ehelichen Zuneigung zu einer Bürgerlichen herablassen. Dass übrigens die Freitischdame zu dieser
§. 8.
Ueberwindung
sehr viel beigetragen, bedarf noch einer näheren Auseinandersetzung. Sie ward, da sie, der Sage nach, noch fräulein war, und die Bürden des ehelosen Standes aus der ersten Hand kannte, von der baronlustigen Mutter zur Unterhändlerin erkoren.
"Glauben Sie denn, Baron, dass mir der Freitisch an Sonn- und Festtagen nicht Ueberwindung kostet?"
Desto schlimmer! Geschieht diess am grünen Holz. – Der Schluss vom Freitisch an Sonn- und Festtagen auf alle Tage – und vom Tisch aufs Bett. Mann und Weib sind ein Leib! durch Sie – adelich –"
Freiherrlich, wollen Sie sagen. – Wahr –!
"Wahr, und –?"
Aber auch ritterlich?
"S i e bleiben Ritter nun und in Ewigkeit."
Und die ritterfähige Nachkommenschaft halten Sie für nichts? –
"Ein jeder für sich, Gott für uns alle."
Sie sind fräulein –
"Weiss aber, was Nachkommenschaft sagen will –"
Will nicht hoffen –
"Die Liebe ist blind"
Bei Argusaugen, um Geld zu sehen.
"Not bricht Eisen" –
Kleinigkeit! – Auch den Willen sollte sie brechen! Ach! auch den Willen, wenn er uns verrät und verkauft. – Was ist Eisen gegen Willen? Mit der linken Seite liebt unser einer, was und wie viel er will; gilt es aber die rechte – ha! wird da nicht der Fürst Untertan?
"Gingen nicht auch Regenten ins Kloster –?"
Wir gehen alle zu Bette, wenn wir des Tages Last und Hitze getragen haben.
Ein dergleichen langes und breites Für und Wider fiel unter dem fräulein und dem Baron vor, die bei aller Wechsel- und Freitisch-Abhängigkeit sich doch so himmelweit über das Haus Sr. Hoch-edlen emporhoben.
Noch ein Körbchen dergleichen
Brocken.
R i t t e r . Ein wahrer Fall Adams! Weg ist das göttliche Ebenbild, das einmal Heilig.
F r ä u l e i n . Die Menschen leben im stand der Sünden, immer noch artig genug –
R i t t e r . Ach fräulein! in mir fallen alle meine Descendenten bis an den jüngsten Tag!
F r ä u l e i n . Schrecklich! Doch wer kann Ihren Nachkommen bis an den jüngsten Tag das heilige römische Reich nehmen–? – Wer Ihren Kindern den Vater?
R i t t e r . Gilt er beim Ritterschlage ohne Mutter?
Was zu machen? Mit den heissesten Tränen bedauerte das fräulein diesen betrübten Sündenfall. – Der Apfel war schön und der Wechsel fällig. – Wechselschuld, sagte die Freiwerberin, ist freilich nicht Blutschuld; doch hab' ich es von vornehmen Verwandten, dass es hier wie im Himmel zugehe, wo kein Ansehen der person ist, und wie in der Hölle, wo alles in Ein gefängnis kommt und Hoch und Niedrig Eine g e s c h l o s s e n e Gesellschaft ausmacht. Der Ritter hatte sich von dem Freitischfräulein keine solche teologische Beichtandacht versehen, und in der Tat leicht nicht gespielt worden ist. Der zweimal Heilige ward am Ende durch diesen Wortwechsel vollständig überzeugt, dass, wenn gleich seine Nachkommenschaft auf das eine Heilig Verzicht täte, und der K a s t e n N o ä und die s i t z e n d e J u n g f e r (ein paar Familienhieroglyphen) gröblich befleckt würden, ein verfallener Wechsel dennoch