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Freund Bruder! erwiderte der Ritter, ich erkenne und bekenne mit Dank, Ihr Schuldner zu sein. Nie sollen Ihre sieben Dämmerungen aus meinem Kopf und Herzen weichen, und wenn gleich unsere Ordensaugen nicht gleich sehen, unsere Ordensohren nicht gleich hören, und unsere Verstandeskräfte sich nicht ähnlich sindwas tut's! Wir sind Brüder Freunde! Eine Wortverbrüd e r u n g , deren Nachdruck ich nie mehr als jetzt fühle, da ich meine Maurerbahn mit so viel kostbaren Graden, in gerader und Seitenlinie, schliesse; meine Bänder, Kreuze und Sterne, bis auf ein Kreuz, das ich auf blossem leib trage, und einen Stern, der auf dem Hinterteil meiner Weste glänzt, in ein Schatzkästlein lege, und es bei Ihnen, so wie meine Maurerbibliotek, bestehend aus seltenen Büchern und noch seltenern Manuscripten, deponire. Ohne Sie würde' ich Physik, Chemie und Astronomie nicht studirt, und diess Dreiblatt von Wissenschaften vernachlässigt haben. – Ohne Sie wäre der Werbehauptmann mein Vorbereiter gewesen; wahrlich, kein Johannes, der den Tomas neunmal neun überwiegt. – Sie wissen, ich suchte Sophien in allen Graden und mir zuerkannten Ehrenzeichen, ohne sie zu finden. – Der Rat, den mir viele unserer Gross- und Kleinmeister aufdrangen, ihretwegen an ferne Logen, besonders nach Sachsen, zu schreiben, ward ohne wirkung befolgt. Was soll mir Adoptionsloge ohne Sophien? – was ein Paar Handschuhe mehr oder weniger, ohne die schöne Hand, der sie gebühren? Freund Bruder, erwiderte Johannes, auch der Werbehauptmann selbst würde, seiner Vokalgeheimnisse ungeachtet, die Gründe nicht entkräften, die fürs N e i n sind. Die Damen der Brüder heissen Maurerschwestern; wie viel haben Sie derer, kraft Ihrer Kreuz- und Querzüge von Aufnahmen? Wollen Sie noch nähere Schwestern, Sie werden in der Adoptionsloge ohne Zweites nicht vergebens wollen. Sophien aber finden Sie hier nicht, wenn gleich diese Aspasia im Orden der Verschwiegenheit und in einer andern Maurer-Adoptionsloge Schwester ist! Unsere lieben Schwestern sind Werbehauptmänninnen, bei deren dreiviertelstündigen geheimen Unterredungen mit Officieren und Nichtofficieren gewiss nicht immer eine Kammerzofe gegenwärtig sein wird, sie wäre denn gleichfalls in die Mysterien dieser geheimen Zusammenkünfte initiirt. Es blieb beim N e i n ! – Kräftig war der Segen, den Johannes auf den Ritter legte. Es trügt mich alles, oder Sie werden zu seiner Zeit finden, was Sie suchenes wird Ihnen aufgetan werden, wenn Sie vorschriftsmässig anklopfen; – bis dahin fassen Sie Herz und Seele in Geduld, wovon Sie oft rühmliche Proben ablegten. – O! des Trostes, dessen unser Ritter sich nicht würdiger zu machen glaubte, als wenn er sobald als möglich zu suchen sich entschlösse! Er bezahlte den erhaltenen profanen Unterricht in P h y s i k , C h e m i e und A s t r o n o m i e , der in Hinsicht der Summe gegen die enormen Ordensaufgaben bis zum Lautlachen abstach, und war völlig bereit, die Loge zum hohen Licht, wo es nichts weiter zu hoffen gab, zu verlassen, wozu ihn ein

§. 99.

Brief

ohne Namen und Ort schon bestimmt hätte, wenn sein Hunger und Durst nach Geheimnissen auch weniger vorschnell gewesen wäre. "Sohn des Monds! wenn du das Licht der Sonne zu ertragen dich stark genug glaubest, fasse deine Seele, komm auf Flügeln der Morgenröte und stehe! Petrus, der aus einem profanen Fischer zum Menschenfischer erhoben ward, verliess sein Netz, folgte nach und erhielt auf Tabor den Meistergrad. Ein ander Ding als das Tal Josaphat, wo du dich jetzt befindest. Da Ihr solches wisset, selig seid Ihr, wenn Ihr's tut. Folge dem Winke des heiligen Geistes, der dich berief und in dir anfing das gute Werk! – Tue, was du nicht lassen kannst! – schen Manna und zum Tische des Herrn dir in einer schwachen Minute entfährt, ist ein Nagel zu deinem Sarge! Nicht deinem Begleiter, nicht dem Johannes (der nie aus einem Meister des Scheins ein Meister des Seins werden wird) sollst du bei Strafe der Vernichtung den ersten Buchstaben dieser Vocation entdecken. – Bist du wert, ein Sonnenkind zu werden und die Feuertaufe zu empfahen, so mögen die Schuppen von deinen Augen fallen, und der Stein, den gewisse Bauleute verworfen, dir zum Eckstein werden! – Bist du unwert des Werks des Herrn, das grosse Dinge tut, so schlage dich Finsterniss und dicke Nacht, und deines Namens werde nie gedacht unter allem, was Ordensleben und Odem hat. In dem Grade, als wir uns entsinnlichen, kommen geistige Dinge durch Sinnlichkeit uns entgegen. – Auf halbem Wege begegnen sich Geist und Leib, wenn der Geist (wenigstens) das Gleichgewicht mit dem Körper hält. Je mehr wir uns vergeistern, desto mehr werden wir entkörpert; je weniger Physik an uns ist, desto mehr wächst unsere Metaphysik. Was wir dem Menschen entziehen, gewinnt der Engel. In dem nämlichen Grade, wie der äussere Mensch stirbt, aufersteht der innere, und je mehr wir uns von der Welt losreissen, desto fester gründen wir unser geistiges Bürgerrecht in der Stadt Gottes, die nicht mit Händen gemacht ist, wo Freude die Fülle und liebliches Wesen ist ewiglich. Es ruft der dieses zeuget, komme bald! Amen! – Die Gemeinschaft des Allerhöchsten sei mit deinem geist. Wozu eine Reisekarte –? Bist du, der da kommen soll,