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, und dass auch das witzigste Schelmstück mit Steckbriefen verfolgt würde, und mitunter auch an Jupiter und an die Ziege gedacht hatte, fing der Junker wie aus dem Schlaf erwacht an:

Michael, wer ungehört verdammt, ist, um das Wenigste zu sagen, ein schlechter Richter.

Wohlgesprochen, gnädiger Herr! Gehört aber der Werbehauptmann zu den Nichtgehörten?

Allerdings.

Hörten wir nicht die Schwiegermutter, die alles so zum Besten lehrte, als es schwerlich der Werbehauptmann zu kehren im stand sein würde, und sahen wir nicht seine Frau?

Der gewiss nichts von Anlage zur Vorentaltung und Verkürzung der Montirungsstücke anzusehen war.

Mit Ew. Gnaden Erlaubnis mehr als zu viel. Eine Frau, deren Gemahl den Abschied nehmen muss, die einen Vater im Meierhofe besucht, sollte die, Ew. Gnaden sind ein gerechter Richter, so sein als sie war?

Vergiss nicht, dass sie Maurerschwester ist.

Und wenn sie Maurermutter wäre, gnädiger Herr, ich weiss, Sie sind mit der Wahrheit noch näher verwandt als mit Schwester und Mutter.

Der Junker sank wieder in seine dreiviertelstündige Stilleund nach ihrem Ablauf; Michael: ich kann den Werbehauptmann der Verkürzung und Vorentaltung der Montirungsstücke halber nicht entschuldigen, so sehr ich's wollte. In Kleinigkeiten niedrig handeln ist schändlicher als im grösseren. Es ereignen sich dazu die Gelegenheiten so oft. – Das Gemüt scheint verderbter. Da es nicht einmal einem Dreier widerstehen kann, wie weit tiefer wird es bei grösseren Versuchungen sinken? Auch ist man geneigt anzunehmen, dass ein dergleichen Mensch mit der Gewohnheit zu fehlen so amalgamirt sei, dass es bei ihm auf keinen Kampf, auf keine Gewissensbedenklichkeit weiter ausgesetzt wird. Man sagt, Lord –, der vielleicht von Käuflichkeit der Parlamentsstimmen traurige Erfahrungen gemacht haben mochte, behauptete, merke wohl, in einer Damengesellschaft, dass jede fräuliche Tugend verführbar sei.

In Damengesellschaft? fragte Michael.

Wie ich dir sage.

Und die Damen?

natürlich widersprachen sie, besonders e i n e . – Eine Million Pfund Sterling, rief er, und die Dame schwieg. Geld her, der Kauf ist richtig, nahm er sich die Lordsfreiheit zu sagen. Zugegeben, dass er den Streit gewonnen, was meinst du von der schweigenden Dame? Ich nehme sie zur Frau, heute lieber als morgen.

Und ich stehe für ihre Tugend.

Michael, du übernimmst eine grosse Bürgschaft!

Wer kann's bieten? –

Wir sind m e h r als einig, Michael?

Desto besser!

Daran zweifle ich, besser wär's, wir wären n u r ewig.

Ist der Unterschied zwischen m e h r und n u r so gross?

Weisst du, was mir sicherer als die Tugend deiner Millionpfundsterlingsfrau dünkt? – Dass der ein elender Mensch ist, der mit Pfennigen seine Tonnen Goldes vermehrt, mit Verkürzung der Montirungsstücke seinen Hauptmannsposten

Gedacht gerade wie Sie, nur hätt' ich diess Holzbündel so nicht zu legen gewusst.

Dass du nur des Hauptmanns halber den Maurerorden nicht leiden lässt.

Ich will's versuchen.

Versuchen?

Wär' er Hauptmann, nicht Werbehauptmann, unbedenklich.

Das hohe Licht des Ordens soll eben sowohl dem verstand als dem Willen leuchten, nicht wahr?

Bei meiner armen Seele, so denke' ich. –

Es verdriesst mich, dass du nicht unrecht hast.

Es verdriesst mich selbst, gnädiger Herr, dass ich recht habe.

Die

§. 92.

Pferde

hatten während des vorigen Pistolenparagraphen sich zuweilen so gebäumt, dass besonders Michael Mühe hatte, das seinige in Ordnung zu halten. Die Pferde? Eine wohlverdiente Frage. Freilich hätt' ich's bei der Auslastung, und wenigstens beim Auszuge bemerken sollen, dass die Wanderschaft zu Ross begann, und wie könnt' es anders? Ein Junker, der auf Orden es anlegte, und ein Protagoras, der einen neugierigen ordensdurftigen Gamaliel zurückgelassen hatte, mussten wohl natürlich zu Ross diesen Weg antreten. A la Don Quixote? Mit nichten. Denn erstlich hatten unsere Pferde keinen Namen; zweitens waren hier Herr und Diener, und nicht Ritter und Stallmeister; drittens war ein Stallknecht in ihrem Gefolge, der freilich bei gelegenheit des Leichencondukts dem Stallmeister sehr nahe war, dem indess dieser Titel vorüberging (– bald hätt' ich W ü r g e n g e l v o n T i t e l geschrieben; sind Titel es nicht gemeiniglich? –); viertens führte der Stallknecht noch ein Reservepferd, dass drei Menwaren (da die heilige Zahl an Menschen erfüllt war, warum sollte man diese Perle der Heiligkeit bis zu den Pferden herabwürdigen? –); fünftens hoffe ich, dass vom Stallknecht wenig oder gar nichts vorkommen werde. Sechtens und siebentens behalte ich für michum meiner Leserwelt gelegenheit zur Vollendung zu gebendamit ich diesen Paragraphen so leise, wie mein Held zu seiner Zeit die tür, zuziehe. Lacht nicht oft mancher über den Don Quixote, der es ärger macht, als dieser brave Ritter von trauriger Gestalt? Und wie viel Fürsten und wie noch viel mehr Minister, treiben in ihren Regierungskreisen Don-Quixoterien, freilich auf andere M a n i e r ! Don Quixote gab bei trauriger Gestalt Lustspiele; jene Staatsruderer geben bei der fröhlichsten Gestalt Tragödien. Cervantes kurirte die Spanier, Rabelais die Franzosen, und viele Durchlauchten und Excellenzen verderben Staaten und Länder bis in Grund und Boden. Wie wird unser

§. 93.

Empfang

sein? Der voreilige Begleiter