wer sich nach meinen Titeln erkundigt, ist ein Tor, oder will mich dazu machen. Gern will ich n i c h t s e h e n , wenn mein Herr s i e h t ; gern mich mit der Seligkeit derer begnügen, die nicht sehen und doch glauben, wenn nur sein teures Leben ausser Gefahr ist! – Doch Gedankenkeuzzüge tun's freilich nicht. Blühen und nicht Früchte tragen, heisst wissen und nicht tun; ich will, – ich weiss nicht, was ich will! Den folgenden Morgen fing Michael, ehe sie aufstiegen, an: Gnädiger Herr, wenn ich mich gleich bescheide, das Ziel Ihrer Wallfahrt nicht wissen zu können, und wenn ich gleich alles in der Welt eher, als den Vorwurf meines Gewissens, ein Schwätzer im gemeinen und ungemeinen Sinn zu sein, über mich kommen lassen wollte, darf ich Ihnen doch diese Schrift, die aus meinem Herzen abgeflossen ist, behändigen, – und Sie bitten, wohl zu balanciren, ob Ihr Leben und das meinige (an den Vetter Reitknecht dachte er nicht) mit der Hoffnung, die Sie begeistert, das Gleichgewicht halte? Der Ritter entblätterte die Schrift, die Michael mit seinem Blute geschrieben hatte und worin er ihm verhiess, da sterben zu wollen, wo das Schicksal über sein Leben gebieten würde. Die Schrift war unbedingt und rührte den Ritter bis zu Tränen, welche sich auf dieser Blutschrift nicht übel ausnahmen. Michael konnte sich nicht entbrechen, seinem Herrn von dem Winke des Fremdlings einen Wink zu geben, und der Ritter ersetzte ihm diese Offenherzigkeit mit gleicher Münze, ohne von der Festung des eigentlichen Geheimnisses einen Fuss breit abzutreten. – über Trophonius Höhle, deren der Warner gegen Michaeln zu erwähnen unbedenklich gefunden, war unserm Helden kein Gelübde der Verschwiegenheit zugemutet, – und eine Schrift, mit eigenem Blute geschrieben, verdient sie nicht mehr, als diese Erkenntlichkeit? H o r a t i u s C o c l e s stellte sich, als die Hetrusker bereits bis an die brücke Sublicium vorgedrungen warm, um Rom einzunehmen, den Feinden entgegen, während der Zeit die brücke abgeworfen und dem Feinde der Weg nach Rom abgeschnitten ward; und nun sprang er mit seinem Pferde in die Tiber, ohne Verlust und mit dem Gewinn der Unsterblichkeit. Feldherr S e i d l i t z behauptete, kein Kavallerist dürfe sich gefangen nehmen lassen, und stürzte mit seinem Pferde in die Spree, als sein König auf der brücke sagte: H i e r i s t S e i d l i t z d o c h m e i n G e f a n g e n e r ! Er ward Friedrichs Liebling und ein Held wie er! – Der Wüstling M a r c u s C u r t i u s warf sich in einen Schlund, um Rom von der Pest, welche David zu seiner Zeit wohlbedächtig die Hand des Herrn hiess, zu befreien, – und wenn gleich M a r c u s C u r t i u s übler abkam, als Seidlitz und Horatius Cocles, indem er sein Leben einbüsste, verfüllte er nicht die pontinischen Sümpfe? Reinigte er nicht die Luft in Rom? – Wenn Michael sich überzeugen können, dass auf der olympischen Bahn nach Trophonius Höhle ein Kleinod zu erreichen wäre; dass diese Krümmungen zum Ziel brächten, welches Ritter und Knappe beabsichtigten; und dass man sich Kenntnisse von den höhern Wesen, der Geisterwelt und was diese Welt beträfe, dem Aufentalt Sophiens und ihrer Kammerzofe, erstürzen könnte; – mit Freuden würde er mehr Blut, als zu seinem Testament erforderlich war, aufgeopfert haben. – Wer leistete aber diese Bürgschaft? – Seine überzeugung, dass es höhere Mysterien und Gemeinschaft der Menschen mit Geistern gäbe, die ihm lebendig war, sagte ihm den Dienst auf, weil, wenn gleich der Weg zur bessern Welt durchs Grab, und zur Himmelfahrt durch Höllenfahrt geht, der Fremde noch beteuert hatte, dass aus Trophonius Höhle keine Erlösung sei. Freilich! – Was hilft's, an einen Ort zu kommen, wo Heulen und Zähnklappen unglücklicher Menschen ist; wo man Höllenhunde heulen, Raben krächzen und Schlangen zischen hört, ohne nach all diesen Prüfungen etwas zu erfahren, was der Mühe wert ist? Kann denn dem göttlichen Wesen mit Angst und Furcht so gedient sein, als den Priestern, die sich auf diese Art in Ehrwürde zu setzen suchen; die die Aufzunehmenden Leitern steigen, schleudern und sich durchwinden lassen, während der Zeit sie, an ganz sichern Orten, die dazu gehörigen Maschinen in Bewegung setzen und durch bequeme Hintertüren sich durchschleichen? Und was soll wohl, wenn auch eine liebliche Musik auf das Angstbrüllen der Verdammten und das Heulen und Geschrei der Tiere erfolgt, was soll diese teatralische Vorstellung? Dass die Gotteit einen teil ihres himmels und ihrer Hölle in diese Höhle beurlauben sollte, um den Aufzunehmenden zu ängsten und zu erfreuen, ist das zu denken? Dergleichen Gedanken, wiewohl in anderer Form, durchkreuzten den Kopf des Knappen, als ihm sein Herr die mariage de conscience mit der Furie entdeckte. Ich siehe Ew. Gnaden mit Leib und Seele dafür, sagte der Knappe, dass sie, bei all ihrer Hässlichkeit, Ihnen doch nicht die Erstlinge der Liebe zubringen würde; – und werden wohl die heiligen Handschuhe unsaubern Händen anpassend sein? Nicht, als ob ich meine Bittschrift zurück verlange, gnädiger Herr, sagte er,