– Diese Ceremonie sollte in – den – wenn zur Kirche geläutet würde (vor sich gehen; und nach neun Stunden von diesem Brandopfer, worüber man vom Ritter ein förmlich abgehaltenes Protokoll erwarte) sollten Ritter und Begleiter nach – abgehen, und dort den Mann, der sie nach sieben Stunden, von ihrer Ankunft an gerechnet, besuchen würde, um die ersten Aufnahmen bitten. Uebrigens erklärten die Obern, die sehr genau wüssten, was über den Bund gedacht und gesagt würde, der natürlichen Herzenshärtigkeit der Menschen halber, zwar Gedanken für zollfrei; für jedes vorwitzige, dem Orden zu nahe tretende Wort, bliebe der Bundesgenosse dem Orden indess verhaftet in Zeit und Ewigkeit! – Die Anordnungen dieses Recepts wurden pünktlich erfüllt; indess schien die
§. 127.
Lage
unserer Aspiranten bedenklicher als sie war. – Wenn man eine geraume Zeit über eine Sache sein Herz zu öffnen das Recht hat, über die mittelst höchsten Rescripts auf einmal kein laut weiter sich hören lassen soll – ist das nicht Tyrannei? Was wollte das Ordensrescript? Kein vorwitziges Wort! Deren hatten unsere Aspiranten sich nicht zu Schulden kommen lassen. – Dergleichen Rescript, sonst nichts, hätte sie zum Vorwitz bringen können. – Ein Erbfehler aller Rescripte! Halbverbissene Worte, Exclamationen – tun sie nicht unendlich mehr Schaden, als weite und breite Toleranz, wo bei jedem P r o isten sich schon ein C o n t r a ist findet, so dass das Ding unentschieden bleibt, das bei Verbotsrescripten sich den Augenblick entscheidet. – Was heisst vorwitzig? fragte Michael. Deine Frage, Michael, ist vorwitzig, erwiderte der der Rescriptnehmer reponirt. – Wahrlich das beste, es in Frieden ruhen zu lassen. – Genau nach
§. 128.
sieben Stunden
fand sich der Herold des Ordens ein, dem Aeusseren nach so bettlerhaftig, dass der Begleiter ihn nicht zum Ritter lassen, sondern ihn mit einem Scherflein abfertigen wollte. Auch der Ritter war weit geneigter, ihm ein Almosen anzubieten, als in ihm den Herold des Bundes zu erkennen. Ich verdenke es ihnen nicht, sagte der Ankömmling, dass sie mich verkennen; doch verkennen sie mich wirklich? Bettle ich nicht um ihr Zutrauen? Der Begleiter war im Begriff, ihn um Vergebung zu bitten und er kam ihm zuvor. Warum das? sagte der Conductor, indem er den Novizen bei der Hand nahm; man verschliesst mir eine profane Tür, und ich komme eine heilige zu öffnen. Die
§. 129.
Ueberschwänglichkeit
der Zweige des Ordens aller Orden, und die Ueberschwänglichkeit der Luft und Liebe der Aspiranten, gab zu vielen und häufigen Beförderungen gelegenheit, die Ritter und Knappe erstiegen. Versteht sich, in der zweiten Ordnung, zu der sich Michael eben so herzlich als sein Herr bekannte, da Sophiens Begleiterin ihm das Gelübde einer überkeuschen Keuschheit eben so unmöglich machte. Die meisten dieser Ordenszweige der zweiten Ordnung und ihre Stufen passten so wenig auf die allgemeine und die nachherige besondere Vorbereitung, dass man gar nicht zu begreifen im stand war, wie eins zum andern käme. Auch hingen diese Zweige und ihre grab unter sich nicht im mindesten zusammen. Das muss ein Vorsehungskopf sein, sagte der Ritter, der aus so vielen disparaten Bestandteilen ein Ganzes zusammen zu bringen, Macht und Weisheit hat! War das vorwitzig? Diese
§. 130.
Unübereinstimmung
sowohl als die Schleier, welche über verschiedene dieser Zweige und Grade (einige der Grade schienen förmliche, für sich bestehende Orden) in meinen Nachrichten geworfen sind, bestimmen mich eben so sehr, als sie mich zwingen, nur etwas von dem Vielen mitzuteilen. Für den grössten teil meiner Leser gewiss zu viel; vielleicht aber für den grösseren teil meiner Leserinnen zu wenig. – Ein dergleichen Grad, der den Namen eines besonderen Ordens verdiente, war der O b e r m e i s t e r g r a d , wie ihn Brüder nannten, die zwar andere Weihen schon erhalten, zu dieser Oberweihe indess noch nicht gediehen waren. Diese Ordens-Oberstufe war unserm Ritter äusserst angemessen: kein Wunder, dass ihre Beschreibung vorzüglich weitläufig ausfiel. – Zum Glück fanden sich auch nur wenige Stellen verhangen. – Auch schickt sie sich zur gegenwärtigen geschichte so auffallend, dass man in Versuchung geraten könnte, zu behaupten, sie sei für sie gemacht.
Die zeiterigen Vorbereitungen waren nichts mehr nichts weniger als V o r r e d e n gewesen. Dieser Grad sollte mit sieben V o r h a n d l u n g e n anfanschuldig bin. Die erste
§. 131.
Vorhandlung.
Geschichtserzählung.
Sie behaupten, ich wäre weniger heiter als sonst; Sie irren nicht. Der Zufall hat mich vor einigen Tagen mit einem menschlichen Wesen bekannt gemacht, für das ich alles empfinde, was menschliche Seelen zu fühlen fähig sind. Auf meinem gewöhnlichen Spaziergang in die Gegend, die Sie kennen, und die weniger besucht wird als ihre Lage verdient, liess ich auch meine Seele frische Luft schöpfen, und sie von des Tages Last und Hitze sich erholen. Wahrlich, herrlichen Gegenden geht es nicht besser als herrlichen Menschen: man verkennt sie. Schon sah ich mein sogenanntes L u s t s c h l o ss , und war an die schöne Stelle gekommen, wo ein Bach sich schlängelt, und mit einem mit kleinem Gebüsch bewachsenen Hügel einen reizenden Busen macht, als ich durch das Gebüsch sich etwas bewegen hörte. – Ich hörte nicht bloss, ich sah ein