wenn ich ihn nicht benutze, und eben, weil ich nichts dazu beitrug, bin ich verpflichtet, ihn als höheren Fingerzeig anzusehen. – Wo lebt der Mensch, der ohne Täuschungen wäre? Sind sie zu verachten, wenn sie Folgen eines angestrengten Nachsinnens, einer Gott ergebenen Seele, eines reinen Wandels sind? – Hypotesen sind Wesen, die vaterund mutterlos sind, die indess Vernunft und Erfahrung zu natürlichen Vormündern haben. Der Frager seufzte, schwang sich auf sein Pferd, und einer verlor sich nach dem andern von diesen drei Männern. Ein musterhaftes
§. 110.
Duell
sagte Michael. Getroffen! erwiderte der Ritter; noch nie hab' ich Pistolen der Art so treffende gesunden. – Die noch das besondere haben, fügte Michael dazu, dass sie, so sehr sie treffen, nicht verwunden. – Verwunden und tödten! erwiderte der Ritter hitzig. Ew. Gnaden werden verzeihen, dass ich diese Hieroglyphen nicht verstehe, sagte der Knappe. – Recht gerne, beschloss der Ritter. Jetzt kamen sie in die
§. 111.
Stadt,
deren Namen bis dahin dem Ritter ein grosses geheimnis gewesen war. Da er keine Anweisung zum Quartier in seiner geheimen Instruktion hatte, war ihm nichts übrig, als sich am Tor nach einem guten Gastund da er seinen Knappen bei der Auswahl um so mehr zu Rate zog, als er ihn im Punkt des Punkts dieses Zutrauens nicht würdigen konnte, so einigten sich beide, wiewohl nachdem sie zwischen G a n s und S c h w a n , den d r e i M o h r e n und den d r e i S t e r n e n , dem R o ss und K r a n i c h lange geschwankt hatten. Zum L ö w e n ! sagte der Ritter. – Zum L ö w e n ! erwiderte der Knappe. Und – wer sollte es denken? – eben im Löwen fand der Ritter den O r d e n s v e r t r a u t e n , der seiner wartete und mit ihm sogleich zur Sache schritt. Desto besser, dachte der Ritter. An Vorbereitungen hatte es (die drei Männer mit eingerechnet) nicht gefehlt. Schon war durch dieses ganz besondere Ereigniss, von welchem der Ritter zu glauben anfing, dass es wohl schwerlich ohne die Beiordnung des Schutzgeistes zu bewirken gewesen, seine Seele für diesen Ordensvertrauten gestimmt. Er glaubte wegen der ritterlich überwundenen Schwierigkeiten reichlicher entschädigt zu werden. Die liebliche Weise, welche der Ordensvertraute einschlug, gewann unsern Helden noch mehr, und es war ihm Seelenwonne, nach so geraumer Zeit sich wieder einem Johannes, wiewohl anderer Art, aufschliessen zu können.
Komm herein, du Gesegneter des Herrn! was stehst du draussen? war ungefähr das Resultat seiner Erwartungen. Wohl mir, antwortete der Ritter schon voraus, ich habe gefunden, dess ich so lange harrte.
Auf die feierliche Frage, die der Ordensvertraute von Amtswegen, wie er sich ausdrückte, tat, was er von Ordensverbingungen überhaupt und vom Sonnenorden insbesondere dächte? legte unser Held eine so treue Osterbeichte ab, dass nichts in dem geheimsten Winkel seines Herzens zurückblieb. Nur der, welcher nach langer Entaltsamkeit endlich wieder seinen Johannes findet, an dessen Busen er laut denken und dem er sogar Empfindungen, die sich noch nicht zu Gedanken ausbildeten, anvertrauen kann, ist im stand, sich vom Glücke des Ritters eine Vorstellung zu machen. – Der Beichtvater verschlang jedes Wort, zeichnete hie und da etwas von diesen Bekenntnissen mit Bleifeder auf, sprang beim Amen plötzlich auf und verliess ohne Absolution spornstreichs den Gastof. Ein
§. 112.
Zettel
ward dem Ritter behändigt, dessen Inhalt ungefähr folgender war: Sie sind im Orden verloren. Kehren Sie so schnell heim, als ich diesen Gastof verlasse, wenn Sie von meiner Bemühung, Ihr Freund zu werden, ächten Vorteil ziehen wollen. Ich bin so wenig Verfolger hat; ich bin Ordens-Saulus, ohne je Paulus werden zu wollen, noch zu können. Rache ist süss! Ich habe Sie aus Liebe zu Ihnen und aus Hass gegen die Verbindung, in die Sie treten wollen, h i n t e r g a n g e n . Kann diess hintergehen heissen? Dem Orden den Plan zu verderben, zu dem man es mit Ihnen anlegte, eile ich, von Ihrer beichte Gebrauch zu machen und sie insgeheim und öffentlich mitzuteilen. – Zu I h r e m G l ü c k ward ich dieser Verräter. – Man liebt Verräterei und hasst Verräter. Hassen Sie mich, wenn Sie's können. Ich rette Sie, das ist I h r Glück; ich räche mich an dem Orden, das ist das meinige.
Bestürzt und wie vom Blitz getroffen rief der Ritter den Knappen. Lass uns, sagte er, diess Haus verlassen. Vortrefflich, erwiderte Michael. Hier wohnt Verräterei, fuhr der Ritter fort. Und Hungersnot, beschloss Michael, der noch nichts zu essen, noch zu trinken habhaft werden können. Man beschloss einmütig, wiewohl nach einer langen Disknssion, in den S p e r b e r einzuziehen. Der Gastof z u r K r o n e , welchem man den Spitznamen d e r A f f e beigelegt hatte, stritt lange mit dem S p e r b e r , und war an jener langen Diskussion Schuld; – zwar nicht wegen des eigentlichen, sondern wegen