nicht mit doppelten Personen belastete, obgleich, wie wir wissen, regierende Herren am leichtesten gemacht und vorgestellt sind. Ein
§. 73.
Brustfieber
überfiel unsern wackern Ritter mitten unter seinen Cirkeln, eine Krankheit, mit welcher der Hausdoktor freilich bekannter war, als mit dem Johanniterfieber, woran der Ritter zu Anfang seines Ehestandes laborirte. Was half aber diese Bekanntschaft? Noch vor Ablauf der kritischen Tage entschlief er so sanft, ruhig und selig, als hätten Engel ihm die Augen zugedrückt. – Er ruhe wohl! Denkwürdig bleibt es, dass in der letzten Session die Frage vom himmlischen Jerusalem aufgeworfen ward, wozu man die Finger zeige in der
§. 74.
Offenbarung Johannis
fand und einbildungskräftig benutzte. Der Tod macht weise, sagte der Ritter; und warum sollten wir an ihn bloss als an den Zerstörer unserer natur denken? warum ihn nicht als Beförderer zur Stadt Gottes, zum himmlischen Jerusalem, ansehen – um uns im Sterben die Bitterkeit des Sarges (wahrlich, der Sarg, nicht der gnosticirt! – Nun war freilich das gelobte-Landes-Jerusalem noch nicht angefangen und der Meister Hans Peter – darüber leider! ins Irrenhaus gekommen. Auch verstand man nicht die Graphik des irdischen Jerusalems, und konnte keinen Bauentwurf auf das Papier bringen; was sollte denn aus dem unsichtbaren Jerusalem werden? Nicht minder wandte die Ritterin sehr bedächtig ein, dass die vielen Perlen und die Edelsteine wohl ihre Kräfte übersteigen möchten, und dass, wenn auch z.B. die Perlen von Glas oder Wachs genommen werden sollten, Regen und Sonnenschein diess Hauptstück im himmlischen Jerusalem verwüsten könnten, so dass keine Perle auf der andern bliebe. Aller dieser nicht kleinen Bedenklichkeiten ungeachtet, entschied doch der hohe Rat für die Meinung des Ritters – der nicht wusste, dass er seine eigene Leichenrede hielt! Und wer weiss es, wenn man seinen Schwanengesang anstimmt? Wer? – Die Ritterin selbst, so perlenschwierig sie anfänglich schien, trat aus Liebe zu ihrem Gemahl bei, ohne sich durch die Pluralität zwingen zu lassen. Vielleicht fiel ihr in dunklen Vorstellungen der treffliche Gedanke ein, dass das gelobte Jerusalem bis jetzt ausser den Sessionsschmäusen noch keinen Dreier gekostet hatte. – Man beklagte, in Rücksicht eigenen Unvermögens und des traurigen Schicksals des verunglückten Maurermeisters Hiram, dass es so wenig Zeichnungen von den interessantesten Aussichten dieses himmlischen Jerusalems gebe, als Symphonien für das himmlische Orchester und Melodien auf die dortige in der Offenbarung mitgeteilte Liedersammlung. Wer weiss es, sagte der Prediger, wie dort die bekannte himmlische Collekte, das dreimal Heilig gesungen werden wird, und ob das Amen des Chorus nicht mit dem Ja dieses Pilgerlebens aufhört! Niemand indess aus der himmlisch-jerusalemschen Gesellschaft brach in den Hymnus aus: Eia! wären wir da! – Die gnädige Frau, die schon in Gedanken in den krystallenen schnurgeraden breiten Strassen ging, indess ohne einen Schritt zu tun und sich von der Stelle zu bewegen, erklärte sich im Geist einer Amazonin, und in den Gesinnungen einer Arria, ihre Perlen ganz gern zu diesem Jerusalem in den Gotteskasten legen zu wollen. Freilich ein Scherflein! Der Pfarrer übernahm den eben abgeschlossenen Plan und der Hofmeister das Notificationsschreiben an den geistlichen Consistorialrat, obgleich der Pfarrer beiläufig erinnerte, dass es noch sehr zweifelhaft bliebe, ob dem hochehrwürdigen Consistorio mit einer vidimirten Copie des himmlischen Jerusalems gedient wäre, als wo sich die Herren Consistorialräte, ob sie gleich dort über alle Johanniterkreuze hinweg zu leuchten die Hoffnung hätten, höchst ungern zu Rittern schlagen liessen.
Der Abschied unsers Ritters war
§. 75.
rührend.
Er tröstete seine Gemahlin und gab seinem Sohne schöne Lehren. – Der Prediger und Heraldicus junior hatten nichts weiter zu tun als den Ritter zu bewundern. "Ich würde unerkenntlich sein, wenn ich vom Vater im Himmel mehr verlangen sollte, als er mir reichlich und täglich gab. Dank ihm, dass ich lebte und dass ich sterbe! Ein Geschenk hätte ich freilich mit Danksagung empfahen: – sechzehn Ahnen für meine Sophie! Da war aber am Emsigen kein Tröpflein adlich – und ihm konnte weder durch eine Enkelin eines Fräuleins, noch durch tausend Atteste von Rechtsfreunden etwas beigelegt werden, was ihm in allen seinen Vorfahren bis auf Adam, den ich ausnehme, n i c h t zustand." – Ich habe ihm keinen Stein in den Weg gelegt, weder zu wasser noch zu land, und er wäre mir in Amalfi so willkommen gewesen, wie der Nachbar, der mir die Zinsen so richtig zahlt. – Wer weiss, welchem Guten auch unangenehme Vorfälle den Weg bahnen! Die Planzeichnung des gelobten Landes Jerusalem ist fertig, und wäre Hiram nicht im Irrenhause, so würden freilich die heiligen Oerter auch in natura vollendet sein – bis auf das himmlischlossen ward und welches ich in kurzem im Original schauen werde. Gern würde' ich euch Zeichnungen senden, wird es aber angehen? Dass ich lieber David und Salomo in e i n e r person, als David allein gewesen wäre, wisst ihr so gut wie ich. Doch murr' ich nicht, und gern stellt es David seinem Sohne Salomo anheim, ein Werk zu vollenden, das herrlich angefangen ward. Ist dem Salomo diess Werk bedenklich, da ihm die Ehre versagt ist, Johanniterordensritter zu werden, so fange er immerhin ein anderes an – nach Belieben. – Mein Segen über ihn und über sein Dichten und Trachten in diesem und jedem andern W e i n b e r g e d e s H e r