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, in die er gesetzt worden, Belehrungen, die ihnen mehr angemessen wären, einzuernten; und doch schien er, nach der Rede des Alten, am ihm vorgegangen war, ihm nicht natürlich erklärt werden zu köunen dünkte, da seine Einbildungskraft wie gewöhnlich den Meister über ihn spielte, und da der Alte wirklich Ideen fallen liess, die zum Nachdenken brachten, so wollte er nicht, nach Art junger Leute von Fähigkeiten, die d e n F e h l e r h a b e n , ü b e r D i n g e a b z u s p r e c h e n , über den Ordensbund a b d e n k e n , dem sich zu widmen er jetzt fester als je sich entschloss. Kaum hatte er sich von allen fremdartigen Gedanken gesammelt, so war er nach dem Dank, den er dem Alten erstattete, dreist genug ihn zu fragen: ob ihm zu fragen erlaubt sei? D r e i fragen, erwiderte ihm der Alte, sind dir am Ende dieser Vorbereitung gestattet. Bei der zum ersten Grade wärest du zu n e u n berechtigt gewesen. Auch dient dir zur Nachricht, dass diese drei dir bewilligten fragen nicht den Geist, sondern den Körper, nicht das Wesen, sondern die Form des Ordens betreffen dürfen. Auch musst du diese fragen aus dem Herzen und ohne Vorbereitung tun und höchstens sind zu jeder dieser fragen dir drei Minuten Bedenkzeit erlaubt. Unser Ritter war mit seinen

§. 119.

drei fragen

in drei Minuten zu stand. Ob es schnöde Linsengerichte sind, wodurch er seine Erstgeburt verkaufte, ist die Frage, die ich meiner Leserwelt überhaupt, insbesondere aber den Leserinnen anheim gebe. Die

§. 120.

erste Frage:

Ist der Orden mit andern zu einem einzigen Grundzweck verbunden? Mit allen Orden, erwiderte der Greis, ohne eine einzige Minute Bedenkzeit, mit allen O r d e n , die man g e h e i m nennt, ist er soweit in Verbindung, dass er sie alle kennt bis auf die Ritualien zu, in Hinsicht des Aeussern diese Orden besitzt, und das Materiale derselben in seinen Zweck einzulenken sucht, wenn gleich so mancher dem Grundprincip unserer Verbindung geradenwegs entgegen ist. So lenkt die Vorsehung, mein Sohn, fügte der Alte mit Händefalten und einer andächtigen Miene hinzu, alles Böse zum Guten und alle Versuchungen zu einem Ende, dass der Versuchte sie ertragen kann und das Ganze Sokratiker, Platoniker, Pytagoräer und noch andere) zerbrechen sich den Kopf über ein Grundprincip in ihren Wissenschaften, wodurch sie alle Aufgaben derselben haben: es sind Deisten in besonderm Sinne; wir sind für eine Dreieinigkeit des Zwecks, die sich zuletzt doch in eine Einheit auflöst. Auf die

§. 121.

zweite Frage:

ob und wie weit die Obern des Ordens den Schülern seiner Geheimnisse bekannt oder unbekannt wären? erwiderte der Alte: bekannt und unbekannt. Der erste bekannte Ordensobere wer ist es? Der da ist, der da war und der da sein wird; den wir, wie das jüdische Volk, nicht nennen; der, sobald Er genannt wird, einen teil seiner Erhabenheit und seines unerforschlichen Wesens zu verlieren scheint. Nur in der Geisterwelt kann Er bezeichnet werden. Namen sind Körper der profanen Welt halber, ihretwegen sprechen wir von Gottes Wesen und Eigenschaften. – Ausser dieser Talpredigt wartet deiner eine Bergpredigt, und er, der da ist und der da war und der da sein wird, Er, der in dir angefangen hat das gute Werk, wolle es durch seinen heiligen Geist in dir bestätigen und vollführen bis in Ewigkeit! Halleluja! Die göttlichen EiGottesgelehrten, die Gott vielleicht am wenigsten kennen mögen, alle Geheimnisse aufschliessen. – Gott ist gerecht, also muss erGott ist weise, also muss erGott ist gütig, also muss erUnd was muss er? Nicht was Er will, sondern was diese Art von Gottesgelehrten will. – Mit ihren Küstern werden die Herren so leicht nicht fertig, wie mit dem göttlichen Wesen. In ihren Gebeten entblöden sie sich nicht, ihm Instruktionen, Fingerzeige, Ratschläge und dergleichen zu erteilen. – O, der Toren und trägen Herzen, die vergessen können, dass Gottes Wege nicht unsere Wege und seine Gedanken nicht unsere Gedanken sind!

Auch gibt es Obere, die von Körpern entkleidet gern die begleiten, welche ererben sollen die Seligkeit, und deren sind neun. Es sind Menschen Gottes und wenn du willst Gottmenschen, durch die das Werk des Herrn sichtbarlich auf Erden getrieben wird. Die Frage liegt dem Wesen des Ordens zu nahe, als dass ich mehr sagen könnte, ohne verraten zu werden. Ich schweige und bete an, das heisst, ich bin nicht im stand, was ich empfinde und denke, durch Worte zu entwürdigen. Die

§. 122.

dritte Frage

betraf die Zahl der Stufen des Ordens. Der Greis beantwortete sie in der Art der Orakel, die mehr nehmen als geben. Es sind deren viele und wenige, sagte er; es hat sogar unter uns Ordensmänner gegeben, die in unsern Verbindungen nur die Bestätigung selbsteigener Kenntnisse suchten und sie fanden, zu denen indess weder du noch dein Begleiter gehört. Jetzt Amen, mein Sohn.

Dem Ritter wurden die Augen verbunden, und er in die Kreuz und Quer geleitet. Diese gemachten Wege kamen ihm wenigstens so lang als eine Meile vor. – Jetzt nahm man ihm die Binde ab,