man sich unsichtbar machen kann: ich wüsste nicht, was ich gewählt hätte," sagte die Baronin; und diese Aeusserung beruhigte ihn völlig. Er schien kein Gürtelliebhaber zu sein. Als ein vernünftiger, welterfahrner Mann hat er zu diesem Gürtelwiderwillen gewiss seine Ursachen gehabt – und wer hat sie nicht? Spät erinnerte die Baronin sich des fürstlichen Beifalls bei dieser Wahl des Schlafs. "W o h l g e s p r o c h e n !" – hatte die Fürstin erwiedert; "d e n S e i n e n g i b t e r ' s i m S c h l a f e ." – Wahr! Eldorado ist unter der Erde! –
Dankbarlich verehrte fräulein B a n i s e die Weisheit ihrer Mutter lebenslang. Sie konnte schlafen, wenn sie wollte, und bemühte sich nicht nur, alles Uebel des Lebens sanft und selig zu verschlafen, sondern hatte auch das Glück, durch süsse und angenehme Träume eins der fröhlichsten Weiber zu sein, die je auf Gottes wachendem Erdboden gelebt haben. Es war ihr immer und in alle Wege so, wie es uns nur zuweilen ist, wenn wir recht ausgeschlafen haben. Jener weise König erwiderte dem Schmeichler auf die Versicherung, dass das gemeine Wesen so lange blühen würde, so lange er nicht aufhörte, so wohl zu befehlen: "Nicht also, sondern so lange das Volk nicht aufhören wird, so wohl zu gehorchen." – Nicht auf das Wachen, sondern auf das Schlafen kommt es an. – Dass ihr eine gute Sentenz erhaltet, eine erbauliche Predigt hört, dass unser Heer siegte, und dass dein Kleid so wohl passt – macht, weil Richter, Prediger, Feldherr und Schneider gut geschlafen hatten. Zum Laufen hilft nicht schnell sein. Alexander schlief an dem Tage, der zur entscheidenden Schlacht mit Darius bestimmt war, so fest, dass sein S c h w e r i n P a r m e n i o ihn mit Mühe aufwecken musste, weil es Zeit zur Schlacht war. – Wer nicht schlafen kann, versteht der zu wachen? Wer nicht ruht, kann der arbeiten? – Unsere B a n i s e ward von ihrem Gemahl, einem schönen reichen Jünglinge, zum erstenmal gesehen, als sie recht charakteristisch in einer Laube schlief. – Wer so schlafen kann, dachte er, ist ein edles, liebenswürdiges geschöpf. Sie ward seine Gemahlin und die Mutter von sieben wohlgeratenen Kindern. Ihre Untertanen liebten sie, wie ihre Mutter, und sie wollte auch nicht gefürchtet sein. Die Worte: g u t e N a c h t a n g e n e h m e R u h e ! sprach sie liebevoll und zuweilen mit einer Art von magischer Kraft aus, so dass die, welche diesen Segenswunsch von ihr empfingen, des Schlafes, der sie geflohen hatte, wieder gewürdigt wurden. Ihren Mann und ihre Kinder hat sie oft auf diese Art curirt. Wenn sie nach abgelaufenem Leben noch einmal hätte zu leben anfangen sollen – sie würde durchaus kein anderes Leben gewollt haben, so schön war ihr Schlafleben. – Ihre Krankheiten verschlief sie, und nach späten Jahren sagte man im Geist und in der Wahrheit von ihr: sie sei nicht gestorben, sondern eingeschlafen. Sie ruhe wohl – –!
Bei der
Legende vom ungebornen
Unglücklichen
will ich mich kürzer fassen. Der ungeborne Unglückliche kam glücklich auf die Welt und war ein allgemein geliebter, schöner und fester Junge, der überall auf Händen getragen und gestreichelt wurde. Sein Milchbruder, der Sohn seiner Amme, brach in seiner Gesellschaft dreimal den Fuss und siebenmal den Arm, ward aber allemal so wohl geheilt, dass man bei jedem Bein- und Armbruche Gottlob! sagte, weil es nicht der Hals war. Unser Unglücklicher zerbrach sich nichts und auch nicht den Kopf, indess wusste er mehr als seine Kameraden; es kam ihm alles im Spielen. Die Eltern, welche wegen der Prophezeiung den Knaben fast aufgaben, wurden bei ewigen ausserordentliglauben anfingen, die Drohung der Fingerlein hätte einen verborgenen Sinn, und die Bangigkeit, die sie der Mutter und dem Vater des Ungebornen halber auferlegt, wäre die einzige Strafe, die man beabsichtigt hätte. Auf den grünen Auen dieses süssen Traumes weideten sie sich so lange, bis ein irrender, ein landfahrender Philosoph – oder Scholasticus ambulans, wie sie zu unsrer Väter zeiten genannt wurden, und deren es oft so viele wie der irrenden Ritter, aber weniger als der ewigen Juden (Juifs errants) gegeben haben soll – diese Strasse zog unfröhlich. – Da sein Beruf bloss dahin ging, alles, was guter Dinge schien, zu betrüben, so erzählte er den in ihrem Glauben beglückten Eltern die geschichte des Polykrates, dem alles gelang, und der, als sein Freund Amasis, weiland König in Aegypten, ihn ersuchen liess, seinem Glück einen etwas bittern Geschmack zu geben, seinen köstlichen Ring ins Meer warf, nicht um mit diesem, wie die Dogen von Venedig, eine Art von Liebesverbündniss einzugehen, sondern um sich etwas, das ihm wert war, zu entziehen. Siehe da! nach einigen Tagen erhielt Polykrates einen fisch zum Geschenk, der, als aus ihm eine stattliche Fastenschüssel bereitet werden sollte, dem glücklichen Polykrates den Ring, den er verschluckt hatte, mit den harten Zinsen seines eigenen Lebens wiederbrachte. Amasis, der viel zu klug war, es mit einem so glücklichen Freunde