, hatte der Unglückliche noch einen einzigen Freund, der in Glück und Unglück ihm treu geblieben war; einen Freund, auf den seine Gattin, selbst in den Tagen ihres schwermütigen Argwohns, nicht einen Argwohn hatte; einen Freund, der, wie er sicher annehmen konnte, auf seinem grab seinen Tod finden würde: seinen Hund; – und dieser wird wütend. Ohne hülfe? Allerdings. Er selbst muss das Todesurteil über seinen Freund aussprechen. Ein Flintenschuss! – Es verstand sich in mehr als Einer Rücksicht von selbst, dass der Jäger ihm diesen Liebesdienst in freiem feld erweisen würde; und, siehe da, unser Unglücklicher musste diesen Schuss hören, den er gewiss mehr als sein Freund fühlte. – O! was ist da das Kreuz des Polykrates, welches das Elternpaar unseres Unglücklichen so erschreckte! Und der grausame Tod! – Will er denn durchaus nicht anders als ungebeten kommen? Unser Unglücklicher lebte und musste leben, der Nachricht halber, dass der Bruder seiner Frau, den er tot geglaubt, in der grössten Dürftigkeit in einem Gefängnisse schmachte, wohin ihn bestochene Richter hineingeurteilt hatten B.R.W. Und eben, da der Unglückliche in der grossen Not war, sich noch einige Stunden Leben zu wünschen, eben da die Gerichtsdeputirten des Ortes sich schon versammelt hatten, ein Codicill diesem Gefangenen zum Besten zu verzeichnen, verlassen ihn Gedächtniss und alle Sinne, und so liegt er sieben und siebzig Tage, bis endlich der Tod allem seinem Elend ein Ende macht! Was fehlte zum möglich höchsten Gipfel des Unglücks? Dass er Gott läugne und die Hoffnung der künftigen Welt. – In der Tat, unser Unglücklicher starb zwei Jahre zu spät, und bewies auf eine schreckliche Weise, was ausser dem schwarzen Magus viele Weise des Altertums und neuerer Zeit behaupten: Das Glück des menschlichen Lebens lässt sich nur in der Sterbestunde berechnen.
Doch es ist Zeit, die Familie m i t an ihren Ort zu stellen, und zur Familie o h n e und zu unserm Helden heim zu fliegen.
§. 5.
Sein Vater
war der Hochwürdige und Hochwohlgeborne Caspar Sebastian des heiligen römischen Reiches Freiherr von Rosental und des heiligen Johanniter-Ordens Ritter, so dass mitin zweimal h e i l i g in seinem Titel vorkam. "Geheiligt werde sein Name," pflegte er in den Tagen des Glücks zu sagen und vor sich selbst ein Knie zu beugen. Zur Scheinheiligkeit hatte er nicht die mindeste Anlage, wozu sein eben nicht splendider Kopf ihm auch keine Dienste geleistet haben würde, indess war es eine besondere Heiligung, der er, nach dem Ausdruck seines Geistlichen, nachjagte, wovon unten eine genaue Beschreibung vorkommen wird. Es war im ganzen Leben unsres zweials der Ritterschlag, und eben darum hatte dieser Vorgang einen ausserordentlichen Eindruck auf Seine Heiligkeit gemacht. Seine Feinde nannten diesen Eindruck: b l a u e F l e c k e n . Unser Freiherr war so wenig in guten Glücksumständen, dass man vielmehr, ohne eine Unwahrheit zu begehen, das gerade Gegenteil von ihm behaupten konnte; doch waren die Fingerlein an dieser seiner Lage völlig unschuldig. Sein Vater hatte durch lateinische, das ist, einfältige Wirtschaft, viel eingebüsst; und da sein Herr Sohn auf der Akademie seine Stiefeln, gewichst und von der alten Weise seiner Ahnherren und Ahnfrauen schnöde abgewichen war, so kostete beiden das Latein sehr viel. – Wenn es meine Art wäre, abzuschweifen, so würde' ich hier fragen: warum man einen schlechten Wirt, so wie einen schlechten Reiter, einen l a t e i n i s c h e n nenne? Warum nicht, wenn doch eine alte Sprache hier ins Spiel kommen soll, einen griechischen? und antworten: weil die Herren Geistlichen, welche (besonders die von einer gewissen Kirche) es nicht über das Latein gebracht haben, sowohl schlechte Reiter, als schlechte Wirte sind; allein ich gehe weit lieber dergleichen Nebendingen aus dem Wege, um nur desto kürzer und einfältiger zu sein. – Eins der freiherrlichen Güter, und bei weitem das vorzüglichste, stand in Subhastation, und niemand wollte weiter auf dieses so sehr verschuldete und vernachlässigte Gut zwei Dritteile der darauf haftenden Schuldenlast bieten, oder, wie man es nannte, aus Bein binden. Kurz, es ging mit des heiligen römischen Reiches Freiherrn völlig auf die Neige, als er zum Ritterschlage aufgefordert ward. Einige silberne Gefässe, die von urururalten zeiten von einem von Rosental auf den andern gekommen waren, mussten, so wie jene silbernen Apostel, in alle Welt gehen. Da dieses unter der Hand geschah, und die silbernen Gefässe der alten Form halber in der modischen Welt zu weiter nichts als zum Einschmelzen gebraucht werden konnten, so trug ein jeder dieser beiden Umstände noch obendrein zum wohlfeileren Preise das seine bei. Die Pächter mussten zum voraus ihre Arrende berichtigen, und den Kirchen und Hospitälern lieh der Freiherr auf Handschriften die Vorräte ab. – Mit diesem Gelde, aus wenigstens fünfzehn Kassen, trat er seine Reise zum Ritterschlag, nicht nach dem gelobten land, sondern nach S o n n e n b u r g an. S o n n e und B u r g waren ihm schon einzeln ein Paar ehrenvolle Wörter; als doppelte Schnur rissen sie nicht. Der Kandidat zur heiligen Ritterschaft hatte, aller seiner Rechnungssorgfalt ungeachtet, doch seine Rechnung ohne Wirt gemacht, und sah sich notgedrungen, in Berlin auf einer hohen Schule, wie er es nannte