h i e n v o n U n b e k a n n t gehört dieses Kleinod, erwiderte der Junker auf die vorgeschriebene Handschuhrede des Meisters, und küsste drei, sieben und neunmal das Kleinod, das ihn so überraschte und rührte, als wär' es Sophiens Hand. – Der Meister, der durch diess unerwartete Intermezzo völlig aus dem Concepte kam, wollte einlenken; indess fiel ihm der Recipiendus ein, und gewiss zum Glück des Meisters, der vom Buchstaben abhing, und ihm den Sklaveneid geschworen hatte. "Ein heiliges Unterpfand, – dass ich Sophien durch den Orden finden werde! – Ein Omen, das mir diess Ziel meiner Wünsche verbürgt. O! dass Sie sie nicht kennen! Die Grenzscheidung zwischen Erhaben und Schön ist durch sie eine leere Vorgabe worden. Sie ist beides und hat mich gelehrt, alles Erhabene sei das Schöne von feierlicher Weise." – Der Knappe fügte hinzu, er hoffe, die Handschuhe würden sich weiss erhalten, bis er so glücklich wäre, der Begleiterin der fräulein Sophie von Unbekannt diess Opfer bringen zu können.
Alle Grade in linea recta und obliqua (in gerader und Seitenlinie) waren beendigt, und unser Held besass ein ganzes Schatzkästlein voll B ä n d e r und K r e u z e und S t e r n e . (An G e r ä t h e , K l e i n o d i e n und Z i e r r a t h e n war nicht zu denken, wenn nicht ein Ruft- und Packwagen genommen werden sollte.)
Es gab eine so unglaubliche Menge von S y s t e
m e n und G r a d e n , dass man sie füglich Legion nennen könnte. Da man sie schon am grünen Holz und in jeder Schrift finden kann, was man zu finden wünscht, was will am dürren, an Hieroglyphen werden?
Michael konnte dem Orden, der auf Gleichheit und
Freiheit auszugehen behauptete, einen gewissen Widerspruch nicht vergeben. Grossmeister, Vorsteher, Activ und Passiv, dienender und befehlender Bruder, schienen ihm wo nicht wirkliche Widersprüche, so doch ungelösete Zweifel; sein Herr dagegen glaubte, dass die Vorbereitungen und Aufnahmen hier, so wie bei schlechten Komödien und den gewöhnlichen Ehen, wenig oder gar nicht zusammenhingen. Viel gäb' ich darum, wenn ich die bekannte Frage: W a s i s t , d a s d u g e s a m m e l t h a s t ? unserm Helden vorlegen, auf die Antwort seines inneren Rechnung machen, und sie so treu meinen Lesern mitteilen könnte. – Der Knappe war übrigens im Punkt der Handschuhe, wenn gleich er seine Zofe Unbekannt nie gesehen hatte, eben so glücklich und so sorgsam, als der Ritter. Bei solch einem Paar Handschuhen werden freilich die hände nicht ausbleiben. Noch ward an die
§. 98.
Adoptionsloge
gedacht, und mit Ausschluss des Begleiters, der als dienender Bruder ohne Bänder, Kreuze und Sterne blieb, und dem nur wenige unbedeutende Ordenskleidungsstücke bewilligt wurden, dem Junker angetragen, diesen Nebenweg noch einzuschlagen. Freilich hätt' er diese Seitenlinie immer noch mitnehmen können. – Ich habe zu bemerken vergessen, dass unser Held, so wie bei verschiedenen Maurerschwestern, so auch bei der Werbehauptmännin Bekanntschaft unterhielt, und dass, statt des vormaligen Vokalzutrauens gegen den Werbehauptmann, sich ein gewisser, galanter Consonantfuss eingefunden hatte, wodurch beide Teile gewannen. Warum unser vollendeter Maurer gegen die Adoptionsloge war? Weil die Werbehauptmännin keine kleine Rolle in ihr spielte, weil er alle Adoptionsmitglieder kannte, und weil Sophie in diesem Cirkel ein fräulein Unbekannt war. Wichtige Gründe für unsern Junker (den wir von jetzt an – in Rücksicht des Schatzkästleins voll Bänder, Kreuze als Vornamen zählte – R i t t e r nennen wollen –), sich in nichts mit der Adoptionsloge einzulassen. "Desto besser," sagte Michael. Warum? fragte der Ritter. Der Teufel könnte sein Spiel haben. – Wie meinst du das? – Ich meine, dass gelegenheit Diebe macht, und dass bei aller Treue, die ich fräulein Sophiens Begleiterin geschworen habe, es sich zutragen könnte, dass eine Begleiterin B e k a n n t jene Begleiterin Unbekannt verdrängen, und das l e t z t e Uebel ärger als das e r s t e machen könnte. – Schweig, fiel der Ritter ein – im mund eines Knappen ist's unanständig, auf der Zunge eines Ritters wär' es schändlich, ein so schlechtes Zutrauen zu sich selbst, zu seiner Gebieterin und zu den Paar Handschuhen zu äussern, das jeder von uns empfangen hat.
Es fiel zwischen unserm Ritter und Johannes eine treuherzige Unterredung vor, die das N e i n des Ritters, in Hinsicht der Adoptionsloge, noch mehr gründete. Sind Weiber schon so weit, um mit Männern in dergleichen Verbindungen sich einzulassen? Haben sie bis jetzt einen andern Beruf, als alles in sich verliebt zu machen? Sie wollen, es gehe wie es gehe, es koste was es wolle, geliebt sein. – Der Witz der Weiber, womit sie so reichlich ausgestattet sind, lässt dem Gedanken nicht Zeit, auszuwachsen. – Wäre Freund ABC minder ernstaft, suchte er weniger die Rätsel der Menschheit aufzulösen, wozu dem Sucher (woran ich herzlich teil nehme) im Orden so viel Vorderund Hintertüren geöffnet werden – ich riete Ja! Jetzt Nein! –