nicht.
Das heisst, du hast Lust und Liebe, zu glauben?
Allerdings.
Und wann?
Wenn ich sehen werde.
Tor! dann wirst du wissen und nicht glauben.
Michael behauptete, dass, wenn ihm wirklich etwas erscheinen sollte, wogegen er so wenig etwas hätte, dass er's vielmehr wünschte, er zwar sehen, indess doch noch nötig haben würde, zu glauben; denn, setzte er hinzu, wie leicht kann uns etwas vorkommen, als sähen wir's, und wir sehen es nicht? – Kann man nicht träumen, als wache man, und wieder wachend träumen? Schein und Erscheinung tun oft so vertraut, als wären sie nahe verwandt, und doch sind sie verschieden, wie Wahn und Wahrheit, wie Einbildung und Wirklichkeit. Ich setze Zehn gegen Eins, Herkules sah Wollust und Tugend nicht mehr und nicht weniger, als Ew. Gnaden und ich, und mit Ew. Gnaden erlaubnis, als unser selige Herr Jerusalem.
Der Junker hatte grosse Luft, Michaeln den B l i t z - , K n a l l - und T h ü r v o r f a l l zu erzählen, der ihm zur Zeit des Vorganges gar nicht auffiel, indem er sonst schwerlich die Tür so gemächlich und leise zugezogen haben würde, und der Entdeckung des Werbehauptmanns in Punkto des Früher- oder Spätersterbens der Ehe- und Brautleute zu erwähnen: indess erwog er wohlbedächtig, dass man bei der Loge z u m h o h e n L i c h t drei Jahre auf der Exspectantenliste bleiben müsste, wenn nicht nach Umständen diese Wartezeit um etwas oder um alles verkürzt wird; und so blieb er verschlossen, um mit seinem Michael zuvor noch mehr Salz zu verzehren. – – Herkules verlor übrigens so wenig durch die Kritik des Herrn, als des Dieners, und tat wohl, sich geduldig ihr zu unterwerfen. Hätt' er ja was übel nehmen können, so war es der Umstand, dass der Junker den Werbehauptmann, trotz des Wortes E r k e n n t l i c h k e i t , ihm nicht weit nachsetzte. Herr und Diener kamen darin überein, sich auf dem geradesten Wege zu befinden, um etwas zu sehen, und diess brachte auf die Frage: was jeder zu sehen wünsche?
Mit dem lieben Wünschen! fing der Junker an. Du weisst, dass es mir in meines Vaters haus, das jedem Wohlerzogenen offen stand, nicht an gelegenheit fehlte, Menschen kennen zu lernen.
Besser, versetzte Michael, sie wären nicht Wohlerzogene gewesen, besser von Strassen und Zäunen, als mit hochzeitlichen Kleidern!
Nicht also, erwiderte der Junker, der rohe Mensch hat seinen Mantel, so wie der Erzogene, sie sind nur von anderem Schnitt und anderer Farbe! Es geht bei Menschenbeobachtungen kein Haar besser, wie beim stark besetzten Concerte, wo man, beim Geräusch der stärkeren Instrumente, die Violinisten zwar spielen sehen, nicht aber hören kann. – Der Gastvetter, der den herrlichsten Seelenhonig, wenn gleich auch manchen Seelenstachel, in Rosental zurückliess und dessen Sache so wenig das leere Fach der Titulatur oder Spekulation war, dass er vielmehr im Ganzen alles ganz herrlich einzugliedern verstand, machte mich auf die Instrumente der Wünsche aufmerksam, welche die Menschen so ganz verschieden spielen. Wünsche, Michael, sind nichts mehr, nichts weniger, als Gebete, mit dem Unterschiede, dass der liebe Gott Gebete hören soll, Wünsche aber nicht. Gelt! – Gamaliel war nicht anderer Meinung? – Wünsche nimmt sich der Mensch so wenig übel, dass man ihn eben dadurch, im gemeinen Leben, fast handgreiflich fasst. – Diese Wünschelrute, die mir der Gastvetter behändigte und die mir bis jetzt noch um richtigsten schlug, habe ich, um Menschen zu kennen, in Gegen gebraucht. Kannst du glauben, dass der wahre Geizhals sich selbst nicht viel wünscht?
Andern gewiss noch viel weniger, fiel Michael ein.
N i c h t a n d e r s , erwiderte der Junker.
Vielleicht aus Neid? sagte Michael.
Aus Geiz.
O des Toren!
Neid und Geiz sind oft nahe, oft sehr entfernt verwandt, was ich dir aber sage, aus purem Geiz.
Mit Ew. Gnaden erlaubnis scheint mir dieser Eingang der Frage, die beantwortet werden soll, nicht günstig zu sein! Wie wär's, wenn wir diese Frage auf eine gelegenere Zeit aussetzten?
Freilich würde Nachdenken uns hier und da auf etwas bringen, das sich vielleicht besser hören liesse, was aber nicht aufrichtig genug wäre. – Zum Lippendienst, zur Herzentfernung.
Wie Ew. Gnaden befehlen.
Unser Herr und Diener hatten sich einmal vom Ziel entfernt und konnten aus der Materie, warum der Mensch so sehr zur Heuchelei geneigt wäre, nicht herauskommen. – Dass selbst elende, von Grund aus böse Menschen, wenn sie mit ihren Helfershelfern einen Rat halten, sich die Schädlichkeit ihrer eigentlichen Absicht zu beschönigen Mühe geben; und dass, wenn gleich jeder dieser elenden, von Grund aus bösen Menschen und ihrer Helfershelfer, weiss, die angegebene sei nicht die wahre Absicht, man doch nach dem Scheine buhlt: – war beiden ein Wort zu seiner Zeit.
Wehe über den Heuchler, s a g t e d e r D i e ner.
Warum denn? d e r H e r r .
Weil er heuchelt!
Willst du denn, dass er so sich