, ich sehe keine finstre Wolke, ich höre keine Donnervorboten. Nichts klirrt mir wie Ketten, ich gehe ins Land der Freiheit. Alles ist so heiter und ruhig um mich her, dass es eine Lust zu sterben ist. – Weiss ich, was ich war, als mir die Menschenrolle zugeteilt ward? Und warum will ich wissen, was ich sein werde, da der Vorhang fällt und da mein Gewissen mir klatscht? – Ich komme auf eine andere, höchst wahrscheinlich auf eine höhere klasse, – auf eine bessere, als Prima und Secunda in Jerusalem waren, ohne allen Zweifel. – Der Tod ist eine Wiedergeburt zur Geisterwelt und zu mehr intellektuellen Kräften. – Diese Fackel der Hoffnung soll mir leuchten auf den finstern Pfaden des Todes. – Bald wird diese Rolle ausgespielt, ja wohl a u s g e s p i e l t sein! bald! Kein Tag ohne Linie! der Tod zieht die letzte diesseits – nicht auf ewig! – Der Tod ist feierlich, weil er ein Gast ist, der nur einmal kommt. – Denkt an den Gastvetter und die Unbekannte! Nur drei Wochen länger geblieben und sie wären geworden wie unser einer! Hätten wir mehr in den Orden der Verschwiegenheit aufgenommen, würde seine Aufnahme so feierlich geblieben sein? – würde' ich mich nicht selbst hassen, wenn ich den Tod hassen wollte? würde' ich nicht das Leben hassen, wenn ich zittern und zagen wollte zu sterben? – Der sogenannte Tod ist eine enge Pforte zum neuen Leben und einem veränderten Sein. Wer auf Kosten des Todes lebt, ist ein ebenso grosser Tor, als wenn er auf Kosten des Lebens stirbt. Leben und sterben ist aus e i n e m Stück. Wir machen hier Platz, weil dort uns andere Platz machen. Ohne Zweifel wird es mit dem Erdentode nicht aufhören, sondern noch unendliche Male werden wir sterben, das heisst: zu einem andern und immer bessern Leben befördert werden. Sterben nicht alle, die leben? Werdet ihr nicht auch sterben? Starben unsere Vorfahren nicht? und wer wollte nicht in so guter Gesellschaft sein, wer wohl gern allein übrig bleiben und dem ewigen Einerlei sich unterwerfen, das zuletzt anekeln muss? Wahrlich, wer vorausgeht, hat einen Schritt vor uns. Er hat vollendet; nicht alles, doch das M e n s c h e n l e b e n : – ein besonderes Leben! Kaum hätt' ich Lust und Liebe, es von vorn anzufangen, und doch gab es herrliche Zeitpunkte in diesem Leben. Auch sterben in dem augenblicke, da ich sterben werde, viele hundert Menschen, so dass ich gewiss nicht ohne Gesellschaft bleiben kann. Sicher werden zum Mittagsmahl, dem ich entgegen gehe, viele aus Osten, Süden, Westen und Norden anlangen, die zum erstenmale die Ehre haben, dort zu Tische zu sitzen. kommt es auf die Lebenslänge oder auf die Lebensreife an? Wäre oder schiene der Tod nicht etwas bitter – wer würde leben? – Das Abschiednehmen, die Vorbereitungen sind das Schrecklichste. Ich nehme h e u t e von euch Abschied, meine Lieben! und nach meiner Art etwas weitläufig, damit ich mich, wenn es zum Sterben geht, desto kürzer fassen könne. – B i s a u f s W i e d e r s e h e n ! mehr wird euch mein s t e r b e n d e r M u n d nicht sagen. – Ich denke noch viele Tage, vielleicht viele Wochen bei euch zu bleiben. Lebt wohl, wohl, wohl bis aufs Wiedersehen! – Schrecklich wäre es, wenn wir uns dort zusammenfänden, ohne uns wieder zu kennen! Schrecklich! – Wir werden wiederkommen, gegen Zion kommen! – Freude wird über unserm haupt sein; wir werden uns kennen und erkannt werden, Hallelujah! Hat man einen hohen Turm erstiegen – wer fürchtet nicht herab zu stürzen, obgleich ein Geländer vorhanden ist? Diese Art v o n S c h w i n d e l , diess und nichts mehr nichts weniger ist der Tod. Auf Ehre und Redlichkeit nichts mehr nichts minder! – Auch soll mich niemand betrauern. – Geht, wenn ich begraben bin und auch nachher zuweilen in meine Rittergarderobe. – Solches tut zu meinem Gedächtniss. – Von meinen Bedienten erhält jeder 100 Taler zum Geschenk; ist er untertänig, einen Freibrief. Ausser den Ordenskleidern werden Wäsche und Kleider unter sie verteilt. Sorgt dafür, dass nicht Würmer in die Ordenskleider kommen! es wäre doch Schade! und wie lange sie sich halten können, beweist Kaiser Karls des Grossen alter dalmatischer Rock, mit dem der angehende Kaiser am Krönungstage paradirt, wesshalb ihn so leicht niemand beneiden wird. – – Zwar hat meine Neigung zu Hunden gegen die vorige Zeit abgenommen, doch hab' ich noch unter ihnen Lieblinge, die ihr kennt. Lasst sie meinen Hintritt nicht empfinden. Bedauern werden sie mich ohnediess. – Gebt ihnen, bis ihr Stündlein kommt und sie s t ü r z e n , ihren Unterhalt reichlich und vergesst nicht, dass die Tiere sich wie wir nach Erlösung um Veredlung sehnen! – Ich fürchte, der ehrliche G r e i f stirbt mir nach! – und wenn wir gleich nicht zusammen an einer Tafel essen werden – es sind dort gewiss auch Domestikentische für Seelen der Tiere, da wird er sein Couvert finden. – Gewiss,