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auch nur im geringsten befriedigt zu werden. Die Verwirrung Ihrer Sinne gewährt Ihnen dort kein Bewusstsein. Sie werden mit Hindernissen streiten, und Ihr Lohn wird Rauch sein. – Man wird Sie Kämpfen aussetzen, über die man den Triumph, wenn er uns ja zu teil wird, gern vergisst. Der geheime Ort, die mystische Stelle, die man Ihnen angewiesen hat, ist der Schlund des Molochs, der sich nicht mit Kindern begnügt, er verschlingt Männer. – Was Ihnen winkte, war ein Irrlicht, das viele schon unter hohen Verheissungen hinlockte, um sie ins Verderben zu stürzen; – eine Mordgrube, die desto gefährlicher ist, da man nicht weiss, ob Menschen oder böse Geister die unglücklichen Schlachtopfer der Neugierde hinrichten.

Ich komme nicht uneingeladen! sagte der Ritter.

Schlechter Trost! – Kein Licht steckt so schnell an, als das Licht der Einbildungskraft. drei meiner Freunde, treffliche Männer voll edlen Durstes nach Mysterien, die nicht suchten, sondern gesucht wurden, fanden hier ihr Grab. Mich rettete ein Zufall, um die zu warnen, die am rand des Verderbens sind. Einer der Helfershelfer dieser Menschenfresser nahm an diesem Zufall aus Mitleid teil, dessen martervollsten Tod ich bewirken würde, falls ich meinen Eid bräche und mehr entdeckte. vermag ich mehr zu sagen? als: retten Sie sich, retten Sie Ihre Seele um nicht ein Kind des Todes und ein Kind des ewigen Verderbens zu sein! Retten Sie sich! – Bei diesen letzten Worten sprang der Fremde auf, und erhob sie zu einem so hohen Nachdruck, dass der Ritter unmöglich gleichgültig bleiben konnte. Diese Lage benutzte der warnende Freund, indem er ihm den Inhalt jenes Briefes fast wörtlich wiederholte, von dem der Ritter, sogar gegen Johannes, ein so grosses geheimnis gemacht hatte. Ein ehrlicher Mann, sagte der Fremde, dient gern mit seinem verstand; ein Bösewicht will uns mit List darum bringen.

Das Schrecklichste, womit der Referent von dieser Trophonius höhle neuerer Zeit wohlbedächtig das Ende krönte, war, dass der Eingefangene sich verpflichten müsse, sich mit einer von dreien Weibsbildern ehelich zu verbinden, die ihm zwar selbst zu wählen überlassen bleibe, deren Auswahl indess um so trauriger sei, als alle drei den höllischen Furien ähnlicher wären, wie ein Ei dem andern. Weit eher hätte unser Ritter mit dem tod und dem ewigen Verderben, als mit dieser Nachricht sich ausgesöhnt. Ist das die Deutung jenes Mitternachtsgesangs:

Die Geheimnisse der Liebe sind mit der Geister

welt verwandt?

Hingerichtete Gesundheit, zerstörter Gemütszustand, Ehebündniss mit einer Furie! Wahrlich zu viel für die Schultern des Ritters.

Ob nun gleich Michael nicht mit in die Trophoniushöhle hinabstieg und von diesen geheimen Bekenntnissen wenig oder nichts zu erspähen im stand war, so nahm doch der Fremde bei seinem Abschiede gelegenheit, ihn mit in diese Höhle der Bekümmernisse zu stürzen. Der Ritter ist verloren, raunte er ihm ins Ohr. Hier wäre Subordination Gefangennehmung der Vernunft unter den Gehorsam. Nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Recht des Verstandes gilt. – Sei durch Klugheit sein Herr, ohne dich es merken zu lassen. Arznei muss nie mächtiger als die Krankheit sehen, sonst ist sie Gift. – Heil und wehe dir! Segen und Fluch, Lohn und Strafe schweben über deinem Haupt, wenn du tust oder unterlässest, was ich dir gebiete! – – Es war ein sonderbares

§. 108.

Gespräch,

in welches Ritter und Knappe nach einer fürchterlichen Stille sich verwickelten. Beiden log die Pflicht der Verschwiegenheit ob, und so gab es hier gewaltige Umwege, und doch (besonders!) verstanden sie sich nie besser, als bei diesem mystischen Zwange. – Wer an Mystik gewöhnt ist, hat Abneigung gegen alle Deutlichkeit, er befindet sich bei ihr am übelsten. Was wir klar nennen, ist ihm Dunkelheit, und bei seinem inneren Lichte sieht niemand etwas, als er selbst! – Obgleich Michael nicht die mindeste Neigung hatte sich irgend einer Lebensgefahr auszusetzen, und eben desshalb Mördern, gleichviel Menschen oder bösen Geistern, in die hände zu fallen, so hielt er nicht nur seinem Herrn von der Pflicht der Selbsterhaltung eine stattliche Rede, sondern war auch entschlossen, alle Gefahr und den Tod selbst mit ihm zu teilen. – A u c h d e n T o d , rief er sich selbst zu, so unteilbar er immer sein mag! Soll das der Erfolg von Gamaliels öffentlichen und geheimen Gebeten sein? dachte Michael sich selbst gelassen: W i r des Todes und e r das leere Nachsehen! Zwar hat der Maurerorden, den ich in allen seinen ehrenvollen Grain den Tod, auch seine Höhlen; doch weiss jeder, woran er ist und nicht ist. Zwar gelobt man dort Verschwiegenheit, doch ist, des Bundeseides ungeachtet, so viel Toleranz, dass, wenn ich Gamaliel dahin bringen könnte, zu glauben was er lese, er wo nicht mehr, doch eben so viel als ich wissen würde. – Zwar ist dort, bei aller Versicherung von Gleichheit und Freiheit, Unterschied der Stände; doch sind nicht im innersten Heiligtume d i e n e n d e Brüder? Hat der Hohepriester nicht seinen Hofküster, der ihm nachtritt! Wie? ist's Eigennutz, der mich zu diesen Klagen bringt? Nicht weniger! Nicht nach dem was wir sind, sondern nach dem was wir zu sein verdienen, können wir Schätzung verlangen. Wer nach meinem Namen fragt, ist ein Weiser;