die fest und unwiderruflich bleibt im Leben und im tod; – doch denken Sie Sophiens und erlauben Sie mir, an Sophiens Begleiterin zu denken, die ich bis jetzt schon, wiewohl ohne Ew. Gnaden erlaubnis, nach Ihnen am meisten geliebt habe.
Meine Einwilligung, Sophiens Begleiterin zu lieben, erwiderte der Ritter, erteile ich dir so vollgültig, als gerne; doch vergiss nicht, dass sie auch von der Begleiterin selbst und von Sophien abhängt. – Ausser sich vor Entzücken über diese Einwilligung, tat Michael nicht viel anders, als ob er mit einer verlobten Braut zur Trau gehen sollte. Gern war sein Herr Gast auf Michaels Myrtenfeste; indess vergass sich dieser so sehr im Taumel des Vergnügens, dass er fast mit Unbescheidenheit in den Ritter drang, seine Laufbabn aufzugeben und nach Rosental heimzukehren. M i c h a e l ! mehr erwiderte der Ritter nicht auf diese Sirenenworte, und der jauchzende Knappe fühlte seine Vorschnelligkeit. War es denn nicht seinem Herrn allein zugedacht, in Trophonius Höhle den Hals zu brechen?
Wer eine Statue mit Kenneraugen ansieht, wird eine Statue. Wahr! – Wer in die Sonne sieht, erblindet. Wahr! – Es gibt Menschen, die sich Teufel schaffen, welche nirgends existiren, als in ihrem Kopf, um der Ehre wert zu sein, sie gebannt zu haben. Wahr! – Wie sich diess auf einander bezieht? – Ist das eine Frage? Unsere beiden Reisenden drehten sich um diese Wahrsätze, als der Ritter, durch Michaels Kleinmut gestärkt, wie aus tiefem Schlaf erwachend, anfing:
Siehe, Michael! so wenig verstehst du dich auf Herkules! Wie, wenn der Fremde bloss eine Maske wäre, die den Herkules vom Wege der Mysterien abzuwenden es anlegte? – Wenn er mir diess ungesuchte Glück beneidete? Es ist ein Zeichen des grössten Schauspielers und des grössten Bösewichts, sein Individuum so zu verläugnen, dass auch nichts davon übrig ist, weder zu sehen, noch zu hören. Die Uebertreibung der Drohungen, die, selbst in einem Roman, die Grenzen der Bescheidenheit übertreten würden, – sehen sie nicht einer Prüfung ähnlich? Und wenn gleich ich nicht in Abrede stelle, dass diese Art von Prüfung übel gewählt und unangemessen einer jeden guten Sache sei, kann man vor dem Ende den Wert der Sache beurteilen? Zwar sollen Polizei und Justiz, in vieler Herren Landen, einen gefunden, festen Schlaf haben, wo ist aber das Land, wo, bei Polizei- und Justizschlaf, Höhlen-Greuel dieser Art sich ereignen? Und was in aller Welt, was und wer ist im stand mich zu zwingen, Sophien untreu zu werden? Ihr die Handschuhe zu entziehen, um mich mit einer Furie ehelich zu verbinden? Würde ein gesetzloses Verfahren dieser Art nicht alle noch so feierlichst eingegangenen Bande zerreissen? Mag die Moralität, in die Kreuz und in die Quer, in die Breite und in die Länge, in die Höhe und in die Tiefe, gewinnen, wenn sie nur gewinnt! Das Barocke und eine gewisse Singularität hat von jeher Glück gemacht, und in der Regel sind Sonderlinge besser, als Alltagsmenschen. – Was ist ganz zu erklären? Und das, was wirklich ganz, bis auf den letzten Grad, erklärt werden kann, verdient es diese Ergründungsmühe? führen wir nicht in dieser Welt ein änigmatisches Leben? Und würde ewiges Licht auf unserer Erdenbahn uns nicht schädlicher noch, als ewige Finsterniss sein? Wohnen wir auf einem Planeten oder in der Sonne? – Hier stockte der Ritter, als ob er schon zu weit gegangen wäre. – Auch würden seine Gründe auf Michael lange so kräftig nicht gewirkt haben, hätte der Redner ihm nicht den Umstand vorgeschoben, dass der Fremde, der in der Herberge gewiss keine Anlage zum Fasten bewiesen, auch für Ritter, Knappen und Reitknecht Essen vorbereiten lassen. Aber wie wusste er denn, dass wir kommen würden? Das ist die Frage, erwiderte der Ritter, als
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drei
Männer zu Ross auf unsere Reisenden stiessen, wovon Einer vorsprang, und vom Ritter, im befehlenden Ton, w o h i n ? zu wissen verlangte. Michael, den die Art der Frage verdross, hatte doch an der Frage selbst kein Missfallen. Der Ritter schwieg, und da dieser Frager mit mehr Zudringlichkeit und zuletzt mit wirklicher Beleidigung auf Beantwortung bestand, blieb dem Ritter weiter nichts übrig, als ihn nach dem Recht zu dieser Dreistigkeit zurückzufragen. Statt zu antworten, zeigte der Frager Pistolen. – Der Ritter erwiderte durch die nämliche Pantomime; – und Michael sah sehr genau, was die beiden Begleiter tun würden, um teils sich selbst in Positur zu setzen, teils seinen Nichtvetter Reitknecht zu commandiren. – Der Frager setzte sich in Schussordnung, der Ritter dessgleichen. – Ernst! fing jener an. – Der Ritter: Ich scherze nicht mit Pistolen. Eine Unterredung – sagte der Frager. bereit, der Ritter. Sie stiegen von ihren Pferden, gingen, jeder mit seinen Pistolen, in ein benachbartes Gesträuch.
Freund! sing der Frager an, Sie haben Pistolenauf meine Frage zu antworten. Darf ich b i t t e n , da vielleicht das F r a g e n Sie beleidigte, wohin? Der Ritter honorirte diese Bitte so wenig, als die Pistolenforderung, und der Bittende stimmte sich eben so schnell und leicht wieder um. Ich bedarf Ihrer Antwort nicht. Sie sind aufgefordert von Menschen, die Sie nicht