so wird der Engel des Bundes dich geleiten, und deiner Seele die Feuersäule ein Wegweiser sein. – Amen! Sollen wir eines andern warten? So kommst du nie an Stelle und Ort. Von dem Augenblick, da du diess Blatt zum drittenmal gelesen hast, wirken Geister auf dich – und dass du es dreimal liesest, ist dir hiermit befohlen, wenn anders dein Geist nicht widersteht unserm geist. Gegeben Aurora im Jahre des Heils – – –"
Dieser Brief, der unerklärliche Postzeichen trug, ward dem Ritter des Abends von einem weiss gekleideten Knaben, den er weder vor noch nachher gesehen hat, in die Hand gedrückt. Unserm Helden war's, als sähe er eines Engels Angesicht – und was hätt' er nicht gegeben, um seinen Geist in den seinigen zu hauchen, welches wir Bekörperte unterreden nennen. Hätt' ich ihn am Kleide seiner Menschheit gehalten, würde' er mir es nicht zurückgelassen haben? – Und was hätte ich gehabt? Nichts mehr und nichts weniger als einen Leichnam.
Alles wunderbar! – Die Wirkungen, die diese Vorgänge auf unsern Helden behaupteten, lagen in seiner natur, das heisst, mehr als in der natur der Sache. Da er schon sonst mit seinem Begleiter die Frage: wohin? überlegt hatte, so kostete es ihm gewiss mehr Mühe, gegen ihn, als gegen J o h a n n e s , verschwiegen zu sehen. Wenige Augenblicke stand unser Held an, den Brief zum drittenmal zu lesen, zweimal las er ihn unwillkürlich. – Als er sich endlich zum drittenmal ermannt hatte, war ihm, als sei er nicht mehr derselbe. Angst und Freude, Schrecken und Wonne, Himmel und Erde wechselten in seiner Seele. Er wollte sich dem Schlaf, der als Postmeister im Dienste des Geisterreichs steht, in die arme werfen; doch konnte' er schlafen? Seine leiblichen Augen schloss er, je fester er aber sie schloss, desto exaltirter ward er. Er sprang auf – um frische Luft zu schöpfen, warf er sich ins Fenster; es war ihm er wusste nicht wie, und wie soll ich's wissen? Es kann gewiss keine Kleinigkeit sein, wenn Geister auf Menschen wirken, wenn Menschen aufhören Menschen zu sein, und aus der Gesellschaft der Sterblichen in die der Unsterblichen gerückt werden. etwa gegen zwölf Uhr, die bekannte Geisterstunde, überraschte ihn ein Gesang der Liebe. – Die stimme war entzückend. – Die Sängerin näherte sich, und der Inhalt, von dem ihm keine Sylbe entging, war: Geheimnisse der Liebe und der Geis t e r w e l t s i n d n a h e v e r w a n d t . Wahr! dachte der Ritter, bereit, sich aus seinem Zimmer zu stürzen, um wo möglich in Prosa den Grad der Verwandtschaft zwischen Minnegeheimnissen und Geheimnissen der Geisterwelt zu ergründen; ich hätte zu e r l i e b e n gesagt, wenn nicht Geister auf ihn gewirkt hätten. – So oft er diesen Vorsatz ausführen wollte, floh die Sängerin. – Jetzt entschloss er sich, sie anzureden und sie – verschwand? Wie? dachte er, sollte diese Grazie dich warnen wollen, dem Irrlichte des Briefes zu widerstehen, den dir ein Knabe im weissen Kleide in die Hand drückte? – Hat der Geist der Liebe sie in Sophiens Namen gesandt, um es bei dem einen Schatzkästlein voll Orden, Sterne und Kreuze zu belassen und Sophien auf anderen Wegen und Stegen nachzuspüren? Nur durch s i e und an ihrer Hand, mit den Geheimnissen der Geisterwelt, wenn es dir nützlich und selig ist, vertraut werden; welch ein Gedanke! Oder ist's eine Sirenenstimme, die dir das Licht der Sonne entziehen will? – Der Mond schien herrlich! – Weg mit dem mond, war sein Resultat; – die Sonne, die ihm das Licht gibt, ist mein Ziel und der Engel des Bundes wird mich begleiten. Sind Geheimnisse der Liebe mit der Geisterwelt verwandt, bin ich nicht auf dem rechten Wege? Heil mir, dreimal Heil! – So dachte unser Held und nach diesem Entschluss, den er um drei Uhr Morgens fasste, machten seine Augen noch einen Schlafversuch, und stehe da! es überfiel ihn ein somnambulistischer Schlaf. – Herkules erschien, mit den Worten aus dem Evangelio: Stehe auf, hebe dein Bette auf und gehe heim! Und er stand auf, um nach dreien Tagen zu gehen. – Aber wohin? Nach dem Worte des Herkules – heim. Der
§. 100.
Reitknecht
konnte zu keiner ungelegeneren Zeit als des folgenden Tages Audienz verlangen. – Er bat, wer sollte denken? als dienender Bruder aufgenommen zu werden. Das bist du in meinem Dienst, – alle Menschen sind Brüder. – Da er indess sich mit dieser Universalabfertigung und diesem christ. brüderlichen Machtspruch nicht begnügen wollte, sondern seinem Herrn eine Empfehlung von einem Bruder der Loge z u m h o h e n L i c h t behändigte, den er die Pferde seines Herrn reiten lassen und der dem Ritter in diesem Briefe versprach, es bei der hochwürdigen Loge dahin zu bringen, dass der Candidat in der besagten Qualität unbedenklich gegen geringe Kosten aufgenommen werden sollte, falls nämlich der Herr Baron ihn zum S t a l l m e i s t e r zu erheben die Güte haben würde; so ward der Ritter unwillig und verwies ihn, ohne ihn