so gern sie ihr Werbnetz ausgestellt hätte, um an einem so liebenswürdigen Jünglinge einen Verehrer mehr bei ihrer Fahne zu haben, so konnte sie doch weiter nichts als ihm einen schreienden blick über den andern zuwerfen und ihn versichern, dass sie ihn in – anmelden würde. Unserm Junker gefiel die Maurerschwester so wenig als dem Begleiter, der, da sich die Reisenden ihre Herzen ausschütteten, die Meinung äusserte, dass ein Tanz-, Spiel- und Singmeister es in kurzer Zeit unendlich weiter beim Frauenzimmer als ein Gamaliel bringen könnte. Auch ich, Michael, versetzte der Ritter, finde die Verschwiegenheitsschwestern viel vorzüglicher als die Maurerschwestern, wenn ich von dem, was ich von beiderseits Schwestern kenne, auf das, was ich nicht kenne, schliessen soll. Die Mutter konnte sich nicht entbrechen, ihrer Tochter eine herrliche Standrede, und zwar auf Kosten des Werbehauptmanns zu halten. Sie befände sich, sagte sie, bei weitem nicht in den glücklichen Umständen, die sie sich selbst und so viele Weltmenschen ihr prognosticirt hätten. – Die vernünftige Mutter des weiland Herrn Egalité ward, wie man sich ins Ohr sagte, aus Verdruss über die vermeintliche Wissheirat noch einmal Mutter. – Aus Verdruss? fragte der Junker. Wie ich Ihnen sage, beteuerte die Referentin. Mit Tränen beklagte die Mutter diesen Verdrussschritt, nachdem sie die Aufklärungen des Rechtsfreundes erfuhr. – Zu spät! wie doch die Rechtsfreunde immer zu spät kommen und ausserdem, dass die Mutter des Werbehauptmanns einen Sohn zur Welt brachte, ausserdem dass dieser Sohn ihr das Leben in den Wochen kostete, verband der Schwiegervater sich aufs neue ehelich, und den Kindern erster Ehe ist nicht nur durch die von einem Rechtsfreunde erkünstelten Pakta viel entzogen, sondern die Schlangenlist der jetzt florirenden Frau Gemahlin würde' ihnen gern noch die Ueberbleibsel entziehen, um sich und ihre Kinder, die gewiss zu erwarten wären, desto mehr zu bereichern. Was den Junker am meisten befremdete, war die Nachricht, dass der Hauptmann das Unglück gehabt, seinen Abschied zu erhalten, den er wegen überwiesener Vorentaltung und Verkürzung der Montirungsstücke suchen müssen, um nicht noch obenein zur beschämenden Strafe gezogen zu werden. – Der gewesene Findling wollte zwar die Frau Gemahlin zu mehr Zurückhaltung bringen, indess war sie nicht zu halten, und er mochte husten, winken und drein reden, soviel er wollte, der Candidat der Loge zum hohen Lichte musste noch wissen, dass der Hauptmann, bloss weil es ihm an dem S c h l a g s c h a t z fehlte, nicht Johanniterritter geworden wäre, wozu ihm indess ein anderer Orden, der ihn für alles gehabte Unglück entschädigte, ohne allen Zweifel verhelfen würde! – Diese weniger treuherzig als aus Bitterkeit abgelegte beichte konnte unserm Novizen in keiner Rücksicht gleichgültig sein, obgleich er aus einigen Stellen der in ordensgemässer Ordnung geführten Correspondenz auf etwas von dieser Art hätte schliessen können. Es waren noch zwei Töchter des Findlings auf der hohen Schule, sonst würde er die Werbehauptmännin mehr als jetzt haben unterstützen können. Auch konnte er in Rücksicht des Ankaufs eines grösseren Guts sich nicht entblössen; und wusste er denn schon, was Heraldicus junior für den Meierhof geben würde? Mit der geerbten Handbibliotek, aus Gebet- und Gesangbüchern bestehend, würde weder dem Werbehauptmann und noch weniger der Frau Gemahlin gedient gewesen sein, wenn Findling sie, das Werk mit den Hieroglyphen von Familienanzeigen nicht ausgeschlossen, der Tochter oder dem Schwiegersöhne verehrt hätte.
So geneigt der Junker und sein Begleiter waren, den Meierhof sogleich zu verlassen, so konnten sie's nicht, da sie beim Willkommen zu einem längern Besuch die Verbindlichkeit eingegangen waren. – Doch kürzte man so viel ab als möglich, und kaum waren die Reisenden in freier Luft, als folgendes Gespräch wie aus der
§. 91.
Pistole
fiel. Bis jetzt ist unter unsern Reisenden fast immer klüger geantwortet als gefragt worden. Man gibt diess unsern Katechismen schuld, wo der Frager vorschriftmässig weit dummer als der Antworter ist. Kein WunHolzbündel beibehielt. Vielleicht verändert sich in §. Pistole die Scene, wenigstens gibt's Fälle, wo Pistolenfragen und Antworten von ganz besonderer Art sind. Was vom Werbehauptmann zu denken? Freilich, sagte der Junker, wäre es besser, wenn Er über der Berechnung, ob Mann oder Frau, Braut oder Bräutigam früher sterben würden? seine Montirungskammer-Rechnung nicht vernachlässigt und hier nicht eine wahre Rechnung ohne Wirt gemacht hätte. Vernachlässigt? erwiderte Michael. Seine Sache steht schlechter. Ich verwette meine Montirung mit Ew. Gnaden erlaubnis, er hat seinen armen Untergebenen zu viertel und halben Ellen entzogen – und das schreit gegen Himmel. Dem Junker gingen alle die schönen Sentenzen durch Herz und Kopf, wodurch der Werbehauptmann ihn so gewaltig einnahm; doch fiel ihm auch die Behauptung der Ritterin ein, der Hauptmann zwirne seine Ausdrücke. – Das Wort E r k e n n t l i c h k e i t hatte schon damals, trotz der Ziege Amaltea, die den Jupiter auf dem Berge Ida ernährte und deren Fell er zum Tapis machte, um hier der Menschen Tun und Lassen aufzuzeichnen, – den Junker etwas kopf- und herzscheu gemacht, und verfehlte nicht, sich jetzt wieder anzumelden. – – Nach etwa drei Viertelstunden, während welchen unser Held in tiefer Stille an die Zählung der Vokale, an alle die herrlichen Versicherungen, dass man im Orden keine Schlechtigkeit dulde, wenn gleich sie sich in List verkleidet und mit dem Schein des Rechts schmückt