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, fuhr er fort mit einer Träne im Auge, unglücklich sein, um sich von der Richtigkeit gewisser Grundwahrheiten zu überzeugen? Sind die Menschen nicht ohne Vorgesetzte träge? Und zugegeben, dass der Stempel des ausgezeichneten Kopfs Tätigkeit und der grösste Beweis der Kraft Kraftanwendung ist, würde nicht jeder Staat einen so unfehlbaren als fraudulösen Bankerott machen, wenn er ohne Wirt rechnen und auf Zwangsmittel Verzicht leisten wollte? Glück und Ruhe geben Ehre, doch beschränken sie oft die erkenntnis, wogegen Unglück uns für Unglück entschädigt, wenn es uns auf hohe Weisheitslehren führt, die sich sonst nicht lernen lassen. – Die Gründe von Mühe und Beschwerlichkeit, welche Ehrfreigeister wider dieses Hauptstück göttlicher und menschlicher Einrichtung anbringen, sind sie nicht unwiderlegbare Aufforderung, dieses heilige Werk zu treiben? Ich glaube, es gibt Stellen, um Ihr Wortspiel nachzuahmen, bei denen man auf der Stelle bleiben kann, doch gibt's auch andere, die Mittler zwischen Regierung und Volk sind, und Aemter dieser Art bekleiden und in ihnen einen Nachwuchs gleich edel denkender Jünglinge erziehen, ist's nicht eine Aussicht, die sich sehen lässt? Gibt's hier nicht Worte, die sich hören lassen und Taten würdig der Ewigkeit –? –

Freund Bruder! erwiderte unser Held, ich verdenke es Ihnen nicht, dass Sie Ihre Ketten vergolden und sich nicht bloss bemühen, sondern anstrengen, Aemtern das Wort zu reden, die nicht für Köpfe Ihrer Art sind. – Gehen Sie hin in Frieden; Ihr Glaube helfe Ihnen! – Wer sein eigener Herr sein kann, suche keinen andern neben sich. Oft werde' ich Ihrer und Ihrer Bande und Ihres Glaubens denken und Gott bitten, dass Ihr Amtsglaube nicht aufhöre, der, wie der Glaube überhaupt, nicht jedermanns Ding ist. Kleine Mittel führen oft zu grossen Zwecken, wenn dagegen grosse aufsehen bewirkende und mit Paukenschall verbundene des Zwecks verfehlen. Finde ich Sophien, so ist mein Ziel erreicht, soweit es in dieser Welt zu erreichen steht. Völlig aus Ende kommen kann weder der Mensch noch die Menschheit in diesem Leben. – Oben oder unten ist Eldorado. Vorschmack kann es hier geben und sollte mit, durch und in ihm nicht Eldorado zu uns herabkommen und wir entkörpert und verhimmelt werden können? – Johannes sah seinen Freund Bruder mitleidig an, und dieser ging zur dritmit allen ihren At- und Pertinenzien von Graden und Systemen und Systemen und Graden brannte, viele Tore hatte, so war der Ritter in nicht kleiner Verlegenheit, welches Tor er wählen sollte. Michael litt hierbei

§. 103.

unschuldiger

noch als bei der Nottaufe, deren er zur Unzeit in Gegenwart des Herkules erwähnte. Die Frage: wohin? war sonst schon zwischen seinem Herrn und ihm debattirt, und es würde ihm von keinem andern als einem Candidaten des Lichts der Sonne übel genommen sein, dass er mit ausserordentlicher Bescheidenheit zu wissen verlangte: d u r c h w e l c h e s T h o r ? Beträgt diese Frage, fragte Michael sich selbst, bei weitem wohl die Hälfte der Frage: wohin? die du ohne Bedenklichkeit mit deinem Herrn abgehandelt hast? Du bist vorwitzig, Michael, erwiderte ihm unser Held: d u r c h d a s T h o r , d u r c h d a s d i c h d e i n P f e r d t r a g e n w i r d , ist kurz und gut meine Antwort. Ich bedauere, gnädiger Herr, erwiderte Michael, dass seit der Zeit, da der Reitknecht mit Gewalt mein Vetter sein will, ich Ihre Güte eingebüsst habe, obgleich ich an dieser Vetternen Einfall, Bruder Maurer zu werden. Wenn gleich vor alten undenklichen zeiten ein Pferd bei einer Königswahl das entscheidende Votum hatte, und ein anderes das Consulat in Rom mit Würde bekleidete, und wenn gleich in neueren denklichen zeiten, wo es der Wunderdinge weniger als im grauen Altertum gibt, viele Pferde, besonders in Kriegszeiten klüger waren als die Feldherren, die darauf sassen, so würde es mir doch nicht anstehen, mich meinem Ross in Rücksicht des Tors zu überlassen. Schweig, Schwätzer! gebot der Ritter, und Michael schwieg, völlig überzeugt, kein Schwätzer zu sein. Der Stallknecht war mit seinem Herrn und Michaeln ausgesöhnt als er sah, dass der erste verdriesslich war und der andere diesen Verdruss empfand. Der gemeine Mann, der dienende Bruder im S t a a t (dem g r o ss e n M a u r e r o r d e n ) steht es nicht ungern, wenn die Vornehmern Kummer und Verdruss haben. – Nicht ihres göttlichen Berufs und hohen Standes halber, sondern weil sie Feinde ihrer Feinde sind, liebt er die Fürsten. Die

§. 104.

Antwort,

welche der Junker Michaeln gegeben hatte, und welche letzteren so herzlich schmerzte, war so buchstäblich wahr, dass sie nicht genauer und wahrer sein konnte. Unser armer Held kannte eben so wenig als Michael das Tor, wovon die Frage galt. Diese Ungewissheit allein machte unsern Helden so mutig, wenn gleich, wie wir wissen, seitdem er zum drittenmal den Einladungsbrief gelesen hatte, Geister auf ihn wirkten. Bis dahin fehlte ihm der Begriff von göttlicher Eingebung, und sein Glaube war so schwach, dass es ihm zuweilen höchst ungläubig einfiel, auch bei der grössten Anstrengung menschlicher Kräfte, behalte der liebe Gott noch immer sehr viel zur Eingebung übrig, wenn