tierischen in ein geistiges Leben an; und auch in unsern Tagen tut das Mittel der vermeintlichen Wiedergeburt Wunderkuren: – man ist wirklich besser, wenn man sich fest überredet, es zu sein. Kranke aus Einbildung (gibt's deren nicht mehr, als man glauben sollte?) genesen durch den nachdrücklichen Befehl, zu glauben, sie seien gesund, oder durch die feste Versicherung des Arztes, sie wären hergestellt, o f t i n d e m A u g e n b l i c k , da sie G e s e t z oder E v a n g e l i u m hören. Es gibt Mittel, des Menschen gute Säfte auf einmal zu zerstören – Gifte: gibt's aber Mittel die Säfte des Menschen auf einmal zu verbessern? Vielleicht, – vielleicht auch nicht. Das Wiedergeburtsmittel kann im Moralischen Dienste leisten, ein Universale ist's nicht. Gibt's deren? Der Glaube an sich selbst, das Zutrauen zur menschlichen natur und zur Menschheit wirkt mehr als man denken sollte.
Die vierte Vorbereitung.
Der Mensch ist zur Coexistenz berufen; seine Kräfte können nur durch coexistirenden Widerstand in Handlungen sich offenbaren. Alles an einer Schnur ziehen, heisst ein Marionettenspiel aus dem menschlichen Geschlecht machen. – Ganz einerlei muss nichts werden. – Eine Heerde und Ein Hirte ist ein Hieroglyph von sehr tiefer Deutung. – Wo keine Opposition ist, da gibt's auch keinen Gegenstand von Wichtigkeit. – Das Reiben von Köpfen an Köpfe bewahrt vor Einseitigkeit, die leicht in Stumpfsinn übertritt. Einsames Nachdenken ist darum oft schädlich. Hier hält man gemeinhin für evident, was andern so nicht vorkommt. Zur Teorie taugt die Einsamkeit, – die indess nur dann erst gilt, wenn sie auf dem Probirstein E r f a h r u n g bewährt befunden wird. Ist der Mensch wird und sein kann; wir wissen aber, dass in Gesellschaft, wo sich seine Bedürfnisse vermehren oder vervielfältigen, seine Bestimmung fortgeht – zur Unsterblichkeit. Seine physische und seine moralische Einschränkung wird gehoben. – Der Mensch ist sterblich, das Geschlecht ist ewig. – Seine Privatwerke sind hinfällig, seine publiken trotzen der Zeit. – Bereinigung gibt Kräfte, Mut und neues Leben, die Tugend zu befördern und das Laster zu stürzen. Die ganze Schule muss gemacht, der ganze Kreis muss einmal durchlaufen, es muss alles nicht bloss dogmatisch begriffen, sondern praktisch geübt werden, um endlich aus Ziel zu kommen. Das Kind, das gehen lernt, setzt sich der Gefahr aus, zu fallen, und sollten die Verstandeserweiterungen auch wirklich zunächst unangenehme Folgen haben, – sollten! scheinen diese Folgen nicht vielleicht bloss so? Wären sie aber auch wirklich Uebel, krönt nicht bloss das Ende das Werk? Können wir Böses tun, damit Gutes daraus werde? Sollen wir darum nicht Gutes tun, weil wir den Missbrauch nicht hindern können? Nicht Weizen säen, damit kein Unkraut wachse? Warum nicht lieber sichten als n i c h t ernten? Man lasse Unkraut und Weizen wachsen und bemühe sich, dem Unkraut zu steuern; sicher steht uns eine gesegnete Ernte bevor. – Mängel und Uebel sind weder von unserer Existenz, noch von unserer Coexistenz zu trennen. – Wie? wenn in der Loge der subtile Faden der Ariadne gesponnen würde, welcher nicht den Teseus, sondern den Staat, nicht den einzelnen Menschen, sondern die Gesellschaft durchs Labyrint führt? Man kann der Vernunft in Coexistenz nie zu viel, oft aber wohl zu wenig zumuten. Der weise Stufengang zum Ziel der Menschheit erfordert, dass die Coexistenz in der Gesellschaft, wenn man so sagen darf, inniger und vertrauter werde, dass man die Menschen sich näher bringe; und wäre diess der Zweck der Maurerei, die in ihren Vorhof, in ihr Heiliges und ihr Allerheiligstes alle Arten von Menschen aufnimmt und mit und unter einander bekannt, oft gar vertraut macht, welch eine Aussicht –! Es gibt G e s c h ä f t e , die einen bessern Umgang gewähren, als Bekannte und eine gewisse Art Freunde. – A e c h t e F r e u n d s c h a f t gibt das Zutrauen, sein geheimnis und sich selbst in seines Freundes Herz und Seele zu deponiren. Das hauptmännische Wort E r k e n n t l i c h k e i t ist Todsünde in ächter Freundschaft; doch gibt's Stiefliebe und Stieffreundschaft, bei der Geld borgen der Sand ist, auf den ein Tempel der Freundschaft gebaut wird!
Die fünfte Vorbereitung.
Das ganze menschliche Geschlecht auf einmal ver
Convent zur Constitution der platonischen Republik zusammen berufen. – Ohne Wissenschaft, auf bequemern Schleichwegen, den Schlüssel zu Kabinetsgeheimnissen der natur finden, um von der Geister- und Körperwelt auf einmal Meister zu werden, ist ein Sprung, den die natur nicht begünstigt: s i e s p r i n g t u n s n i c h t v o r ! – Im Stillen treibt sie ihr grosses Werk, langsam, doch sicher, kommt sie zum Ziele. Alles muss ein Kind der Zeit sein und von jedem kann es heissen, seine Stunde ist noch nicht gekommen. Viel (ich sage nicht zu viel), das Meiste muss misslingen, weil das, was werden soll, sonst nicht gut, bauerhaft und bleibend sein würde. Es muss alle Stufen des Drucks durchlaufen, um abgehärtet zu werden.