Ritter. Und das Gegengift, das Universale gegen Hängen, Vierteilen, in Oel sieden, und die vierzig Streiche minder einen? – Rate!
Der Selbsttod. –
Die Kunst zu schweigen!
Sollte?
Ich stehe dafür!
Doch ist Kunst nicht natur, und ehre mir Gott die Schwatzhaftigkeit der Dame im Meierhofe.
Nur die deinige nicht! – Den Knappen schmerzte dieser Vorwurf, so liebevoll er gleich diessmal erging. Zwar empfand er ihn bei weitem nicht so, wie den ersten desselben Inhalts, mit dem ihm sein Herr noch vor der Ankunft des Gardisten schwer fiel; indess nahm sich Michael vor, sein Herz zu prüfen, und wenn er's ohne Tadel fände, zu gelegener Zeit bei seinem Herrn sich näher zu erkundigen, womit er das Scheltwort eines S c h w ä t z e r s verdient hätte.
Der Ritter belehrte seinen Knappen, dass er unter der Kunst zu schweigen nicht jene plumpe Alltagstugend verstehe, die auch zur Not ihr Gutes haben könne, sondern die Verschwiegenheit im Sonntagsfinne, in welchem sie Bescheidenheit oder Verschwiegenheit, nicht der Leides-, sondern der Seelenzunge, das Schicken in die Zeit, die Zurückhaltung, die erst sieht, was andere machen, die erst die Leute in der Gesellschaft kennen lernt, ehe sie vertraut wird, meine; und da gestand denn der Knappe gerne, zum Schweigen gebracht zu sein, der nach manchen Nottaufvorfällen, je länger je besser, auch die Holzbündlein dieser Art zu legen lernte. – Michael nahm sich, mit Seiner Gnaden erlaubnis, die Freiheit zu bemerken, dass, wenn man den profanen Worten solche Freimaurerdeutungen unterlege, man zuletzt bloss durch Auslegung der Worte jedes Spiel gewinnen müsse, und sein Herr konnte sich nicht entbrechen, ihm eine gewisse Sophisterei zu empfehlen, ohne die selbst Sokrates nicht gewesen wäre und kein Mensch sein könnte. Sie sei das, was die Höflichkeitsconventionen im gemeinen Leben wären. Die Herren Philosophen, setzte der Ritter hinzu, fischen in diesem trüben wasser am glücklichsten; – ein grosser teil dieser Herren würde ohne dieses trübe wasser wenig Fische fangen; wenn jetzt, bei jenem Kunstgriff, ihre Netze vor der Menge von Jüngern und Aposteln und Nachbetern reissen.
Da Michael seinen Herrn nach erhaltener Parole, von Tage zu Tage, fast möchte ich sagen, von Stunde zu Stunde, ruhiger, gesprächiger und vergnügter fand, so glaubte der gute Schwätzer, der freimaurerischen Nachlese über die Kunst zu schweigen ungeachtet, die Frage nach dem Orte ihrer gegenwärtigen Bestimmung näher legen zu können. Vergebens! – der blick seines Herrn wies ihn auf das nach obgewalteter Discussion gezogene Dekret, und gegen jeden neuen Versuch des dienenden Bruders erfolgte eine verstärktere Abweichung, so dass der Knappe auf diese Frage völlig Verzicht tat, deren Beantwortung sein Herr mit desto weniger Mühe zurückhalten konnte, als er sie selbst nicht zu beantworten vermochte. Probatum est.
etwa sieben Meilen, diesseits des Orts der Bestimmung, kamen unsere Reisenden ermüdet in eine
§. 107.
Herberge,
der man keinen bedeutenden Namen zugestehen konnte, und so entschlossen der Ritter war, den Hunger dem Schlaf aufzuopfern, ward er doch durch ein ländliches Reisemahl überrascht, welches ein Fremder sich auftragen liess, der sich zwar mit keiner Zudringlichkeit, wohl aber so zutätig zu ihm gesellte, dass unser Ritter, er mochte wollen oder nicht, nicht umhin konnte, seinen Schlafplan aufzugeben. Michael schien hiermit um so zufriedener, als das Bedürfniss des Hungers ihm in der Regel weit lieber als das Bedürfniss des Schlafes war, und er die Gewohnheit hatte, der Mutter natur mehr für das Geschenk des Hungers, als so weise abgehandelten Materie zufolge, jeder neugierigen Frage gegen den Reisenden, mit dem er sich zu Tische setzte, auswich, so freigebig war dieser von selbst, ihn mit seiner Reise bekannt zu machen; – und da er, durch diese Offenherzigkeit, sich den Weg zu einer gleichen Verfahrungsart gebahnt zu haben glauben mochte, befand der Ritter sich in keiner geringen Verlegenheit, als jener näher in ihn drang.
Verzeihen Sie meine Frage, sagte der Fremde, und lenkte die Verlegenheit des Ritters so zum Besten, dass es dem letzteren leid zu tun anfing, verschwiegen sein zu müssen. – Eben war er mit sich im Streit, ob dieses Leidtun, wo nicht Uebertretung selbst wäre, doch der Uebertretung des Stillschweigens nahe käme, als der Fremde ganz von freien Stücken von dem Parole-Orte zu reden anfing. Michael lauschte um bei dieser gelegenheit den Ort zu erfahren, ohne seinem Herrn Verdruss und dem Vetter Reitknecht Freude zu machen; – abermals vergebens. – Der Knappe musste sich auf Special-Befehl seines Herrn entfernen, und der Reitknecht hätte laut gelacht, wenn er etwas von diesem Exilium gewusst hätte.
Sie mögen reisen wohin Sie wollen, fing der Fremde an, einen Wink – bin ich Ihnen schuldig aus Menschenliebe, – die liebste Schuld, die ich abtrage. kennen Sie Trophonius Höhle?
Ich habe nicht das Glück.
Unglück würde angemessener sein, – wenigstens versichern die Alten, dass die, welche hinabfliegen, die Eindrücke der Traurigkeit nicht ausglätten konnten.
Es gibt eine göttliche Traurigkeit.
Die Traurigkeit aber der Welt wirket den Tod. Er ist in T r o p h o n i u s H ö h l e gewesen, hiess nicht viel weniger, als er ist l e b e n d i g t o d t . – Diesem lebendigen tod eilen Sie entgegen, ohne