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zu der man dich vorbereitet. Wir haben zu deiner sittlichen Erziehung und deiner Einsicht das Zutrauen, du werdest dich von selbst bescheiden, nicht weiter, nach deinen von diesem ehrwürdigen Greise entlarvten Gesinnungen, den Orden auf die probe setzen zu wollen, der d i c h zu probiren das Recht hat. Du wolltest uns den Krieg in unser eigenes Land spielen, und daran tatest du sehr unrecht.

Wenn ihr nicht bloss strenge, sondern väterliche Richter sein wollt, antwortete der Ritter, werdet ihr scheel sehen, dass ich so verfahren, wie es unter Menschen Gebrauch ist? Wer uns examinirt, den examiniren auch wir; wer uns erforscht, wird wieder von uns erforscht; und wer fragt, wird gemeinhin, auch ohne dass der Antworter es listig darauf anlegt, zu Antworten gebracht. Auch seid ihr Männer bei Jahren, und habt, wie ich vermute, Schutz- und Hülfsgeister um euch, welche eurer Schwachheit bei aller eurer Seelenstärke, die sich die Jugend nie zueignen kann, aushelfen, und euch da vertreten, wo euer eigenes Vermögen euch aufgibt. Mir ist sogar Ariel genommen, der mich, wie ich glaube, nur bloss beobachtete, ohne mir nach- und fortzuhelfen, ob ich ihm gleich seine Liebe und Güte nie genug verdanken kann. – –

Man eröffnete das zeugnis des Geistes nicht näher, welches er dem Ritter gegeben; indess fragte der Erste des Gerichts: Geist Ariel, du bestätigst dein zeugnis? Ein sanfter Hauch säuselte: Ja!

Dank dir, fing der Ritter an, Dank dir, guter Geist, und immerwährendes Andenken! Nicht also, sprach der Erste der Richter; warum Schmeichelei, die verflucht ist, wenn sie als ein wahrhaft unreines Tier der Gotteit selbst dargebracht wird? Ein Fluch, den der sich selbst anheimgestellte Mensch auf die Gotteit beim Schicksal ausstösst, das ihm, wie er sich überzeugt, unverdient mit der Tür ins Haus fällt, ein Fluch, sag' ich dir, ist der Gotteit angenehmer, wenn er aus ungeheucheltem Herzen ihn ausstösst, als ein Lexikon von ausgesuchten Worten. – Selbst ein Lexikon ausgesuchter Taten sind ihr ein Greuel, wenn sie nicht rein sind! Sieh, mein Sohn, man kann rein vor Menschen in seiner Tugend sein; allein man ist es noch nicht vor Gott. – Selbst wer das Gute Gottes wegen tut, ist ihm ein Greuel. – Wer nicht Gutes des Guten wegen tut, ist kein verklärter und vervollkommneter Mensch. – Hat die Furcht nicht Opfer erzeugt, um Gott zu versöhnen? Welch ein Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte, die dem Betruge Tür und Tor öffnete, indem die Priester gewiss mit den besten Stücken sich mästeten! Und was kann der Mensch Gott geben, der alles hat? Welch ein Hocuspocus! Wenn aber Opfer eine Erhebung zu Gott versinnbilden, wenn ihr hoher Sinn in der Aufopferung seiner selbst liegt, wenn der Mensch hierdurch zum Entschlusse gebracht wird, sich selbst zu bekämpfen, und sich das Liebste zu entziehen: was meinst du, Sohn! würdest du Bedenken tragen, noch jetzt zu opfern? Wenn unsere Volksreligion, fern von knechtischer Furcht und Verehrung, bloss einen kindlichen Sinn, Zuneigung und Liebe erforderte, ich opferte heute. Gottlob! nur noch eine einzige Furcht ist geblieben: – jene kindliche, dem himmlischen Vater zu missfallen. Verstehst du, was du hörest? – Ich verstehe, erwiderte der Ritter, der den Contrast dieser höchsten Moral mit den Ränken seiner Ankläger so wenig ins Reine bringen konnte, dass ihm, er wusste selbst nicht wie, war.

Man hiess ihn abtreten. Es ward dreimal geklingelt, und nun erklärte man ihn in der zweiten Ordnung würdig. Seine Ankläger wurden zu einer dreitägigen Ordensstrafe verurteilt; und als diese nach der ihnen eröffneten Sentenz aufs neue denuncirten, der Ritter habe Gewehr bei sich, so erwiderte der Erste der Richter: Wir wissen! und nun eine ernstliche Frage an den Ritter: Warum?

Meine Ankläger, erwiderte der Ritter, beweisen die notwendigkeit dieses Hülfsmittels, dessen ich mich nie, als nur dann bedienen werde, wenn man der Menschenwürde und dem Menschenrecht in mir zu nahe treten will. – Die Ankläger wurden zur Vollziehung der wider sie erkannten Strafe abgeführt; dem Ritter, welcher zurückbleiben musste, ward es zur Pflicht gemacht, alles Gewehr abzulegen. Ich habe gesehen, erwiderte er, dass hier Richter sitzen, welche Gaukeleien der Sophisten verachten, und der menschlichen Unschuld (eine höhere kenne ich nicht) Gerechtigkeit erweisen. – Es sei! – Die hohen Begriffe von Tugend, welche der erleuchtete Präsident dieses Gerichts mir mitgeteilt hat, leisten mir Bürgschaft für alles. Beelzebub, der Präsident der Teufel, würde hier sicher sein! – Jetzt legte er die drei Mordgewehre hin, die er bei sich trug, und plötzlich sah er sich wieder in das schwarze Zimmer gezaubert, in welchem er sich zuvor befunden hatte. Der Alte erschien, und verlangte zu wissen, was der Ritter erwartete. Dieser erklärte sich mit einer Freimütigkeit, die selbst den grössten Frevler hätte entwaffnen müssen; und der Alte schien wirklich ein gutes geschöpf zu sehen, das seinen Mann kannte, und nichts wider ihn hatte. Du hast viel verloren, fing er an, weil du mit Rückhalten zu uns kamst. Wie glücklich wärest du, wenn du dich von diesen entledigt hättest! – Vater, erwiderte der Ritter, miss mich nicht nach dir. Deine Jahre haben dich die