erholt hatte, Worte aus lauter Vokalen bestehend finden – die man vielleicht nur in Eldorado haben wird; sie sollten Ihnen gewidmet sein! – Unser Held tat nichts als Vokale in den Namen zählen, so dass ihm die Consonanten als Leib, jene als Geist vorkamen. – Wie indess doch alles sein Aber hat, so ward er durch die Diphtongen gewaltig zurückgesetzt. Sein Lehrer hinterliess ihm wegen der Diphtongen solche extrafeine Regeln, dass diese sonst so leichte Kunst dadurch nicht nur ins Gedränge kam – sondern auch, was bei weitem das ärgste war, nicht Wort hielt. Unser Held hatte sein Wort schriftlich gegeben, nichts von dem, was zwischen ihm und dem Werbehauptmanne vorgefallen war, zu entdecken. Hierdurch gewann nicht nur der Bräutigam bei unserm Helden, sondern unser Held gewann auch in seinen Selbstaureichsfreiherrlichen haus, den Pastor und Heraldicus dazu addirt, verborgen war. – Ein Hauptreiz aller geheimen Gesellschaften, von wannen sie auch kommen und wohin sie auch fahren mögen! Gibt es nicht, sagte der Werbehauptmann, überall Geheimnisse, in Kabinetten, in Kosmopoliten-Clubs, in schulen der Weisen, und in den Kirchen der Gläubigen? geheimnis ist der Busenfreund eines glücklichen Erfolgs, der gültigste Bürge eines erwünschten Ausganges; geheimnis zerbricht die feurigen Pfeile des Schwächlings und des Bösewichtes, des Verdachtes und der Bosheit. – Noch hatte ihm der Werbehauptmann einige diätetische Regeln in die Hand gedrückt, als da sind: alle Monate drei Hemden anzuziehen – sich vor gewissen speisen zu hüten, und besonders auf gewisse Zahlen zu merken. Seine vorletzten Worte waren: Freund, es trügt mich alles, oder Sie sind zum Vokal unter den Menschen bestimmt. Schon find' ich in dieser romantischen Gegend, in der Denkart Ihrer Eltern, in der Physiognomie dieses Schlosses, seiner Bewohner und Gäste so viele Ordensorgane, dass Sie den Tag dreimal glücklich preisen können, da mich der Bedarf eines Zeugnisses zu Ihnen brachte. Das Instrument ist da; es darf nur gestimmt und gespielt werden. – Glücklicher Zufall! rief unser Held, wer sollte denken, dass so viel Gutes aus dem kleinen Umstande erstehen kann, wenn ein fräulein eine Enkelin hat! Und das letzte Wort des Werbehauptmanns?
§. 71.
Erkenntlichkeit.
Nicht doch! – Gewiss. – In Silber und Gold? – So schien es; – indess war diess Wort mit schönen Phrasen verbrämt, die unser Bruder Redner wie Sklaven in seiner Gewalt hatte. Ist es nicht Ordenssprache? Ich sollte glauben. Unsere Ritterin bemerkte, der Hauptmann zwirne seine Ausdrücke. Nicht übel, da zwirnen zwei Fäden in einen bringen heisst. Doch schien er bei diesem an sich schweren Worte, an dem höchsten und niedrigsten, an dem so viele scheitern und fraudulose Bankerotte machen – ebenfalls zu kurz zu schiessen. – Jupiter, fing er sehr patetisch an, erhob das Fell der Ziege Amaltea, die ihn auf dem Berge Ida ernährte, zu ihrem Andenken zur Diphtera, zum Tapis, zur Schreibtafel, wo er der Menschen Tun und Lassen aufzeichnete. – Einen Anfang, der dem geistlichen Consistorialrat, als er voll süssen Weines war, Trotz bietet! Da es indess in der Geschwindigkeit ihm nicht gelingen mochte, das Fell der Ziege, den Berg Ida, Tapis und der Menschen Tun und Lassen in Verbindung zu bringen, indem man es zu jener Frist nicht so weit gebracht hatte, aus einem halben Dutzend heteroWerk zusammen zu würfeln; – so schloss er: Sie verstehen mich. – Der Orden verlangt nichts, allein man gibt ihm ohne sein Verlangen. – Wer wollte nicht in den Klingsäckel des staates, dessen Glöcklein jetzt, wo wir stehen und gehen, sitzen und liegen, läutet, reichlich legen, wenn die Gabe dem Geber hundertmal wieder gegeben wird – und diess Scherflein von Saat zu tausendfältigen Früchten gedeihet?
Der gute Ritter hat freilich bis zum §. 72 in diesen Kreuz- und Querzügen gegrünt und geblüht, und dreimal sieben Jahre mit seiner Ehegattin in einer exemplarischen Ehe gelebt. Selten werden Väter der Bücherhelden es so weit und bis zum §. 70 bringen, sondern weit zeitiger dem Achill, dem Ulysses, dem Aeneas (soll ich an die Henriade denken?) Platz machen. – Warum soll ich es verhalten? Auch selbst noch im siebenmal siebzigsten §. würde' es mir leid sein, mich von meinem Ritter zu
§. 72.
scheiden
und ihn scheiden zu lassen. Leider wird er nur noch diesen und wenige folgende §§. erleben.
Was ist unser Leben? Wer weiss von uns, die wir diess Buch schreiben und lesen, wie viele Paragraphen gute Paar hatte, ausser dem Erstgebornen, noch sechs Kinder erzeugt, die indess im dritten, siebenten und neunten Jahre starben, obgleich keins notgetauft war. Der Pastor loci zog nie, wenn die Baronin niederkommen sollte, über Land; vielmehr fehlte nicht viel, dass er bei ihrer Entbindung, wie ein Bischof in England bei der Königin auf die Sechswochenwache zog. Wär' ich paragraphensüchtig – zu wie vielen hätten mir so viele Kinder gelegenheit gegeben! Jetzt begnüg' ich mich mit der Bemerkung, dass diejenigen regierenden Herren und Frauen, die bei der Nottaufe, wiewohl gebührlich, übersehen waren, bei den folgenden drei Kindern als Taufzeugen in das Kirchenbuch verzeichnet wurden. Die letzten drei mussten sich ohne diese Ehre behelfen, und es war gut, dass man die Herren Nachbarn und Frau Nachbarinnen, die ohnehin genug mit sich selbst zu tun hatten, weiter