mit langen Flören, die von den Hüten bis zur Erde hingen. Dann folgten s i e b e n j u n g e n L e u t e , die bei der Rosentalschen Domänenkammer angestellt waren, schwarz gekleidet. Diesen waren die vorzüglichsten Insignien des Johanniterordens anvertraut, wozu auch ein Foliobuch, um die Ordensregel anzudeuten, gehörte. – Ein altes Rechenbuch leistete mit vielem Anstande diesen Dienst. Der Kammeldirektor trug auf einem schwarzen Kissen den Orden. Auch hatte er den Auftrag, wenn man den Sarg beisetzte, demselben die feste Versicherung anzugeloben, dass nach wenigen Generationen diese Sonne wieder aufgehen würde. Der Kammerrat, welchem man den Schnabelmantel zugeteilt hatte, war so unbeholfen, dass er dieses Ehrenstück dreimal fallen liess; auch dem Kammerdirektor entfiel, wiewohl nur einmal, der Orden. – Jetzt ward e i n e F a h n e d e s K r e u z e s getragen; zu beiden Seiten gingen M a r s c h ä l l e mit Stäben. – Der F ä h n r i c h und die M a r s c h ä l l e waren mit mehr Flor von oben bis unten behangen, als alle andern. Man hatte diese drei Subjecte aus einer der nächsten Städte gemietet, wo Marschälle und Fähnriche wohlfeil zu haben waren. Die Leiche ward von sechs mit schwarzem Tuch behängten Pferden langsam gezogen. – Unser Held war mit der Zahl 6 unzufrieden und wünschte überall 9. Warum? Weil sein Conductor bei gelegenheit als er seinem Novicius die Zahlenobservation nahe legte, die Zahlen 3, 7, 9 und 10, als Vocale unter den Zahlen, mit Ehrfurcht nannte. – Vocales unter den Zahlen? – Hat nicht alles in der Welt seine Vocales? dachte unser Novicius. – Die zwölf Aeltesten gingen zu Fuss neben her. Unweit der Kirche erschien der Schulmeister und Organist mit seinem Musenchor von neun Knaben, die aus vollem Halse das Ritterlied: Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, nach der Verbesserung des Pastors abschrien. – Bald hätt' ich vergessen, dass drei Wagen mit sechs Pferden bespannt die Leiche begleiteten. – An der Kirche ward der Sarg von den Zwölfen vom Leichenwagen gehoben und bis zum Altare getragen, den der Pastor erstiegen hatte, um über die Johanniterordensworte, O f f e n b a r u n g J o h a n n i s XII. B. 7 bis 9 eine rührende Leichenrebe zu halten. Die Worte lauten wie folgt: Und es erhob sich ein Streit im Himmel. Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel und siegte nicht, auch ward ihre Stärke nicht mehr funden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der grosse Drache, die alte Schlange, die da heisst der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführt, und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen! – Die oben bemeldete Procession stand während der Leichenrede am Altar.
Ob es dem Pastor leicht oder schwer geworden, die Regeln der Taktik bei diesem himmlischen Kriege zu enträtseln und die Türken, den Grossherrn, Grossvezier, Veziere, Bassen, Agas in dieser Weissagungsstelle zu finden, muss ich wohlerfahrnen Auslegern der Apokalypse zu entscheiden überlassen. Cato schloss alle seine Reben: ego vero censeo, Cartaginem esse delendam; und unser in Gott ruhender Ritter behauptete bei der Anwesenheit des in Gott andächtigen Consistorialrats und seines weltlichen Gesellen, dass viele Geistliche ihre Texte, so wie viele ungeschickte ärzte ihren Patienten, behandelten, und an seinem Prediger Exempel nehmen könnten, der mit seinen Texten, auch selbst mit den widerspenstigsten, die sich schwer deuten liessen, sanft, wie mit gutartigen Kindern, umginge. Es war nichts ü b e r e c k in der Leichenrede, sagte der Nachbar, der bei gelegenheit der Aufnahme unseres Helden an der Verschwiegenheit zum Ritter ward, obgleich wenn er auch der wohlerfahrenste Scheidekünstler in der Redekunst gewesen wäre, es ihm Mühe gemacht haben würde, hier etwas a u s z u s ü ss e n und a b z u s i e g e n . Die Ritterin war zu betrübt, um sich durch eine Altarrede über Michael und seine Engel stören zu lassen. Desto besser! – Protagoras der Begleiter war so stolz, als würde sein Namensfest gefeiert. Die Kunst zu trösten war unseres Leichenredners Sache nicht; und die meisten Menschen sind leidige Tröster. – Wer nicht das Herz künstlich verwunden, den halb oder am unrechten Orte gebrochenen Arm künstlich und gehörig ganz zu brechen versteht, besitzt auch die Kunst nicht, zu heilen und zu verbinden. Die Nachbarin und ihre Töchter waren des kritischen Dafürhaltens, dass unser Leichenredner auch selbst in der Offenbarung Johannis einen bessern Text hätte auftreiben, können; indess nahm sich unser Vocalheld Michaels und seiner Engel an, und die Damen traten bei. – Da ist ja, sagte der Nachbar auf den Junker und seine Tochter zeigend, M i c h a e l u n d s e i n e E n g e l ; und machte seine Töchter rot – den Junker nicht. – Der B e g l e i t e r lächelte; ich möchte wissen, warum?
Als etwas Besonderes ward bemerkt, dass auf Stirn und Gesicht unseres Ritters sich keine Falte zeigte. – Kein Fluch, sagte die Ritterin, beunruhigte den Seligen; seine Rechnung war rein und