lieber G r e i f , du wirst nicht zu kurz kommen! du braver Hund! – Wird aus der E r s c h i e n e n e n eine B l e i b e n d e , aus fräulein U n b e k a n n t fräulein B e k a n n t , so grüsst S o p h i e n von mir. Gern hätt' ich sie näher kennen lernen! Eine schöne person! Ausser meiner Sophie, von der sie viel Aehnliches hat, hab' ich sie nie schöner gesehen. – Lebt alle wohl und sterbt, wenn euer Stündlein kommt, so glücklich wie ich! – Hab' ich euch, G e m a h l i n oder S o h n , auch nur durch eine Geberde beleidigt – vergebt! und findet es sich, dass ich ohne mein Wissen jemand Unrecht getan, berichtigt es u m G o t t e s w i l l e n ! Ich ging meinen Lebenslauf peinlich durch und fand nur zweierlei zu ersetzen, obgleich beide Fälle noch zweifelhaft bleiben. Lieber leiden als leiden lassen; doch wer kann wissen, ob er nicht unwissend fehlte! Diese Ersetzungen v e r m a c h ' i c h e u c h , ihr guten lieben Seelen, die ich herzlich liebe und lieben werde ewig, ewig! – Er gab jedem die Hand und lebte nach diesem Abschiede noch drei Tage und dreimal drei Stunden, wie unser Held es sorgfältig verzeichnete, der nach der Abreise seines Freundes auf die Zahlen starke Jagd machte. Auf seine Rechnung gehören die Zahlen, die so wie überhaupt, so insbesondere in den letzten Paragraphen vorgekommen sind und ohne Zweifel noch vorkommen werden, obgleich unser Held gewiss auch nie vergass, sich alle Monate drei Hemden anzuziehen und sich gewisser speisen zu entalten. Getrost aus grundsätzen sterben ist ehrenwert, und aus lichterloher Imagination? ist auch nicht zu verachten. Springen nicht Grundsätze oft über den Zaun? laufen sie nicht zuweilen aus der Schule? – Es ist gut, sie durch Imagination zu binden, die sich oft auch mit Exaltation verträgt und da noch ihre Kraft behauptet, wo Grundsätze bestehen – wie Schnee in der Sonne. – Nach einiger Zeit empfahl der Ritter seinem Sohne einen
§. 76.
Begleiter,
der seinen Paragraph hinreichend verdient. Protagoras war in seiner Jugend ein Tagelöhner, der, ausser vielen anderen Tagelöhner-arbeiten, auch Holz zu tragen verpflichtet ward. Demokritus, der ihm begegnete, fand das Holz so geschikt zusammengelegt und gebunden, dass er den Protagoras befragte: wer es so künstlich zusammengebracht habe? und nachdem der Holzträger seine Behauptung, es selbst zu sein, in seiner Gegenwart durch einen tätlichen Beweis ausser Zweifel gesetzt hatte, ward er ihn zu seinem Schüler, wie der Werbehauptmann unsern Helden; – und der Holzträger ward ein Philosoph. Setzet anstatt Protagoras und Demokritus Pastor und Michael, und anstatt des Holzbündels den Katechismus, so wisst ihr, woran ihr seid, und was ich sagen wollte. Dieser Knabe legte das Holz des katechetischen Unterrichts so meisterhaft, dass der Pastor ihn dem Ritter empfahl, der ihn dann gemeineren arbeiten entzog und zu einer bessern Klasse der Dienste bestimmte. Michael hätte vielleicht Protagoras werden können, wenn unser Pastor Demokritus gewesen wäre, wozu er indess keine Anlage zeigte. Vielmehr besprengte unser Pastor dass sie ganz etwas anderes ward, als sie von natur wegen hätte werden können. Der testirende Ritter wählte ganz von ungefähr einen Ausdruck, der unsern Michael ziemlich deutlich bezeichnete: B e g l e i t e r ! Zwar nahm ihn von stunde an unser A B C als Diener zu sich, doch war Michael mehr. – Und was? – Frage, Freund: was nicht? Denn mit mehr kann ich in diesem Paragraph nicht dienen. Michael gehörte nicht zu Teaterdienern, die, wenn sie gleich, so wie er, mitsprechen und mitandeln, es immer auf eine Weise tun, die weder den Herrn noch seinen Diener gekleidet haben würde. Michael war nicht der Leib, und sein Herr die Seele, – oder umgekehrt; – doch machten sie ein Paar, das schwerlich sich besser zusammen finden konnte.
Die Ritterin hatte, ohne dass das Schlafstübchen der Frau Landpflegerin (ausser in Rosentalschen Träumen) nur angefangen, geschweige fertig war, einen
§. 77.
Traum,
der auf den Hintritt ihres Gemahls anspielte. Sie sah einen Ritter in voller Kleidung auf einem weissen Pferde um das himmlische Jerusalem dreimal herumreiten, den Kopf unter dem Arm, den Sattel des perlen! In der Regel bedeuten sie Tränen; und in der Tat, die Ritterin beweinte ihren Verlust bitterlich. Sie liebte ihren Gemahl bis in den Tod! – Ach, es war ein gutes Paar! – Dieser Traum der Ritterin, der wegen seiner Bescheidenheit wenig Anhang fand (Traum- und Wunschbescheidenheit findet selten Beifall), ward durch Dinge von grösserer Wichtigkeit ganz und gar verdrängt. Da hatte man einen alten Herrn in langem schwarzem Mantel gesehen, dessen Schleppe den ganzen Kirchhof bedeckte, und dieser Herr war so gross, dass er sich mit dem Kirchtum mass, und da er weit über ihn hinwegragte, schämte sich der Kirchturm, dass er blutrot ward. Dieser Ritterriese liess sich zwischen 11 und 12 Uhr in der Nacht sehen; doch nur Sonntagsaugen erblickten ihn in Lebensgrösse. Einigen Alltagsaugen kam er nicht viel grösser vor, als ein