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lange, bis du ausgeschlafen hast; – das heisst bei mässigen Menschen: so lange, bis du aufwachst. – Das besonderste war, dass in dem Augenblicke, da ihn der Schlaf verliess, und nicht früher und nicht später, der Greis wieder bei ihm stand, und diese Körpersache oder Leibesübung mit Gebet beschloss. Der Ausdruck: Morgensegen, war hier confiscirt. Noch, fing er an, ist uns eine Aehrenlese bei dieser Vorbereitung übrig, die ich nicht eher anfangen werde, als bis du dich gesammelt, und alles bei und in dir selbst wiederholt haben wirst, was du hier erfahren hast.

Nach geraumer Zeit (der Ritter wusste nichts von Tagen und Stunden) erschien der Greis wieder und fing an wie folgt: Man sagt im gemeinen Leben, dass an jedem Gerüchte, es sei so gut oder so arg als es wolle, etwas wahr sei, und man sagt die Wahrheit. Auch du wirst in manchem, was du in unserm Orden lernst, etwas bekanntes finden, doch so entstellt, wie das göttliche Ebenbild in uns. Im Wunderdoctor, im Schlangenfresser, im Gespenstercitirer, in Faust's Höllenzwang; in der Clavicula Salomonis, in der Teosophia pneumatica oder der sogenannten Heiligengeistkunst, in der Skiamantie (Schattenwahrfagung, wo man die Schatten der Verstorbenen beschwört, zu erscheinen und künftige Dinge zu prophezeien), bei Hexereien, Irrwischen, wilden oder fliegenden Heeren oder Jägern, in der Nekromantie (Leichenbeschauung), Pyromantie (Wahrsagung aus dem Feuer, woraus die Kunst, das Feuer zu besprechen, abzuleiten, Aeromantie (Wetterkunde), Hydromantie, aus dem wasser, Geomantie, aus der Erde, Chiromantie, aus der Hand wahrsagen zu können, sind mehr oder weniger Spuren von Wahrheit. Hast du nie von Priesterinnen des Altertums gehört, die in heilige Haine gingen und auf das Gesäusel des prophetischen Baums Acht gaben, welche die Blättersprache, das lachen und Wimmern der sich bewegenden Aeste verstanden, und hier jede Veränderung des Tons bemerkten, um des Orakels bedürftige Menschen zu lehren, zu warnen und aufzumuntern? Ueberall Licht, nur nicht das volle! Ueberall Wahrheit, nur mit Hieroglyphen bekleidet! – Wer die Sprache der natur versteht, spricht mit Gott, und diese S p r a c h l e h r e – doch die Hand von der Tafel! Den alten Mytologien liegt ein Schatz guter Kenntnisse zum grund; und wenn Profane und Schulmänner sich begnügen, den Tapis derselben auswendig zu lernen, so verfehlen sie den tiefen Geist der Deutung fast unglücklicher als eine blinde Henne, die doch zuweilen ein Korn findet. In wieviel Dingen wird die heilige Zahl drei entehrt, obgleich Dreifuss, Dreieck bis auf Dreieinigkeit Dinge sind, die mehr Aufschlüsse geben, als ich dir zu entdecken vermag. Die beliebte Figur Dreieck ist von allen Figuren bis zu E c k e n ins Unendliche die erste Figur, die etwas einschliesst. Ohne drei gerade Linien wenigstens wird kein Raum eingeschlossen. – Die meisten Erzählungen von Wechselbälgen, die du mit Recht unter die Aprilmährchen gezählt hast, entalten Stoff der Wahrheit, und die Welt wäre nicht mehr, wenn nicht auf unbekannte Weise Kinder in der Geburt vertauscht würden, um die Absichten der Vorsehung, die so wie wir im Stillen wirkt, auszurichten. Die Kunst, in sieben Tagen alle Krankheiten zu heilen, das Leben zu verlängern, die Wesen, welche in den Elementen sich befinden, zu personificiren, wahre Gotteserkenntniss, Mitwaltung und Regierung bis an ein Ziel, das sich Gott vorbehalten hat, die Kunst sich zu verjüngen und wieder zu gebären: alles sind Dinge, über welche du in der profanen Welt, so wie über Dr. Faust's Mantel und den Landtag auf dem Brocken in der Walpurgisnacht reden und lachen gehört haben wirst, und doch liegt in diesem nonsensikalischen Geschwätz, in diesem Galimatias Wahrheitsanlage, wozu den meisten Menschen die Erklärungen fehlen. Goldmachen, Universalmedicin, Zubereitung des Tranks der Unsterblichkeit: – o mein Sohn! mein Sohn! – Doch ich präambulire, ohne dass du das Textlied hören kannst. – Lass mich abbrechen, um dich eigenen Betrachtungen zu überlassen. – Wenn diess Aehren sind, dachte der Ritter, was soll man von der Ernte denken? Der Magus dachte noch an Michaeln und versprach, dass wenn gleich die Anzahl ihrer Ordensmitglieder sehr eingeschränkt wäre, derselbe doch higkeiten haben den Fehler, über D i n g e a b z u s p r e c h e n , die oft das Nachdenken eines ganzen Lebens verdienen; allein sie sind es, die den ehrwürdigen N a m e n : Genie und Geist verdächtig machen und Schade um i h n ! In allem ist Geist. Den Geist einer Sache kennen, heisst ihre Bestimmung umfassen. Nicht immer ist die Behauptung wahr, doch zuweilen. Je ungeheurer der Block, desto besser der Merkur; je wildfremder das Bild, desto ergötzender dem Kenner; je kühner die idee, desto umfassender für den Nachdenker. Die welche lehren: der Schlüssel zu den alten Mysterien sei, die Menschen zu vergöttlichen und nicht das Volk, sondern den edlern teil desselben mit dieser idee bekannt zu machen, – waren nicht auf unrechtem Wege. Die Veredlung der Menschen, wenn nicht aller, so doch der Heroen, der zu Halbgöttern Erkornenist ein hohes Ziel! – Der Ritter war

§. 118.

verlegen,

was er antworten sollte. Er hatte geglaubt, nach so besonderen Situationen