, Credit zu suchen, den er auch, wohl zu verstehen, auf seiner Rückreise, bis auf 900 Rtlr. bei einem Juden gegen ansehnliche Zinsen fand. Ihm schien dieser Umstand ein Beweis, dass die Zeit kommen würde, in welcher das Kreuz diesem Voll nicht mehr ein Aergerniss sein, sondern es auch bekehrt werden und leben würde, so wie er dagegen von der Härte der christlichen Banquiers auf die je länger je mehr erkaltende christliche Liebe keinen ungründlichen Schluss zog, indem er sich hinreichend überzeugte, dass bei so wenig christlichem Lebenswandel es wohlverdienter Lohn wäre, wenn der Leuchter von her heiligen Stätte genommen würde. So beschwerlich ihm nun auch hiess Geld-Negoce geworden war, so kam ihm doch das Kreuz als kein unbedeutender Cavent vor, der ihm wenigstens bei Juden Dienste leisten könnte. Es gab Rechtsconsulenten, die immer einen Zeugen bei der Hand hielten, und ohne diesen Helfershelfer keinen Schritt taten – warum sollte ein Kreuz nicht als Bürge dienen? Diese Caution indess fing in Berlin an, und hörte in Berlin auf, da in seinem vaterland weder Christ noch Jude weiter einen Taler auf sein Kreuz borgen wollte. In gerechtem Grimm sah er alle Leute, die ihn mit einer abschlägigen Antwort kränkten, für Ungläubige und Türken an, die er gern mit Stumpf und Stiel ausgerottet haben würde, um sich das gelobte Land ihres Vermögens zuzueignen, wenn er nicht die Justiz, der man den Beinamen h e i l i g (wiewohl spottweise) beilegt, gefürchtet hätte. Seine Untertanen nannten den neuen Ritter: K r e u z i g e i h n , k r e u z i g e ihn! Und es muss ein förmlich komischer Anblick gewesen sein, als ein altes Mütterchen sich zuvor ein Kreuz, wie beim: d a s W a l t e , schlug, eh' es sich herausnahm, dem Hochwürdigen Herrn den untertänigen Glückwunsch abzustatten. – Wahrlich, das Scherflein dieses alten Mütterchens galt mehr als alle Produkte der Redekunst, welche Sokrates und viele andere Weisen der alten und neuen Zeit gar richtig die Kunst zu betrügen nannten. Gern hätte unser Ritter dieser Kreuzschlägerin ein Trink- oder Stekknabelgeld gereicht, wenn er es gehabt hätte. Einer seiner witzigen Nachbarn, den er vergebens um Geld angesprochen hatte, war so dreist gewesen, ihn den Schächer am Kreuz zu nennen; ein andere hatte sich des satyrischen Ausdrucks bedient: er wäre geschlagen, ja wohl recht geschlagen; und man sagt, dass diese Spottreden ihn bis zur Verzweiflung gebracht haben würden, falls er nicht in seinem Kreuz auch seinen Trost gefunden hätte. Recht ritterlich rang er, in seiner Burg eine Sonne von allerlei Anspielungen auf den Ritterschlag anzubringen; allein es fehlte ihm, wie man sagt, am Besten, am unwürdigen, am leidigen Gelde. Zu diesem Kreuz anderer Manier kam, wie doch überhaupt kein Leiden allein bleibt, sondern Gesellschaft sucht und findet, noch eine ganze Menge anderer Trübsale. Seine Güter sollten wirklich veröffentlicht werden. Einer seiner Nachbarn hatte ihn höchst unbefugt wegen seiner Grenzen in Anspruch genommen, und er würde, bloss weil er keine Kosten zum Rechtsstreit anwenden konnte, die Sache, mit ihr aber ein Hauptstück seines Gutes, eingebüsst haben. So ängstigten ihn auch einige Handwerker, und unter diesen besonders ein Schneider, der ihm ein Ordenskleid gefertigt und alle Auslagen gemacht hatte; und, was mehr als alles war, so kam der berlinische
§. 6.
Wechsel
in die hände eines christlichen Banquiers in –, der über die Vorrechte des Wechselrechtes die Würde unseres Freiherrn so tief vergass, dass er ihn zum Spass den W e c h s e l b a r o n hiess, indess in seinem Mahnbriefe ihm alle Gerechtigkeit erwiesen zu haben glaubte, indem er ihn Ew. E d l e n nannte. "über den Dummkopf!" sagte der Ritter; "E d e l ! der Teufel ist edel!" Er war fast ärgerlicher, dass der Banquier das H o c h w ü r d i g ausgelassen, als dass er ihn mit den Folgen des holländischgroben Wechselrechtes bedroht hatte, welche nichts geringeres als der persönliche Arrest sind. Nach einigen Tagen legten sich diese hochwürdigen Wellen, und unser besänftigter Ritter
§. 7.
Antwort
Sr. edlen selbst zu überbringen, um die unedlen Folgen des Wechselrechtes von sich abzulehnen. Wahrlich, dieser gang war so glücklich, wie jener der neugierigen Baronin an das Schlüsselloch unglücklich ausfiel. Unser Ritter war so wenig ein Schächer seinem Körper nach, dass der naseweise adelige Nachbar mit diesem Ausdruck bloss auf seine Glücksumstände, und, wie mich dünkt, sehr uneigentlich, angespielt hatte; und da er sein Kreuz sehr wohl zu legen wusste, dem unbezahlten Kleide es auch nicht anzusehen war, dass der Schneider noch ein Laus Deo in Händen hatte, es vielmehr ihm links und rechts nicht übel stand: so ging es mit ganz natürlichen Dingen zu, wenn unser Wechselbaron sogleich in den Saal genötigt wurde, wo er, in Abwesenheit des Wechslers, dessen Frau und eheleibliche Jungfer Tochter, auch noch obendrein ein altes Frauenzimmer von Adel, die alle Sonn- und Festtage bei unserm Banquier einen Freitisch hatte, antraf. Dem zweimal heiligen Ritter blitzte die eheleibliche Jungfer Tochter, so sehr ins Auge, wie dieser das ritterliche Kreuz die Augen blendete oder brach. Kurz, sie verliebte sich schon in zu einem vollen und herzgefährlichen Brande zu verstärken. Mama fand, den