des Schneidersohnes, sie einzulenken, durch Vater, Mutter und Pastor loci zu einer angenehmen, ruhigen Schwärmerei geleitet ward, wird man sich wundern, dass jene heilige Zahl, P h y s i k , C h e m i e und A s t r o n o m i e , gegen so viel andere heilige Zahlen nichts vermochte? Es gibt Menschen, die, wie Pflanzen, im Sonnenlichte die Luft reinigen, und in der Nacht und im Schatten sie verderben. So unser Held, der bei Nacht und Schatten der Schwärmerei alles verdarb, wogegen er im Sonnenlicht guter Gesellschaft liebenswürdig war.
Noch eine Bemerkung, die dem Bruder Präparateur einfiel, ohne dass ich mich darüber auslasse, ob sie der Aufbewahrung wert sei oder nicht.
Die Offenbarung, sagte er, wird den zu jedem Eindruck fähigen, zarten Seelen der Kinder, als die Quelle aller Quellen, als der Grund aller Gründe unserer Erkenntnisse angegeben; und was noch mehr ist, der christlichen Religion wird ihre Lauterkeit und ihre Vernunft vorentalten, worauf sie freilich nicht zu Anfang ihrer Entstehung rechnen konnte, zu der sie aber (wie alles Menschliche in der Welt) durch Nachdenken und Säuberung ihres Grundstoffes von allen Menschensatzungen, Vorurteilen der Zeit ihrer Entstehung und der Zeit ihrer Verbreitung, bis auf die gegenwärtige, von Autoritäten, und allen andern heterogenen Ingredienzien, hinanzureifen im stand ist. – Einbildungen und Wesen der Phantasie werden zu Gegenständen, die man erkennen, begreifen und umfassen kann, nicht bloss g e m a c h t , sondern sogar g e h e i l i g t . Unsere Neigungen und Triebe stellt man als verdächtig dar, obschon sie, recht verstanden, die Ueberbleibsel des göttlichen Ebenbildes sind. – Ist's Wunder, wenn die meisten Menschen schwärmen? und würden sie nicht, aus dem Schoosse der Kirche in die Welt gelassen, in noch unleidlichere Schwärmereien sinken, wenn der grössere Menschenteil mehr Zeit hätte und nicht im Schweisse des Angesichts sein Brod essen müsste sein Lebenlang? Wenn nicht der müssigere, kleinere teil mit einer grossen Portion Leichtsinn ausgestattet wäre? Wenn nicht die noch übrigen wenigen edlen, diese Menschen Gottes, getrieben vom heiligen Geist zu reden und zu schreiben, den hohen Beruf fühlten, sich des menschlichen Geschlechts anzunehmen? – Leichtsinn und die rastlose Tätigkeit der teoretischen und praktischen Vernunft wird das menschliche Geschlecht vor noch ärgeren Ausbrüchen der Schwärmerei bewahren. Die Winde des Leichtsinns reinigen die Luft, und die Sonne der Vernunft erleuchtet und erwärmt und bringt Früchte w Geduld. Dess sollen wir alle froh sein, Halleluja! – –
Selbst in der Loge waren sehr viele und bei weitem die meisten, welche die Tomasart des Johannes unserm Helden verdächtig zu machen suchten; – obgleich dieser Vorläufer seiner Moralität wegen nicht in Anspruch zu nehmen war. – Johannes blieb bei jener Bemühung, die Sache nicht aus dem hohen, sondern aus dem rechten Lichte zu sehen, vom Heraldicus junior ausserordentlich verschieden. Schon trug hiezu sein emsiges Studiren bei, wodurch er sich zu einem Staatsposten ausbildete. Erziehung und Umgang mit Menschen von allerlei Zungen, Sprachen, Religionen und Sitten gaben ihm selbst ein vom Schneiderssohn abstechendes Aeusseres. Das Gesicht zieht sich der Seele allmählich nach, und der excolirte Geist gibt selbst dem Körper eine Stellung, die charakteristisch ist, wenn sie gleich nicht allemal auf dem Tanzboden bestehen würde. – Die Werbehauptmännin erwies unserm Präparateur die ungesuchte Ehre, sich sterblich in ihn zu verlieben, und er ihr die Erkenntlichkeit, diese Liebesangelegenheit auf eine für sie unnachteilige Art beizulegen. Er wollte nicht Joseph sehen, um Madam Potiphar zu demütigen, und stehe da! anstatt Verfolgung und Rache, als die gewöhnlichen Folgen verschmähter Liebe, unsern Joseph (er soll Johannes heissen) empfinden zu lassen, überwand die Ehre, die ihm wegen seiner Tugend gebührte, jede andere, niedere leidenschaft in dem Herzen der Werbehauptmännin, – ob auch die Liebe, weiss ich nicht. – Dass es ihr an erkenntlichem Liebhabern bei einer so beliebten Loge nicht gefehlt haben werde, versteht sich von selbst. – Bei den
§. 97.
Aufnahmen
fanden Junker und Michael, wie fast zum voraus zu sehen war, überall mehr als Johannes. Michael hiess zwar dienender Bruder und diente wirklich; indess machte man mit Protagoras einen sichtlichen Unterschied in Hinsicht seiner dienenden Collegen. – Der Freiheits- und Gleichheitsbaum, den man in den Logen pflanzte, ohne den Herrn und Diener aus ihren Angeln zu heben, war beiden schon so etwas Seelerhebendes, dass nicht die Hälfte der Feierlichkeiten nötig gewesen wäre, um ihren Herzen, auch ohne Werbehauptleute, deren es mit V o k a l kunststücken die Menge gab, wohlzutun und sie für den Orden zu gewinnen. Ob unser Junker und sein Diener bei diesen Gesinnungen auch da noch geblieben, als sie alle heiligen und minder heiligen Zahlen von Graben durchgegangen, würde freilich mehr interessiren; doch hängen an der Beantwortung dieser Frage so viele Siegel, dass ich die Hand von dem Tapis des Jupiters nehmen muss, auf welchem er der Menschen Tun und Lassen niederschrieb; von welchem güldenen Vliess den Logen ein Stück in die Hand gefallen sein soll, wie zwar nicht Johannes,
Unter vielen Ceremonien, welche unserm Helden und seinem Knappen Kopf und Herz entwendeten, war e i n e nicht unwichtige, dass sie gleich bei der Aufnahme des ersten Grades ein Paar FrauenzimmerHandschuhe empfingen, um sie den Königinnen ihrer Herzen jetzt oder in Zukunft zuzuwenden. – S o p